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Auch in Gießen »noch viel zu tun«

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Großes Verantwortungsbewusstsein: Sebastian Hermann engagiert sich für die Belange von Menschen mit Behinderung. © Lebenshilfe Gießen

Sebastian Hermann arbeitet bei der Lebenshilfe Gießen und setzt sich im Behindertenbeirat aktiv gegen soziale Ungerechtigkeit ein.

Gießen (cnf). Sebastian Hermann hat keine Scheu, soziale Ungerechtigkeiten zu benennen. Der 37-jährige Gießener ist seit Anfang dieses Jahres Mitglied im Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung der Stadt Gießen. Dieser nimmt eine beratende Funktion für die Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat ein. Innerhalb des Gremiums fungiert Sebastian Hermann als neuer Stellvertreter von Martina Ertel (Lebenshilfe-Bereichsleitung Ambulante Hilfen und Stellvertretende Beirats-Vorsitzende). Gemeinsam vertreten sie die Lebenshilfe Gießen, die in Stadt und Landkreis über 3000 Menschen mit und ohne Behinderung begleitet. Auch weitere Wohlfahrtsverbände, Selbstorganisationen von Menschen mit Behinderungen, der Ausländerbeirat und Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung gehören dem Beirat an.

»Sprachrohr«

»Ich möchte mich für meine Kollegen und für Menschen mit Behinderung einsetzen, vor allem da, wo etwas nicht in Ordnung ist«, erklärt Sebastian Hermann, der selbst seit 2014 bei der Lebenshilfe Gießen arbeitet. Seit 2015 ist er in der Reha-Werkstatt (Standort West) - einer Rehabilitationseinrichtung für Menschen mit chronisch-psychischer Behinderung - in der Montage-Abteilung tätig. Sebastian Hermanns Engagement und Verantwortungsbewusstsein ist vielseitig, das zeigt sich etwa in seiner Tätigkeit als Werkstattrat oder zum Beispiel als Mitglied des Corona-Krisenstabs des gemeinnützigen Unternehmens: »Generell sehe ich mich als Sprachrohr, aber auch als Ansprechpartner. Gerade für Menschen mit Behinderung.«

Als neues Mitglied konnte der 37-Jährige bereits an einer Sitzung - einer von vier oder fünf im Jahr - teilnehmen. Dabei übernahm er zunächst noch die Rolle des Zuhörers, nach und nach möchte er jedoch auch aktiv werden. »Das war alles schon sehr interessant. Dadurch, dass ich jeden Tag Zeitung lese und mich viel informiere, kann ich mich dort gut einbringen«, sagt Hermann, dem das Thema soziale Gerechtigkeit für Menschen mit Behinderung ein besonderes Anliegen ist.

Diese Grundhaltung konkretisiert der engagierte Gießener, der selbst ein chronisch-psychisches Handicap hat, anlässlich des »Welttages der sozialen Gerechtigkeit«: »In meinen Augen gibt es zum Beispiel noch nicht ausreichend öffentliche Toiletten. Gerade zu Pandemiezeiten war das ein Problem, wenn Gaststätten in der Stadt geschlossen hatten.« Für eine Verbesserung der Situation möchte sich Hermann ebenso einsetzen wie für mehr barrierefreie Bushaltestellen im Stadtgebiet.

Barrierefreiheit

Auch in der Wohnungssituation sieht Hermann eine Ausprägung sozialer Ungerechtigkeit, die Menschen mit und ohne Behinderung tangiert: »Es gibt Menschen mit Behinderung, da kenne ich selbst viele, die finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr innerhalb der Stadt. Das müssen wir ändern und da sind auch schon verschiedene soziale Träger und der Beirat in Gießen dran.«

Derweil vermag Sebastian Hermann auch Fortschritte und Erfolge in Sachen soziale Gerechtigkeit erkennen. Dazu zählt er auch die Barrierefreiheit: »Ich finde es zum Beispiel gut, dass in Gießen schon einige Ampeln barrierefrei sind. Es geschieht einiges - aber es gibt noch viel zu tun.«

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