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Annäherung an einen berühmten Namen

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Gießen (rfi). Unter dem Motto »B-A-C-H« fand jetzt in der Bonifatiuskirche das 61. Mittwochskonzert statt. Eingeladen hatte der Förderkreis Neue Orgel den Augsburger Organisten Marius Herb, der zurzeit sein Masterstudium im Fach Orgel an der Mainzer Musikhochschule absolviert. Obwohl er sich noch in der Ausbildung befindet, kann jetzt schon festgestellt werden, dass er ein Meister seines Faches ist.

Zentrum und Ausklang des Konzerts zugleich bildete die furiose Liszt-Komposition »Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H«. Herb leistete hier Erstaunliches: Schon in der leidenschaftlich bewegten Klangexplosion des Beginns gestaltete er das hohe Maß an Erregtheit klangschön und dramatisch. Die Akkordballungen über das Bach-Motiv im Bass interpretierte der Künstler ebenso dicht wie transparent.

Das Werk ist in Wagnerscher Harmonik gehalten und nimmt 30 Jahre vor Entstehung von Wagners »Parsifals« diesen vorweg. Die Komposition entfachte einen orgiastischen Klangtaumel, den der Musiker mit poetischer Genauigkeit wiedergab. Auch die Schlussapotheose gelang ihm ausgezeichnet.

Zuvor erklangen Werke aus drei Jahrhunderten. Josef Gabriel Rheinberger kombiniert in seinem Agitato für Orgel, das im Gegensatz zur Lisztkomposition nicht auf der Euleorgel, sondern auf der Englischen Chororgel erklang, klassizistische Anklänge an Felix Mendelssohn mit Zügen der Bachrezeption zu einer gelungenen Synthese. Marius Herb interpretierte das Werk anrührend.

Johann Sebastian Bachs Largo aus der Triosonate C-Dur ist eine melodiöse Komposition. Die Triosonate folgt in der Musik des Barock einem Satzmodell mit zwei gleichberechtigten Oberstimmen über einem Bass. Das Stück ist durchweg kantabel gehalten und geht melodisch ins Unendliche.

Rheinbergers »Vision« für Orgel kontrastiert eine wie aus der Ferne hereinklingende Piano-Klangfläche mit Forte-Passagen, eine dialogische Struktur mit wirkungsvollem Effekt. Floor Peeters (1903-1986) komponierte seine Aria op.51 in erweitert tonaler Harmonik. Das Stück trägt liedhafte Züge und weist eine geschlossene Form auf. Harald Fellers (geb. 1951) »Te Deum« beginnt mit klangmächtigen Akkorden, denen minimalistische, psalmodierende Abschnitte folgen. Robert Schumanns »Studie für den Pedalflügel op.56« ist eine melodiös gehaltene Komposition, die an Mendelssohns Lieder ohne Worte gemahnte. Das zahlreiche Publikum bedankte sich mit lebhaftem Applaus und erklatschte sich eine Zugabe.

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