1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Auf dem Land gibts auch keine Ruhe

Erstellt:

Von: Heinz-Gerhard Schütte

gikult_stricker_051022_4c
Den Vornamen von Kommissar Sörensen behielt er vorläufig für sich: Krimiautor Sven Stricker. Foto: Schütte © Schütte

GRÜNBERG (hgt). Krimifestival in Grünberg: Sven Stricker las im gutbesetzten Kino aus dem dritten Band seiner Reihe um den unter einer Angststörung leidenden nordfriesischen Kommissar Sörensen. Stricker, geboren 1970 in Tönning, arbeitet seit 2001 als freier Wortregisseur und Autor, gewann mehrmals den Deutschen Hörbuchpreis, 2021 den Deutschen Fernsehkrimipreis sowie den österreichischen Fernsehpreis Romy.

Nach »Sörensen hat Angst« und »Sörensen fängt Feuer« ist nun »Sörensen am Ende der Welt« angelangt. Doch, wenn der Kommissar gehofft hatte, dass sein Umzug von Hamburg ins nordfriesische Katenbüll ihm Ruhe bringen würde, sieht er sich schon bald getäuscht. Denn schon wieder gibt es eine Leiche, die mit einem Schraubenzieher erstochen im Koog liegt. Zuletzt hat den Toten der spurlos verschwundene junge Ole Kellinghusen gesehen, der ein gemeinsames Kind mit Lucy, der Tochter von Sörensens Kollegin Jennifer Holstenbeck, hat und ein guter Freund von Sörensen ist. Es ist kurz nach 22 Uhr, als eine Frau voller Angst an die Scheibe des Nachtschalters der einzigen Tankstelle in Katenbüll, in der Ole seinen Dienst versieht, klopft und panisch schreit: »Lassen Sie mich rein!« Noch während er nach dem Schlüssel sucht, um die Schiebetür zu öffnen, verschwindet die Frau wieder. Draußen entdeckt er die verstörte Unbekannte schließlich in der Waschstraße und nimmt sie mit in den Verkaufsladen.

Nachdem Ole hinter ihnen abgeschlossen hat, scheinen sie erst einmal in Sicherheit zu sein. Doch dann taucht aus der dunklen Ecke des Ladens ein Mann auf und die Ereignisse überschlagen sich. Wenn auch alle Indizien darauf hindeuten, dass Ole der Täter ist, hält ihn der Kommissar doch für unschuldig. Während er sich auf die Suche nach dem wahren Mörder macht, muss er sich mit einer nervigen Praktikantin, einen aufdringlichen Journalisten und einer Gruppe von Preppern herumschlagen - und mit seinen Ängsten. Doch Angst haben eigentlich alle Figuren in Strickers Roman. Nur die Gründe sind ganz verschieden.

Eine Überraschung hatte der Gast aus Norddeutschland für sein Grünberger Publikum parat, denn er las im zweiten Teil seiner Lesung auch Ausschnitte aus dem vierten, noch unveröffentlichten Teil der Reihe vor, der unter dem Titel »Sörensen sieht Land« im kommenden Jahr erscheinen wird.

Übrigens, auch in diesem Buch werden die Leser keinen Vornamen von Sörensen findet, denn das ist so gewollt. Dieser soll erst am Ende des letzten Buches der Reihe verraten werden.

Deutlich wurde in der Lesung aber, dass Stricker mehr als reine Spannungsliteratur verfasst. Auch Melancholie, Ernsthaftigkeit, Humor und skurrile Figuren gehören stets zu den Elementen, die seine Bücher auszeichnen. Dabei vermeidet er es, sich über seine Figuren lustig zu machen. Er nimmt sie vielmehr ernst, so gelingt die spezielle Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Sprachwitz. Das Publikum zeigte sich ein ums andere Mal davon begeistert. Zu erleben war in Grünberg ein Krimiautor, der mit einer wortgewandten Sprache, pointierten Dialogen und einer ausgeprägten Figurenzeichnung überzeugen kann. Stricker gelingt der Brückenschlag zwischen einer spannenden Erzählung und einer tragikkomischen, nachdenklich stimmenden Geschichte.

Auch interessant