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Auf der Flucht vor Klimafolgen

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Die betroffenen Menschen kommen in O-Tönen zu Wort, ihre Situation wird so greifbar gemacht. © Schultz

Die Wanderausstellung »Klimaflucht« in der Gießener Kirche St. Thomas Morus zeigt eindrücklich, wie immer mehr Lebensräume verschwinden.

Gießen. »Klimaflucht« heißt eine Wanderausstellung, die nun in der Kirche St. Thomas Morus zu sehen ist. Die deutsche Klimastiftung zeigt darin am Beispiel betroffener Menschen die Auswirkungen der weltweiten Wetterveränderungen. Originaltöne unterstützen die Schau und machen die Situation unmittelbar greifbar.

Vierzehn lebensgroße Figuren stehen jetzt im Kirchenschiff und überraschen den Besucher. Man begegnet einem Fischer, einer jungen Frau, einem amerikanischen Farmer und Inselbewohnern, deren Heimat vom Versinken bedroht ist. Sie sind jeweils Opfer der Klimaveränderung und konkret auf der Flucht vor den Folgen. Auf Schautafeln, die jedem Bild beigegeben sind, bietet die Ausstellung kurze Hintergrundinformationen zu den Auswirkungen des Klimawandels und der Größe des ökologischen Fußabdrucks in den jeweiligen Ländern. Es geht um Dürre, Flutkatastrophen, Monsunregenfälle und den Anstieg des Meeresspiegels.

Grundwasser wird immer salziger

Ziel der Wanderausstellung »Klimaflucht« ist eine Sensibilisierung der Gesellschaft für das Thema klimabedingte Migration. Durch die interaktive Vermittlung von Informationen und den interkulturellen Austausch soll auf zukünftige Entwicklungen hingewiesen werden, die die gesamte Weltbevölkerung betreffen werden.

Geht man näher an die Figuren heran, fällt neben Details, die zum Teil die Lebensumstände der Personen konkret greifbar machen und ihre Einordung in einen größeren Zusammenhang ermöglichen, ein Ohrhörer an jeder Figur auf. Hier eröffnet sich die Botschaft der Ausstellung ganz unmittelbar, denn in Beiträgen von etwa zweieinhalb Minuten ist zu hören, was die betroffenen Menschen zu sagen haben. Besonders eindrucksvoll ist hier das Interview mit zwei Frauen, die auf der Atollgruppe Tokelau im Südpazifik leben, die vom Untergang bedroht ist und deren Grundwasser immer salziger wird. Eindrucksvoll beschreiben sie einerseits ihre Angst, »vom Angesicht der Erde zu verschwinden«. Zugleich vermitteln sie unerwartete Entschlossenheit: »Wir gehen nicht unter, wir kämpfen«, sagen sie im Interview. »Resilienz ist Bestandteil unserer Kultur«, ebenso wie die Zuversicht, ihr Schicksal erfolgreich zu gestalten.

»Früher gab es jede Menge Schnee«

Eine Frau aus der Andenregion berichtet von krassem Wassermangel und davon, wie sie ihre kleine Tochter verlor: »Ich habe sie mit schmutzigem Wasser gewaschen.« Ihr Glück ist, dass sie von Nachbarn jeden Monat zwei Fass Brauchwasser geschenkt bekommt. »Sonst würde ich es nicht schaffen. Früher gab es hier jede Menge Schnee,« sagt sie.

Die Ausstellung reist bereits seit 2016 herum. In den vergangenen sechs Jahren dürften sich die Lebensbedingungen dieser Menschen nicht verbessert haben. Mittlerweile kommen laut UN-Flüchtlingshilfswerk 80 Prozent der weltweit geflüchteten Menschen aus armen, krisengeschüttelten Ländern, die vom Klimawandel betroffen sind, aber kaum Ressourcen haben, um die Auswirkungen zu verhindern oder abzumildern. Im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gibt es allerdings keine Klima- und Umweltflüchtlinge. Denn als Flüchtling gilt im Völkerrecht jemand, der aus Gründen der Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung verfolgt und bedroht wird und darum sein Land verlässt, teilt der Förderverein der Kirche mit.

Eine der Figuren zeigt den Bewohner einer Hallig. Er sieht die Aussichten für seine Heimat in den nächsten Jahrzehnten noch verhalten positiv, »aber ewig wird das nicht weitergehen.«

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 12 Uhr, Samstag 18 bis 19 Uhr und Sonntag 17 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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