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»Auf einen Zimmermann kommen 120 Juristen«

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Von: Klaus Frahm

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Stefan Naas © Klaus Frahm

Dr. Stefan Naas (FDP) nimmt auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung Stellung zu aktuellen Herausforderungen. 60 Besucher kamen zur Veranstaltung in den Räumen von » SleevesUp« in Gießen.

Gießen (kjf). »Zur Freiheit gehört für mich auch Weltoffenheit, der Blick über den lokalen Tellerrand«, sagt Dr. Stefan Naas. Der Jurist, der für die FDP im Landtag sitzt und dort Sprecher seiner Fraktion für Wirtschafts-, Industrie- und Arbeitsmarktpolitik ist, sprach in den Räumen von »SleevesUp!« über Ziele und Pläne seines politischen Engagements.

»Wir alle sollten stets Wert schätzen, dass es uns in Europa so gut geht, nicht nur materiell, sondern auch politisch und sozial«, sagte Dr. Wolfgang Gerhardt, ehemaliger Staatsminister und Ehrenvorsitzender der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung, die zu dem Vortrag und Diskussionsabend eingeladen hatte. 60 Interessierte waren gekommen, um den voraussichtlichen Spitzenkandidaten der FDP im nächsten Wahlkampf kennenzulernen. Zunächst stellte Moderatorin Ina Enseroth den Politiker vor, der als einer der jüngsten Bürgermeister Hessens seine Karriere in Steinbach im Taunus begonnen hat. Nach einer Banklehre, die Naas auf Drängen seiner Eltern absolviert hatte, wie er freimütig erklärte, studierte er in Frankfurt Jura und promovierte dort über die Geschichte des preußischen Polizeiverwaltungsgesetzes von 1931.

»Die Menschen wählen nicht nur Programme sondern vor allem auch Köpfe«, so Ina Enseroth. Deshalb halte sie es für wichtig,dem Politiker auch unbequeme Fragen zu stellen. Neben direkten Fragen zur Motivation Naas‹, in die Politik zu gehen, waren das vor allem Fragen zu der politischen Konkurrenz und Naas‹ Meinung zu deren agieren. »Jemand, der für sich Wohneigentum erwirbt, also seine erste und vielleicht einzige Immobilie, muss anders behandelt und gefördert werden, als jemand, der sein hundertstes Haus erwirbt«, so Naas. Mit einem Anteil von nur 41 Prozent an Wohneigentum stehe Hessen im weltweiten Vergleich nicht gerade an der Spitze. Da müsse die Politik dringend Förderungen schaffen und Bürokratie abbauen.

»Bei der aktuellen Inflation geht es um weit mehr als acht oder zehn Prozent, es geht um Vertrauen und den Bestand unserer Demokratie«, so Naas weiter. Die Weimarer Republik habe es mit der Einführung der Rentenmark 1924 geschafft, die Inflation zu stoppen, habe dafür aber einen hohen Preis bezahlt, der schließlich in ihrem Scheitern mündete. »Es ist ganz gut, auch einmal etwas für das Auto zu tun«, äußerte Naas sich zu der Zukunft des Individualverkehrs, angesichts unverändert hoher Zulassungszahlen von Pkw. Trotzdem müsse dringend das Schienennetz ausgebaut werden. Ein unterirdischer Schienenstrang unter dem Main könne das Problem des Frankfurter Kopfbahnhofs lösen.

»Ohne eine geregelte Einwanderung werden wir unser Land nicht auf seinem Wohlstandsniveau halten können«, so der FDP-Politiker weiter. Das kanadische Einwanderungsgesetz könne hier Vorbild sein.

Allein mit dem deutschen Nachwuchs lasse sich das Problem des Arbeitskräftemangels nicht lösen. Zum einen müsse man die Attraktivität vieler Berufe, wie Grundschullehrer oder Pflegekraft deutlich erhöhen, zum anderen sei es unbedingt erforderlich, die Wertschätzung für Handwerker und andere Berufsgruppen zu erhöhen. »Auf einen Zimmermann kommen inzwischen 120 Juristen«, so Naas. Da müsse dringend gegengesteuert werden. Für die Personalnot in Kitas und Schulen sehe er kurzfristig nur die Lösung auf fachfremdes Personal zurückzugreifen. Die Hauptaufgabe der Parteien sieht Naas in der staatsbürgerlichen Bildung. Angesichts der Proteste gegen den Klimawandel sehe er durchaus eine Berechtigung der Protestierenden, halte es aber für verwerflich, Menschen in Geiselhaft zu nehmen. Deutschland brauche eine gesellschaftliche und politische Körpersprache des Selbstvertrauens. Es sei höchste Zeit, dass sich Bürgerinnen und Bürger wieder des Glücks bewusst werden, in einem Rechtsstaat zu leben und in einer erfolgreichen sozialen Marktwirtschaft, die weltweit jedem Vergleich standhält, waren sich Dr. Stefan Naas und Dr. Wolfgang Gerhardt einig.

Nach dem ausführlichen Interview mit Ina Enseroth blieb der Politiker noch zum Austausch bei einem Imbiss in den Räumen von SleevesUp!.

Foto: Frahm

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