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Ansichten der Vergänglichkeit

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Ortwin Schuster führte in die Ausstellung der Gießener »Wandbilder« ein. © Vereinigte Hagel

Gießen (red). Es geht um Abnutzung, Verfall, den stetig nagenden Zahn der Zeit. Die Ausstellung »Wandbilder« von Dr. Manfred Leistner ist in den neuen Räumlichkeiten der Vereinigten Hagelversicherung in Gießen zu sehen.

Die Liebe zur Kunst geht schon auf die Schulzeit des Arztes zurück. Vor rund 50 Jahren schuf er zahlreiche Zeichnungen und Plakate für Theater- und Konzertveranstaltungen.

Dennoch entschied sich Leistner beruflich für einen anderen Weg: Er studierte Medizin. Bekannt wurde er als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des End- und Dickdarmzentrums Hessen-Mitte.

Dennoch hat ihn die Kunst nie losgelassen: Leistner widmete sich über die Jahrzehnte der Fotografie, der kunsthistorischen und theoretisch-psychologischen Auseinandersetzung mit dem Surrealismus, er schuf Ölbilder, Bleistiftzeichnungen, Acrylarbeiten mit figurativen bis expressiv-gegenständlichen Darstellungen.

Seine nun zu sehenden »Wandbilder« gehen auf Besuche der Franzensfeste in Südtirol zurück. Dort sind Wände zu entdecken, die eine vielschichtige Putzstruktur aufweisen, entstanden durch Verwitterung, Abblätterungen von Farbaufträgen, durch Feuchtigkeit und Renovierungen. Rund 100 Fotos solcher Wandausschnitte hat Leistner gesammelt. »Das Auge des Künstlers und Fotografen erkennt das Besondere im scheinbar Banalen« heißt es. Diese Aussage unterstreicht die besondere Art der geschulten Wahrnehmung, das Erfassen von ästhetischen Qualitäten und ausdrucksstarken Bildern dort, wo sie Anderen verborgen bleiben.

Aus der Wahrnehmung von Zerstörung oder Verwitterung kann so etwas Neues, Positives, Starkes mit hoher Ästhetik und bildlicher Qualität entstehen.

Die Wände der Franzensfeste waren für Leistner ein solcher Augenblick der Faszination. So werden von ihm gewählte Wandausschnitte als primäres Foto wie ein eigenständiges abstraktes Bild präsentiert. Diesem Bild steht ein weiteres digital bearbeitetes und am Computer übermaltes, mehr oder weniger stark verändertes Pendant zur Seite. Hierbei wurde, je nach Stimmung des Künstlers, der Charakter des Ausgangsfotos weitgehend überdeckt durch eine gänzlich neue Bildkreation. Trotzdem bleibt das Ausgangsfoto von bestimmender Bedeutung.

Vor dem Rundgang mit dem Künstler führte Prof. Ortwin Schuster, Jurist und Kunstkenner aus Landshut, in die Bedeutung der Kunst ein. Der Hausherr und Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel, Dr. Rainer Langner, hatte die Gäste zuvor begrüßt und kurz die neuen Räumlichkeiten vorgestellt.

Rund 40 neue Arbeitsplätze - zusätzlich zu den bereits 100 bestehenden - habe der Versicherungsverein im neuen Anbau untergebracht und damit ein starkes Bekenntnis zum Standort Gießen abgegeben. Diese Räume sollen nun auch ein Ort der Begegnung sein.

Die Ausstellung bei der Vereinigten Hagel in Gießen (Wilhelmstraße 25) läuft bis ins nächste Jahr und ist nach Anmeldung für die Öffentlichkeit zugänglich. Es gilt die 2G-Regel. Anfragen unter Telefon (0641) 7968-300 oder per E-Mail unter d.rittershaus@vereinigte-hagel.de.

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