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Anderer Blick auf unseren Planeten

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Der Verfall des Waldes - hier ein Totholzstück im Harz - kann als Symbol für den Klimawandel gelten. Mathias Kessler dokumentiert in seinem Projekt nicht nur die negativen Seiten der natürlichen Ruinen. Symbolfoto: Matthias Bein/ dpa © Red

Panel on Planetary Thinking ; Drei international renommierte Gäste forschen und arbeiten noch bis Ende Juni im Rahmen unterschiedlicher Projekte an der JLU in Gießen.

Gießen (red). Ein neues Verständnis scheinbarer Widersprüche zwischen Natur und Kultur, ein Blick auf das Waldsterben und Jahrring-Forschung, Studien zu Architektur, Vibration und die katastrophalen Auswirkungen von Erdbeben - so unterschiedlich diese Themen auf den ersten Blick auch sein mögen, sie verbindet ein gemeinsames Ziel: Es geht um Denkanstöße zu einem anderen Blick auf unseren Planeten und damit um neues Verständnis von Nachhaltigkeit.

Drei international renommierte Gäste forschen und arbeiten noch bis Ende Juni im Rahmen unterschiedlicher Projekte an der Justus-Liebig-Universität (JLU). Möglich wurde dies dank eines innovativen Stipendienprogramms, aufgelegt vom Panel on Planetary Thinking der JLU.

Das Stipendienprogramm Planetary Scholars and Artists in Residence soll neue Perspektiven auf die großen Fragen unserer Zeit entwickeln. Es ist zunächst bis 2025 angelegt. Zum Auftakt steht das Thema »Planetare Materialien« (»Planetary Materials«) im Fokus. »Die eingeladenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Künstlerinnen und Künstler werden an der JLU Workshops oder Masterclasses anbieten, die als potenzielle Keimzelle für Ideen zu künftiger Forschung, Lehre und zum Transfer dienen«, erklärt Dr. Frederic Hanusch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Panel on Planetay Thinking. Die Gäste werden als Tandems zusammenarbeiten; die Stipendien bieten den Raum und die nötigen Rahmenbedingungen. Die Fellowships sind mit jeweils 5000 Euro pro Monat dotiert und haben eine Laufzeit von drei Monaten.

Prof. Claus Leggewie, Inhaber der Ludwig Börne-Professur an der JLU und Initiator des Panel on Planetary Thinking, freut sich über die große Resonanz auf die erste Ausschreibungsrunde: 141 Bewerbungen aus aller Welt hatten die JLU erreicht. »Das zeigt uns, dass das wir mit dem noch recht jungen Panel on Planetary Thinking eine thematische Ausrichtung getroffen haben, die auch international großes Interesse hervorruft«, sieht sich Leggewie bestärkt. Der Politikwissenschaftler ist sich sicher: »Im Dialog mit unseren Gästen wollen wir ausloten, welche Impulse die unterschiedlichen Denkströmungen für die Nachhaltigkeitsforschung an der JLU geben können und welchen eigenständigen Beitrag die JLU zu den Debatten liefern kann.« Die Ausschreibung der Stipendien für 2023 zum Thema »Planetare Räume« (»Planetary Spaces«) erfolgt im Sommer dieses Jahres.

Projekt I: Rosbach vor der Höhe - ein zerstörtes Waldstück: Jede Zerstörung birgt eine Chance. Unweit von Frankfurt am Main, bei Rosenbach vor der Höhe, befindet sich ein Waldstück, sein Verfall kann als ein Symbol für den Klimawandel gelten. Derartige Zusammenbrüche der Natur stehen im Zentrum der Kunstwerke des in New York lebenden Mathias Kessler (Jahrgang 1968). Er dokumentiert nicht nur die negativen Seiten der natürlichen Ruinen, sondern ist fasziniert von den Möglichkeiten ihrer Neuerfindung. Im Zuge seines Projekts im Planetary Scholars & Artists in Residence-Programm lädt er Menschen dazu ein, den Zerfallsprozess des Waldes zu erleben - und zum aktiven Handeln motivieren.

Projekt II: Jahrring-Berichte zum Waldsterben: Eines der wohl beeindruckenden Materialen unseres Planeten ist Holz. Es ist weder die Zusammensetzung noch der Rohstoff, die Holz für Dr. Claudia Hartl (37), Dendrochronologin, Geographin und Ökologin mit Fokus auf Klimatologie, so interessant machen. Es sind vielmehr die Geschichten, die in den Jahrringen des Holzes archiviert sind. In ihrem Projekt führt die Wissenschaftlerin Untersuchungen zur Holzalterbestimmung mittels Bohrkernproben an Bäume durch. Anhand der Jahrringbreite können Rückschlüsse auf die Vitalität eines Baums, seine Reaktionen auf Trockenjahre oder Extremereignisse gezogen werden. Indem sie in ihrem Projekt das Waldsterben genauer beleuchtet, soll zugleich Wissen über eine Baumarteneignung für künftig stabilere Wälder generiert werden.

Projekt III: Urelement - Vibration als planetarisches Transmaterial: Die Vibration und ihre katastrophalen Auswirkungen (zum Beispiel bei Erdbeben) sind zu einem Indikator für Mensch-Planeten-Beziehungen geworden. Clemens Finkelstein beschäftigt sich mit den planetarischen Verflechtungen des physikalischen Phänomens und nähert sich diesen über die Architektur als Medium zwischen gebauter und natürlicher Umwelt. Der 33-jährige Ph.D. Kandidat an der Princeton University analysiert Vibration als planetarisches Transmaterial, an dem sich Materialität und Immaterialität überlagern. Er gewinnt dabei Erkenntnisse über Materialien und Raumkörper, die darauf abzielen, wesentliche Beziehungen der Menschheit zu ihrer Umwelt neu zu kalibrieren. Fotos: JLU

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Clemens Finkelstein © Red
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Claudia Hartl © Red
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Mathias Kessler © Red

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