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Aus Interesse an der Küche

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Gießen (hsch). Eine feine kleine Tradition ist die »Gießener Kunstreihe« mit Bänden zu heimischen Künstlern. Die neueste Ausgabe ist dem Gießener Künstler Jörg Wagner gewidmet und zeigt Fotografien aus einem vertrauten Bereich: der Küche. Und zwar in abstrahierter Form, sodass sich das Ganze sehr interessant anschauen lässt.

Dieser elfte Band wurde nun in einem Pressegespräch vorgestellt. Stephanie Jackson, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Kulturamt, erläuterte, dass es sich dabei um » ein Fördergeschenk für den Künstler« handele. Die Auflage beträgt 500 Exemplare, von denen der Künstler eine Hälfte erhält und das Kulturamt die andere verwendet.

»Jörg Wagner ist kein Unbekannter. Man kennt ihn durch viele Aktionen im öffentlichen Raum«, erklärte sie. Und natürlich durch seine grundlegende Mitarbeit beim Gießkannenmuseum. Von 2014 bis 2016 hatte er gemeinsam mit Ingke Günther eine Gastprofessur am Institut für Kunstpädagogik (IfK) der Justus-Liebig-Universität inne. Zudem ist er Mitglied der Gruppe »Gärtnerpflichten«. Wagners Arbeiten sind auch aus einigen Ausstellungen bekannt. Jackson weiter: »Sein Interesse gilt der Küche und der Alltagskultur.« Nicht zuletzt trug Wagner für einige Zeit, gemeinsam mit Manuela Weichenrieder, die Arbeit der »Kümmerei«.

Für Wagner passt »die schöne kleine Form zur Küche«. Die Bilder tragen Titel wie »Kostprobe - Topflappen« und geben einen Einblick, seien aber weit vom Abbilden entfernt. »Es ist eine eher fotografische Arbeit; es geht ums Tun.«

Kunsthistorikerin Lisa Beißwanger schreibt in ihrem Begleittext: »Aus Sicht der Kunstgeschichte ist das In-Szene-Setzen der Küche - einschließlich des dort zubereiteten Essens - ein traditionsreicher Topos. Man denke beispielsweise an niederländische Küchenstücke und Mahlzeitstilleben des 16. und 17. Jahrhunderts und ihre überbordende Fülle an Obst, Gemüse, Fleisch und zubereiteten Speisen.« Zu sehen sind in dem Band stark vergrößerte Ausschnitte von Geräten und Lebensmitteln, die durch eine leichte Unschärfe abstrahiert werden, allerdings nicht bis zur Unkenntlichkeit. Für Beißwanger geben sie »Einblicke in die Arbeitsprozesse des Kochens und Kunstmachens und sind zugleich deren Ergebnis.« Wagner nutze »die Küche als szenisch-fotografisches Experimentierfeld und markiert sie damit als Atelier und Aktionsraum.«

Die aktuelle Ausgabe der »Gießener Kunstreihe« ist wieder über das Kulturamt erhältlich.

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