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Am Lager des Dionysos

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Die Vitrinen mit antiken Keramiken, wie Teller und Trinkgefäße, sind ansprechend gestaltet. © Schultz

Die Antikensammlung der JLU ist mit der Ausstellung »Im Reich des Dionysos« zu Gast im Alten Schloss. Sie gibt den Blick frei auf eine lebensfrohe Zeit im alten Griechenland.

Gießen. Mit überraschenden Erkenntnissen und eindrucksvollen Bildern wartet eine neue Ausstellung im Alten Schloss auf. »Im Reich des Dionysos - die Antikensamlung der JLU zu Gast im Oberhessischen Museum« gibt den Blick frei auf eine lebensfrohe Zeit im alten Griechenland. Das Ganze dreht sich um einen der wichtigsten Götter der griechischen Geschichte, Dionysos, den Gott des Weines. Er war aber noch für einiges mehr zuständig.

Kaum hatte man die Eingangskontrolle hinter sich gebracht, blickte man auch schon auf ein prächtiges Bild der Sinnenfreude. Dionysos und eine Mänade, eine »leidenschaftliche Gefährtin«, ruhten da auf einem wunderschön im Stil der Antike geschmückten Lager und gaben sich den sinnlichen Freuden des Speisens und Trinkens hin. Dafür war der Gott zuständig, erfuhr man, er agierte gewissermaßen dienstlich.

Einen kurzen, knackigen Überblick über die Ausstellung sowie Bedeutung und Wirkungsbereiche des großen Dionysos gab die klassische Archäologin Dr. Michaela Stark zum Beginn des Eröffnungsabends im Netanyasaal. Wer genau hinsah, bemerkte an ihren Schuhen jeweils zwei Hermesflügel, zweifellos ein Hinweis auf die Verbundenheit Starks mit der Götterwelt. Zum Glück sei Dionysos in der Antikensammlung in vielfacher Form vorhanden, man versuche hier, im reduzierten Umfang die besten Stücke zu zeigen und zugleich etwas Neues zu zeigen, sagte Stark.

Erstmals fand eine Schau der Antikensammlung nicht im Wallenfels’schen Haus statt, da es umgebaut wird. »Dionysos wohnt mit seiner Gefolgschaft hier oben hinter dem Keltengrab. Er hat eine Entourage zweifelhafter Gestalten« sagte Stark in ihrer Einführung: »Unholde, Monster, Satyrn und hysterische Frauen,« konkretisierte sie. Im Foyer gab es am Eröffnungsabend später noch ein prachtvolles Buffet, direkt am Lager des Gottes und seiner Gefährtin.

Sie lobte die Zusammenarbeit mit dem Museum, das der Sammlung drei Vitrinen im eigenen Haus zur Verfügung gestellt hatte. Es gab mehrere Bereiche: im Foyer konnte man Dionysos live erleben, im ersten Stock ist der Ausstellungsraum, der auch als Workshop für Kinder und Erwachsene dienen soll. Die Sonderausstellung ist der Auftakt einer Reihe von geplanten Veranstaltungen.

»Dionysos ist eine Ausnahmeerscheinung in der griechischen Götterwelt, denn er hat einerseits viele verschiedene Gestalten, in denen er sich manifestiert, er besitzt ganz viele Facetten, und er hat ganz viele verschiedene Funktionen. Es ist erstaunlich, dass er überhaupt ein Gott ist, denn sein Vater war der Gott Zeus, seine Mutter eine menschliche Frau, Semele. Die verstarb, nachdem sie ihren Geliebten leibhaftig gesehen hatte, da Menschen den Anblick von Göttern nicht ertrugen und verbrannte. Das Kind wurde in den Schenkel des Zeus eingenäht und von dort zum zweiten Mal geboren, nun als Gott,« sagte Stark. Er war für den Bereich Draußen zuständig, der in der Mythologie als gefährlich galt, denn da hausten verschiedene Monster, »die werden Sie auch in unserer Ausstellung sehen.«

Eine Kernkompetenz Dionysos war der Wein, aber auch das Theater, er legte aber auch Wert auf ungewöhnliche Garderobe und ließ sich von den Satyrn, halbmenschlichen Wesen, begleiten. Dazu gehören auch die Mänaden, die von menschlicher Gestalt waren, aber kein gesittetes, attisches bürgerliches Verhalten zeigten: »Die treiben sich draußen in der Natur rum und zerreißen auch gerne Tiere,« führte Stark weiter aus. »Das war auf den übermäßigen Genuss des Weins zurückzuführen.« Dionysos war auch wichtig für die Gesellschaft, er wurde im öffentlichen wie auch im privaten Raum kultisch verehrt, jedoch nur in der männlichen Oberschicht.

Was dem Besucher sogleich auffällt, ist die attraktive Optik der Exponate. Bei allen Rissen sehen sie unerhört gut erhalten, ja gepflegt aus. Was am harten Brand der Keramiken damals liegt - sie halten sich einfach sehr gut. Jede Vitrine ist sorgfältig inszeniert. Zudem sind die Gefäße - flache Trinkschalen und große Vorratsgefäße für den Wein - mit vielschichtigen Abbildungen versehen, in der in comic-ähnlicher Weise Szenen aus der Vergangenheit Atmosphäre und Details von Kleidung und Gebrauchsgegenständen zeigen oder einfach den Mythos darstellen. Die klar formulierten Texte der Hinweistafeln tun ihr Übriges für den Durchblick der Besucher.

Die Ausstellung ist bis auf Weiteres im ersten Stock des Oberhessischen Museums im Fayencenraum zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

Es folgen die Führung »Schätze aus dem Magazin« (7. April, 19 Uhr) und die Kinder-Workshops »Antike zum Anfassen« (10. April, 12-14 Uhr) und »Gladiator für einen Tag« (10. April, 14-16 Uhr).

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Auf einem Lotterbett: Mathias Kunzler, Stefania Gerundo als Dionysos und Anhängerin. © Schultz

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