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Am Ball kann er alles - und nicht nur da

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Stieg vor dem Auftritt in der Kongresshalle nochmal ins Archiv und wurde beim Stichwort Gießen sogar fündig: Arnd Zeigler. © Leyendecker

Fußball-Entertainer Arnd Zeigler hatte in der Kongresshalle kuriosen, witzigen und klugen Stoff dabei. Und sogar beim Stichwort Gießen wurde er fündig.

Gießen. Man muss sich beim Fußball schon entscheiden. Hält man es mit den zwielichtigen FIFA-Infantinos, den aufgeblasenen Geschäftemachern, den öden Rekordmeistern dieser Welt? Oder leidet man still und leise an seiner seltsamen Leidenschaft, weil die aus unerklärlichen Gründen irgendwann einmal auf - sagen wir - Arminia Bielefeld fiel? Trotz aller glitzernden Champions-League-Spektakel mache man sich bewusst: Solche wie die leidenden Bielefelder gibt es viel mehr als weithin gedacht. Einer von ihnen - und damit eindeutig einer von den Guten - ist der Bremer Journalist Arnd Zeigler. Nun gastierte der Erfinder und Moderator der aus TV und Radio bekannten »wunderbaren Welt des Fußballs« erstmals in Gießen. In der gut besuchten Kongresshalle bot er dem Publikum gut drei Stunden lang Kurioses, Witziges und Kluges - das sich ausschließlich um das unerschöpflichen Phänomen Fußball, aber bei Weitem nicht nur um den Ball drehte.

Wenn man bei Zeigler nach den hervorstechenden Qualitäten sucht, dann wird man schnell bei seiner famosen Recherchearbeit fündig. In Gießen dabei hat er unzählige kurze Videos aus aller Herren Länder, die bizarre Szenerien zeigen. Da schießt ein Torwart sich den Abstoß wegen einer starken Windböe selbst ins Tor. Ein anderer scheitert beim mehrfachen Versuch, einen aufs leere Tor zukullernden Ball wegzuschießen. Einem dritten Torwart (übrigens einem Bielefelder) fällt bei einer Parade gar das Gebiss aus dem Gesicht.

Aber nicht nur die Torhüter werden bei Zeigler unter die Lupe genommen. Thomas Häßler wirbt für Haartransplantationen, Thomas Legat hält eine bizarre Brandrede als Trainerneuzugang, Stefan Effenberg zeigt sich auf dem Oktoberfest von seiner schamlosesten Seite. Und auch angejahrtes Bildmaterial aus Gießen gibt es zu bestaunen: als der späte Uwe Bein in einem Kaufhaus vorgestellt wird und Mittelhessens Massen (eine kurze Weile) von besseren Zeiten träumen lässt.

Man könnte sagen: In Zeiglers Programm geht es in rasantem Tempo hoch und runter. Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Fans - sie alle werden in diesen drei Stunden mit liebevollem Spott bedacht. Der Gastgeber erweist sich bei seinem Auftritt unter dem Titel »Hat schon Gelb« als glaubwürdiger Anhänger des Fußballs, der sich wunderbar für all die Randphänomene begeistern kann, die der Fußball hervorbringt. Er erinnert an die Aufregung, die der Schnurrbart von Franz Beckenbauer im Jahr 1971 erregte, er vergleicht den Schleifer Rolf Schafstall mit dessem zwei Generationen jüngeren Kollegen Julian Nagelsmann und, ganz wichtig, er glänzt mit reichlich Selbstironie. Zu den Höhepunkten seines Programms gehören die Szenen im eigenen Garten, in dem er zusammen mit Freunden besondere Spielszenen nachstellt, bis hin zu einem herrlichen Fallrückzieher von Cristiano Ronaldo. Sicherheitshalber ist aber auch immer Zeiglers Hausarzt mit dabei.

Doch bei allen gut gesetzten Pointen umkreist der Bremer in der Kongresshalle auch das Phänomen, warum man als Fan stoisch all das aufgeblasene, wichtigtuerische und scheinbar immer weiter anwachsende Drumherum erträgt. Weil der Fußball in seinem Kern auch davon nicht zerstört werden kann. Nach drei Stunden mit Arnd Zeigler lässt diese Botschaft jeden echten Fan wieder ein bisschen Hoffnung schöpfen.

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