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Aus dem Gehege in die Wälder

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Der Wildkatzenkater geht auf Streifzug mit Sendehalsband. Foto: AG Wildtierforschung/ Marie Wittekind © AG Wildtierforschung/ Marie Wittekind

Mit modernsten GPS-Sendehalsbändern ausgestattet, sind zwei Wildkatzen aus dem Opel-Zoo ins Freiland ausgesetzt worden. Die AG Wildtierforschung der JLU Gießen begleitet das Projekt.

Gießen/Kronberg (red). Zwei männliche Wildkatzen aus dem Opel-Zoo sind in den letzten Tagen zur Wiederansiedelung ins hessische Freiland gebracht worden. Die beiden Tiere kamen als sechs Wochen alte Fundkatzen Anfang September 2021 in den Opel-Zoo nach Kronberg im Taunus, wo sie seitdem versorgt wurden. Wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren wird die Freisetzung der Tiere aus dem Opel-Zoo von Wildbiologinnen und -biologen sowie Tierärztinnen und Tierärzten der AG Wildtierforschung der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität (JLU) wissenschaftlich begleitet.

Sie statteten die Kater mit modernsten GPS-Senderhalsbändern aus, um den Erfolg einer Wiederansiedlung von im Zoo aufgezogenen Wildkatzen zu untersuchen. Mitte Mai wurden die Tiere in das Übergangsgehege des Forstamts Weilrod gebracht. Dort wurde jeglicher Kontakt zu Menschen vermieden, der über eine Fütterung hinausgeht.

Überleben im Freiland

Nun haben die Wildkatzen die Möglichkeit, ihr Gehege zu verlassen und in die umliegenden Wälder zu ziehen. Anfangs wird ihnen dann durch das Forstamt Weilrod noch Futter bereitgestellt; in früheren Jahren im Rahmen des Projekts ausgewilderte Wildkatzen waren dann aber nicht mehr zum Fressen zurückgekehrt, sie konnten sich offensichtlich selbstständig ernähren. Die Bewegungen der freigesetzten Tiere werden von den Wissenschaftlern der JLU anhand der Standortdaten beobachtet und analysiert.

Die Wildkatze ist eine geschützte Art und darf nicht einfach aus ihrem Lebensraum entfernt werden. »Leider passiert es oft, dass aufgefundene Wildkatzenjunge fälschlicherweise als verlassen und mutterlos wahrgenommen werden, obwohl das Muttertier nur kurz auf Jagd ist oder sich sogar in nächster Nähe befindet«, sagt Teresa Nava von der AG Wildtierforschung an der JLU. »Auch wenn sichergestellt werden kann, dass das Muttertier nicht zurückkehrt, dürfen verwaiste Jungkatzen nur mit entsprechender professioneller Begleitung aufgenommen werden.«

Eine anschließende Aufzucht und Freisetzung sind sehr aufwendig. Zootierärztin Dr. Uta Westerhüs aus dem Opel-Zoo ergänzt: »Damit die Wildkatzen nach ihrer Zeit in menschlicher Obhut auch im Freiland gut zurechtkommen, ist in der Tierpflege einiges zu beachten. Im Opel-Zoo haben wir bereits zahlreiche Fundtiere erfolgreich versorgt und aufgezogen, die später wieder ausgewildert wurden.« Über die Erfolgschancen dieser Tiere im Freiland soll das laufende Forschungsprojekt der JLU Auskunft geben.

Es findet im Zuge des Projekts »Raumnutzungsverhalten der Wildkatze im Waldgebiet Hörre als Grundlage für die Raum- und Verbundplanung« der AG Wildtierforschung der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der JLU statt.

Daten für Verbundplanung

Hier werden in Kooperation mit dem Landesverband Hessen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie mit dem Institut für Tierökologie und Naturbildung Laubach und mit Unterstützung des Forstamts Wetzlar bereits seit Anfang 2020 Wildkatzen im Lahn-Dill-Kreis mit einem GPS-Halsband ausgestattet und telemetrisch verfolgt. Auch das Forstamt Weilrod ist als Kooperationspartner maßgeblich an dem Projekt beteiligt. Das Forschungsprojekt wird vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) aus dem Hessischen Biodiversitätsforschungsfonds gefördert. Da die gewonnenen Daten eine wichtige Grundlage für die zukünftige Raum- und Verbundplanung darstellen, beteiligt sich auch das Regierungspräsidium Gießen mit Mitteln aus der Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen.

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