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Auch fürs alltägliche Leben lernen

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Von: Petra A. Zielinski

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Fühlen sich gut informiert (v.l.): Milena Bänkendorf, Franz-Andreas Loos, Lea Sophie Hackstein und Christian Hez. Foto: paz © paz

An der Herderschule in Gießen informierten sich die Abiturienten über Themen wie Steuern, Miete oder Krankenversicherung.

Gießen (paz). Es gibt auch ein Leben nach der Schule - darauf möchte der »Zukunftstag« an der Herderschule seine Abiturienten in spe vorbereiten. Rund 100 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 konnten sich diese Woche über so wichtige Themen wie Steuern, Finanzen, Miete und Krankenversicherungen ausführlich informieren lassen. Nicht selten können Schulabgänger alle afrikanischen Länder benennen oder Shakespeare in vier Sprachen lesen, an alltäglichen Kenntnissen mangelt es hingegen. Hier will der »Zukunftstag« Abhilfe schaffen. Vor drei Jahren wurde die Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung gegründet und von Anfang an nimmt die Herderschule daran teil.

»Das Programm ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Herderschule im mittelhessischen Raum«, freut sich Franz-Andreas Loos, Berufsorientierungs-Koordinator der Schule. »Ziel ist es, unsere Schülerinnen und Schüler auf das Leben vorzubereiten und ihnen Erfahrungen zu vermitteln, die in ihrem nachschulischen Leben hilfreich sein können.«

Die Schüler nahmen in Gruppen an den vier Workshops teil, die von Experten aus der entsprechenden Branche geleitet wurden. »Wisst Ihr, was Inflation ist?«, fragte beispielsweise Vanessa Schmidt, die mit ihrem Kollegen von der Volksbank Mittelhessen, Dominik Baier, über das Thema »Finanzen« referierte. Auch in welchen unterschiedlichen Bereichen - von Edelmetallen bis hin zu Staatsanleihen - man Geld anlegen kann, wurde thematisiert. Besonders zufrieden waren die beiden Referenten mit den Schülern des PoWi-Leistungskurses, die sich bereits sehr gut auskannten und für die Leitzins oder Zinseszinseffekt keine Fremdworte waren.

Über alles rund um die erste eigene Wohnung informierten Christian Borchers (Gonder Immobilien GmbH), über Steuern referierte Michael Sohl (abakus Steuerberatungsgesellschaft GmbH) und Kenntnisse rund um das Thema Krankenversicherungen vermittelte Michael Schneider (IKK Süd). »Die Referenten dürfen nicht für ihre eigenen Unternehmen oder Institutionen werben«, machte Loos deutlich. Sowohl die Experten als auch die Schüler waren am Ende des Tages sehr zufrieden. »Die Referenten waren sehr lieb. Man konnte immer Fragen stellen und bekam alles ausführlich erklärt. Am interessantesten fand ich die Themen Wohnen und Finanzen«, erzählte Antonia Schäffler.

»Vor allem der Workshop Wohnen war sehr gut aufgebaut«, meinte hingegen Milena Bänkendorf. »Wir haben gute Tipps erhalten, wie man sich um eine Wohnung bewirbt. Alle Themen waren hilfreich für das spätere Leben.« Und auch Lea Sophie Hackstein zog ein positives Fazit: »Ich finde es prima, dass unsere Schule so etwas anbietet. Es hat mich wirklich überrascht, wie viele individuelle Angebote Krankenversicherungen ihren Kunden machen.«

»Ich dachte erst, dass es sich bei den Workshops um kleine Crashkurse handelt. Dem war aber nicht so. Wir wurden überall umfangreich informiert«, sagte Christian Hez. »Ich habe viel über Krankenversicherungen und Steuern gelernt, was ich zuvor nicht wusste. Die Veranstaltung war meines Erachtens ganz wichtig für den Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium.«

Zum Hintergrund: Als sich eine Kölner Schülerin 2015 in einem Tweet darüber beschwerte, sie könne eine Gedichtsanalyse in vier Sprachen schreiben, habe aber keine Ahnung von Miete, Steuern und Versicherungen, löste dies eine Debatte über die wirtschaftliche Bildung an deutschen Schulen aus. Auch die Freunde Juri Galkin und Lorenzo Wienecke konnten sich damit identifizieren. Entsprechend ihrem Motto »Machen statt meckern« gründeten sie die Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung und veranstalten seit 2019 deutschlandweit Projekttage an Schulen, die diese Lücke im Lehrplan füllen sollen.

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