Aus Freude am Gesang

Lich. Ein wunderbares Konzert präsentierte am Wochenende das Vokalquartett »Allegría a cappella« in der Licher Marienstiftskirche. Alle Bänke waren belegt, als die Frankfurter Sängerinnen bestens gelaunt vor ihr Publikum traten. In der folgenden guten Stunde fesselten sie den Saal mit handwerklicher Höchstgüte und einnehmender Emotionalität ihres Programms »Light!

«.

Peter Damm vom Veranstalter KünstLich begrüßte die Gäste »zu diesem ganz besonderen Konzert, das wir nicht in vorauseilendem Gehorsam abgesagt haben«. Da die meisten weiteren aktuellen Auftritte des Quartetts hingegen gestrichen wurden, »erleben wir also das einzige Weihnachtskonzert der Gruppe in diesem Jahr«. Schon deshalb war es ein exklusiver Abend. Das Ensemble besteht aus Christine Bär, Diana Nagel, Julia Hofmann und Christina Schmid, die einen ganzen Teppich aus Kerzen mitgebracht hatten, was sehr stimmungsvoll wirkte.

Die Frankfurterinnen hatten zuvor bereits eine gute Tat vollbracht: Am Nachmittag gaben sie in der Turnhalle des Kinder- und Jugendheims der evangelischen Stiftung Arnsburg ein Geschenkkonzert für die Kinder und Betreuerinnen. Die waren so hingerissen, dass die Musikerinnen sie spontan zum Konzert am Abend einluden. Eine Gruppe von 14 Kindern und Betreuerinnen verfolgte dann auch aufmerksam das musikalische Geschehen.

Es begann mit »Noël Nouvelet«, einem französischen Traditional. Choralähnlich wurde musiziert, mit klarem, bezauberndem Stimmklang. Der Ensemblegesang war exzellent moduliert - ein vielversprechender Auftakt. Zwischen die Songs fügten die Gäste jeweils einen kurzen Textblock ein, in dem sie die fremdsprachigen Texte auf Deutsch vortrugen. Schließlich stammte das Material auch aus Nordeuropa, darunter etwa Lappland. Auffällig war hier die ruhige Vortragsweise, die dem Material Tiefe und Nachdruck verlieh.

Das erste musikalische Glanzlicht war dann »Dona nobis pacem«, präzise, mit aparter Satzweise und tollem Timbre. Und auch geistliches Material war zu hören. Darunter »Lieb‹ Nachtigall, wach auf«, ein weiteres Glanzlicht des Abends. Die Stimmen ergaben einen ungemein ausgewogenen und charmanten Gesamtklang, aus dem einzelne Soloparts glänzend hervortraten. Besonders die dunkleren Stimmfarben waren gut eingestellt. Man fühlte die Freude am Gesang, die sich unvermindert aufs Publikum übertrug.

Mit bester Textverständlichkeit trug »Allegría« dann »Walking in the air« vor, eine charmante Traumgeschichte (aus dem gleichnamigen Animationsfilm), in der ein Schneemann eine kleinen Jungen auf eine Reise zum Nordpol mitnimmt, die von Windgeräuschen eingeleitet und beendet wurde. Diesen Titel gestalteten die Sängerinnen eher zart und mit einer wirklich himmlischen Stimmung.

Ein besonderer Teil ihres Programms war das »Interstellar«-Filmthema von Filmkomponist Hans Zimmer. Hier wurde die Leinwand-Qualität der Musik direkt spürbar, der etwas abstraktere Duktus, vielfältig und kaskadenähnlich konstruiert, mit opernhaften Elementen, der Gefühle wehender Weiten des Alls aufkommen ließ. Es blieb nicht die einzige Filmmusik, deren Charakter »Allegría« stimmig realisierte.

»Es bedeutet uns unglaublich viel, dass wir dieses Konzert heute spielen durften«, sagte Christina Schmidt zum Abschluss mit hörbarer Ergriffenheit. Es folgte »The world for christmas«, in dem ein kleiner Junge sich einfach eine intakte Welt wünscht (»Ich möchte sie behalten«). Ein sanfter Hinweis auf die Weltklimalage und ein schöner, kluger Text, der nicht bevormundend oder vorwurfsvoll klingt.

Als Zugabe gab es eine Fassung der »Stillen Nacht« die mit jazzigen Schrägtönen deutlich weniger süß daherkam als üblich und mit ihrem Arrangement einen starken Abschluss bildete. Der Beifall fiel entsprechend lang aus. Die Zuhörer freuten sich sichtlich, diese Konzertgelegenheit nicht verpasst zu haben.

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