Alter Friedhof in Gießen: Weg verbessert, aber keine "dauerhafte Lösung"

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GIESSEN - (bl). Ein Anfang ist gemacht: Zumindest der Eingangsbereich zum Alten Friedhof über die Licher Straße ist bis zur Kapelle barrierefrei gestaltet worden. "Ich bin angenehm überrascht. Perfekt und schnell gelöst", lobt Kornelia Steller-Nass, Vorsitzende des Gießener Arbeitskreises für Behinderte und stellvertretende Vorsitzende des Seniorenbeirates.

Im Herbst hatte die auf einen Rollator angewiesene Gießenerin Bärbel Irmer beklagt, dass der Weg dorthin für gehbehinderte Menschen mittlerweile "eine Katastrophe" sei. Die Seniorin Lotti Kunz schilderte ähnlich schlechte Erfahrungen. Beide appellierten an die Stadt, dringend Abhilfe zu schaffen.

Bei dem, was inzwischen geschehen ist, handelt es sich um erste Ausbesserungen "mit gutem Ergebnis", allerdings nicht um eine dauerhafte Lösung, teilt Stadtsprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers mit. Die wäre ohnehin kostspieliger, zumal es eine denkmalgerechte Befestigung sein müsste. Zuletzt hieß es, dass das Gartenamt einen sogenannten "Possehl-Belag" prüfe, wie er schon in den Mühlengärten oder am Platz am Christoph-Rübsamen-Steg verwendet wurde. Das ist eine Oberflächenbeschichtung, die aus einem Bindemittel auf Basis von Reaktionsharzen besteht. Die Griffigkeit selbst bei Regen und Nässe sei hoch, die Kosten sind es aber wohl auch. Auf den betreffenden Flächen bis zum Vorplatz der Friedhofskapelle seien nun zunächst die Ausspülungen begradigt und die Wege dann mit einer neuen Deckschicht versehen worden. Die oberen drei Zentimeter weisen dabei eine relativ feine Körnung auf. Dadurch sei dieser Abschnitt "auch für Rollstuhlfahrer gut nutzbar".

Das Problem: Alle Pfade auf dem Alten Friedhof seien in wassergebundener Bauweise ausgeführt, also ohne Pflaster oder Asphalt. Dies bedeute, dass gerade auf dem abschüssigen Gelände die durch Regenfälle verursachten Ausspülungen immer wieder überarbeitet und saniert werden müssten. Zudem lasse sich in der Frost-Auftauphase generell keine ideale Begehbarkeit gewährleisten. Ohnehin könne allein aufgrund des natürlichen Gefälles "eine regelgerechte Barrierefreiheit nicht erreicht werden", weil dafür ein maximales Gefälle von sechs Prozent vorgeschrieben ist. Das sei jedoch nicht überall zu realisieren.

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