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Auf Hit-Kurs mit Max Giesinger

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Sie hatten Max Giesinger (Mitte) zu Gast in ihrem Studio in Hüttenberg: Josh Tapen und Janik Riegert. © Delia Baum

Das Erfolgsduo Quarterhead produziert seinen neuen Song mit dem »80 Millionen«-Sänger im Hüttenberger Tonstudio. Im Interview erzählen die beiden Musiker, wie es dazu kam.

Hüttenberg. Ausgerechnet in der Corona-Pandemie hat Quarterhead - die beiden Musiker Janik Riegert (28) und Josh Tapen (27) - mit dem Stück »Head Shoulders Knees & Toes« ihren bislang größten Erfolg gefeiert. Der Mega-Hit wurde inzwischen 500 Millionen Mal gestreamt. Jetzt haben die beiden Wetzlarer eine neue Single: Kein Geringerer als Max Giesinger besuchte die beiden in ihrem Tonstudio in Hüttenberg. Entstanden ist dabei der Song »Nichts mehr zu sagen«, der am Wochenende auf den Markt kam.

Quarterhead veröffentlicht einen neuen Song, zusammen mit Max Giesinger (»80 Millionen«). Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Josh Tapen: Wir kennen Max eigentlich schon relativ lange. Der Songwriter- und Künstlerkreis in Deutschland ist ja relativ klein. Wir haben uns vor sieben, acht Jahren kennengelernt, oder Janik?

Janik Riegert: Ja, das war 2014 oder 2015. Auf jeden Fall noch vor »80 Millionen«, als Max noch nicht so berühmt war und wir selbst noch gar nichts gerissen hatten. Also eine Freundschaft, die es schon länger gibt als den nach außen sichtbaren Erfolg. Und im Dezember kam Max dann auf uns zu und meinte, er hätte mal Lust, etwas Elektronisches zu machen. Er hätte einen Song, den er geschrieben hat - »Nichts mehr zu sagen« - und würde sich gern mal mit uns daran versuchen. Den Song fanden wir gut und kurz vor Weihnachten ist Max dann bei uns in Hüttenberg vorbeigekommen und wir haben ihn zusammen produziert.

Euer erster deutschsprachiger Song?

Tapen: Wir haben früher schon Titel für deutsche Künstler produziert, unter anderem für Wincent Weiss. Aber selbst einen deutschen Song haben wir noch nie rausgebracht, es ist also tatsächliche eine Premiere. Es kann auch sein, dass es dabei bleibt. Sonst fühlen wir uns in der englischsprachigen Musik zu Hause, aber es war eine sehr coole Abwechslung.

Seid ihr zufrieden mit dem Ergebnis?

Riegert: Sehr zufrieden. Es ist auch eine große Ehre für uns. Es gibt nicht viele deutsche Künstler, mit denen wir so ein Projekt machen würden - und Max stand ganz oben auf der Liste. Es ist schon was Besonderes für uns.

Vor knapp einem Jahr haben wir uns unterhalten, als ihr maßgeblich in eurem Studio in Hüttenberg wart. Wann hat sich die Situation in der Pandemie wie verändert?

Tapen: Wir sind nach wie vor viel in unserem Studio in Hüttenberg. Wir schreiben gerade viel, live geht ja noch nicht wirklich was derzeit. Wir hoffen auf den Sommer.

Kann man zusammenrechnen, wie viel Stunden ihr in der Pandemie zusammen im Studio verbracht habt?

Riegert: Nein, ich glaube, das geht nicht. So hohe Zahlen gibt’s nicht (lacht).

Vor der Pandemie wart ihr viel auf der Welt unterwegs. Ist das immer noch ganz eingeschlafen?

Riegert: Wir waren ein paar Mal in Berlin und im Herbst in Stockholm. Die Schweden hatten schon wieder eine wahnsinnige Normalität erreicht, das war wie Urlaub von Corona.

Deutschland lockert sich ja auch: Wann steht ihr das erste Mal wieder auf der Bühne - in Deutschland oder international?

Tapen: Wir haben viel vor, zum Beispiel einen Auftritt beim World Club Dome in Frankfurt. Auch ein Auftritt beim Hessentag war schon bestätigt, der ja dann wieder abgesagt wurde. Natürlich zittern alle Veranstalter immer noch, ob es bei ihren Planungen bleibt. Es bewahrheitet sich, was von Anfang an gesagt wurde: Die Normalisierung in der Kulturbranche wird am längsten dauern.

Zwei Jahre Pandemie sind eine lange Zeit: Hat sich das Publikum verändert? Welche Hoffnung, welche Befürchtungen haben Künstler?

Tapen: Die Hoffnung vieler Künstler ist, dass die Menschen einfach wieder Lust haben, auf Konzerte zu gehen. Das hat man schon bei den Konzerten im vergangenen Jahr gemerkt. Ich kann mir sogar vorstellen, dass es noch euphorischer wird als vorher.

Was wird Corona in eurer Branche hinterlassen?

Riegert: Ich glaube, der Schaden ist schon immens. Es gibt nicht wenige, die ihren Job als Musiker aufgeben mussten und man weiß nicht, wie viele zurückkehren werden. Eine ganze Generation kennt zudem dieses zwischenmenschliche Teilen und Erleben von Musik nicht, das wird Narben hinterlassen.

Seid ihr als Künstler ausgehungert nach Feedback?

Riegert: Es war schon etwas absurd: Wir hatten unseren größten Erfolg mit »Head, Shoulders, Knees & Toes« in der Pandemie - mit 500 Millionen Streams, neun Mal Platin und zwei Mal Gold. Das heißt, man sieht die Zahlen, aber es geht ja um Kunst, das emotionale Feedback fehlt. Wir hoffen, das bald auch wieder anders wahrnehmen zu können.

Aktuell ist noch ein weiterer Song - »Hurricane« mit Ofenbach & Ella Henderson - im musikalischen Rennen. Wie wart ihr hier beteiligt?

Tapen: Ja, den Song haben wir mitgeschrieben und produziert - wir waren also im Hintergrund tätig. In den holländischen Radiocharts waren wir vergangene Woche damit auf Platz drei. Auch in Frankreich ist der Song schon ein Hit. Das ist nicht selbstverständlich und freut uns deswegen sehr!

Ihr habt euch in der Freiherr-vom-Stein-Schule in Wetzlar kennengelernt, macht seither Musik, euer Studio ist in Hüttenberg. Ist Heimat in der Pandemie noch wichtiger geworden für euch?

Tapen: Heimat war für uns schon immer sehr, sehr wichtig, wir hätten auch nach Berlin oder London gehen können. Unser Studio ist einfach ein wichtiger Rückzugsraum. Das war es immer schon.

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