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Andrang sorgt für neue Hoffnung

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Von: Klaus-Dieter Jung

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Und es dreht sich doch: Das Riesenrad »Liberty Wheel« nimmt die Fahrgäste wieder mit in luftige Höhen. © Jung

Die Frühlingsmesse an der Ringallee ist nach zwei Jahren Pause eröffnet worden. Der Andrang war groß, die Branche schöpft neue Hoffnung.

Gießen. Diesmal war alles anders: Bei der Eröffnung der Frühlingsmesse am Samstagnachmittag gab es keine Musik vom Fanfarenzug Hansa Gießen, kein Fassbieranstich und kein Freibier, auch keine Reden von den Schaustellerverbänden. Wer auf das Gelände kam, musste das mit Maske tun und wurde gebeten, einen Abstand von 1,50 Meter einzuhalten.

Doch die Hauptsache: Auf dem großen Platz an der Ringallee herrschte nach zwei Jahren coronabedingter Zwangspause endlich wieder Leben. Die Menschen warteten geduldig vor den Fahrgeschäften und genossen es, etwa eine halbe Stunde kostenlos mit dem Riesenrad »Liberty Wheel« in die Lüfte zu fahren oder beim »Break Dance« durcheinandergewirbelt zu werden. Der Start der Messe war sehr gelungen, nicht zuletzt weil Petrus die Hand im Spiel hatte und viel Sonne und blauen Himmel mit angenehmen Temperaturen über den Messeplatz schickte.

Harte Jahre für die Schausteller

»Heute ist ein besonderer Tag«, freute sich Bürgermeister Alexander Wright und zeigte sich bei seiner ersten Eröffnungsrede einer Messe erleichtert: »Nach zwei Jahren Durststrecke dürfen wir die Eröffnung des größten Volksfestes in Mittelhessen feiern.« Für die Schausteller seien es zwei schlimme Jahre gewesen. »Unsere Seele und unser Herz haben mitgelitten.« Dank des Engagements und des Veränderungswillens zur Erfüllung der notwendigen Gesundheitsauflagen könne das gesellige Treiben jetzt wieder stattfinden. Die Freude über den Neustart sei aber angesichts des Kriegs in der Ukraine nicht ungetrübt. »Friede ist das wertvollste Gut« sagte der Grünen-Politiker. Verzichtet wird aufgrund der Pandemie und des Krieges diesmal auf das Feuerwerk.

Wright appellierte zudem an das Publikum, Abstand zu halten und Gedränge zu vermeiden. Das ging nach seiner Rede am 35 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Riesenrad aber bald los. Gäste, die sich zuvor per Online-Reservierung eine der 26 Gondeln gesichert hatten, drängten zum Einstieg. Pro Kabine konnten maximal vier Personen eine halbe Stunde lang mitfahren. Und in luftiger Höhe ihr Picknick, bestehend aus einem alkoholfreien Kaltgetränk, einer Mexikostange und einem Stück Streuselkuchen genießen.

Die musikalische Umrahmung der Eröffnung übernahm André Lotz mit seinem Leierkasten, flankiert von der Fahne des Schaustellerverbandes. Schaustellerin Ursula Kalbfleisch-Winter strahlte beim Blick über den Messeplatz. »Es sind unheimlich viele Leute da. Das ist ungewöhnlich für Gießen«, stellte sie fest. Und ein Zeichen, dass die gebeutelte Branche wieder Hoffnung schöpfen kann. Zuvor lief der Butzbacher Faselmarkt eine Woche zuvor für sie »so gut wie noch nie«, wie die Geschäftsfrau schwärmte, die seit 45 Jahren dort ihren Stand betreibt.

Dort habe es allerdings auch keine Auflagen gegeben. »Das Wetterauer Gesundheitsamt ist da etwas flexibler.« Unter freiem Himmel sei zudem nicht jeder Besucher von der Maskenpflicht überzeugt. Umso mehr Vorschriften es gebe, umso mehr Verdruss entstehe bei den Besuchern, hat Ursula Kalbfleisch-Winter beobachtet. »Die Leute mögen die Beschränkungen einfach nicht mehr.«

Ihr Kollege Max Wagner strahlte dennoch angesichts des Gießener Messe-Comebacks: »Das gibt einem schon Gänsehaut-Momente.« Zumal die Vorbereitungen schwierig gewesen seien. Die Schausteller hätten erst mal in den alten Rhythmus hineinfinden müssen. »Wir haben ja immer die größten Puzzles der Welt«, sagte der Busecker Betreiber eines Mandelverkaufs, der jede Woche neu zusammenzubauen ist. Nach zwei Jahren Pause sei das nicht ganz so einfach gewesen

Die halbstündigen Freifahrten mit dem Riesenrad sollen ein Dankeschön an das Publikum sein, das die Schaustellerbetriebe nicht vergessen habe. Glücklich zeigte sich der Busecker über den Ansturm und verteilte weitere Getränke an die Picknicker im Riesenrad: »Wir machen die Pforte auf und die Leute strömen.« Zur Maskenpflicht hat er eine klare Position: »Wenn das ein nötiges Übel ist, dann ist es eben so. Aber Hauptsache, die Frühlingsmesse darf wieder stattfinden.« Die Betriebe brauchten eine Perspektive, und die Menschen ebenso. »Für uns ist es wichtig, dass wir wieder unserer täglichen Arbeit nachgehen können.«

Auch Eva Uhl von der Gießener Mandelbrennerei Uhl freute sich, »dass das Lebensgefühl wieder da ist«. Nach der langen Pause sei es an der Zeit, wieder mit Menschen zusammenzukommen. Sie hat Hoffnung, dass der Alltag zurückkehrt, die Leute diszipliniert bleiben und Maske tragen, »auch wenn es warm ist«.

Maskenpflicht auf dem Messeplatz

Tilman Bucher vom die Frühjahrsmesse veranstaltenden Stadtmarketing ging nach der offiziellen Eröffnung mit einem Kollegen über den Platz und verteilte Tafeln mit den Regeln, weil einige Menschen sich nicht an die Vorgaben hielten. Auch die Betreiber der Fahrgeschäfte wiesen permanent per Durchsagen auf die Maskenpflicht auf dem Platz hin. Eine Gießenerin mokierte sich über den unfreundlichen Ton eines der beiden Ordnungspolizisten, die sie schroff auf die Einhaltung der Regeln hingewiesen habe.

Und ein Ehepaar, das über den Platz schlenderte, zog gleich wieder von dannen. »Uns ist das zu eng«, meinte die Frau und regte sich darüber auf, weil sich wohl nicht alle an Abstandsregeln und Maskenpflicht hielten. Auch in den Abendstunden herrschte rege Betriebsamkeit an der Ringallee, wo für fünf Minuten die Helligkeit wegen »Earth Hour« wich, viele Menschen aber nicht wussten, aus welchem Anlass dies geschah.

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Der Andrang auf die Fahrgeschäfte war nach zwei Jahren Corona-Pause enorm. © Klaus-Dieter Jung

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