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Aus zwölf werden 13

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Wolfgang Bellof und seine Mitstreiter haben mit viel Aufwand die umfangreiche Ausstellung vorbereitet. Foto: Jung © Jung

Gießen (kg). Zwölf Fahnen im Original umfasste die Sonderausstellung »Die Fahnen der Wiesecker Vereine«, die nach langer Schließung im Heimatmuseum Wieseck besichtigt werden konnten. Sehr zur Überraschung des Vorsitzenden Wolfgang Bellof brachte Besucher Karl Kestel ein weiteres Relikt vorbei, sodass ab sofort 13 Exemplare zu sehen sind.

Schlicht und einfach sieht die Fahne der Burschenschaft »Feuchte Welle« aus, die 1932/1933 gegründet wurde und die lange nicht mehr zu sehen war. Weit mehr dieser Banner konnten sich die Besucher anschauen, auf Fotografien sind sie alle festgehalten. Ältestes Stück ist das gut erhaltene Banner der Gesangsabteilung des TSV 1862. Wer auf die Spurensuche geht, erfährt viel über die Wiesecker Burschenschaften, von denen jede eine Fahne hat. »Batschnass« hießt die Vereinigung der jungen Männer, die 1975 ins Leben gerufen wurde. »Funky Girls« nannten sich die jungen Frauen, die sich 1976 zur Mädchenschaft zusammenschlossen.

Doch es sind nicht nur Fahnen und Wimpel in den beiden weiteren Ausstellungen am 19. Juni und 17. Juli zu sehen. Auch Käppies, Trinkstiefel und bemalte Hüftknochen von Kühen - die bei den Treffen über dem Stammtisch aufgehängt wurden - sind zu sehen. Käppies wurden bei Umzügen, Festveranstaltungen und Versammlungen getragen. Früher war es üblich, dass in jedem Jahrgang nach der Schulentlassung im Alter von 14 Jahren eine Burschen- oder Mädchenschaft gegründet wurde. Derzeit gibt es in Wieseck 28 dieser Vereinigungen.

»Prost Gurgel«, nannte sich ein Zusammenschluss, den Namen »Sauf ex« gaben sich andere junge Männer. Mit einem Foto wurde an die gute alte Zeit erinnert, der Kirmeszug zog durch »Wissich«. »Medd de Koi noch Gejsse« (mit den Kühen nach Gießen) ging es dann weiter, verrät eine Foto den alten Brauch. »Späte Jungs« als Inschrift auf dem großen Banner verrät, dass es die Burschen mit dem Nachhausegehen nicht so eilig hatten. Zum Teil verziert waren die Trinkstiefel, die größten fassten zwei Liter.

Neben den Vereinsfahnen von Feuerwehr, der SPD und weiteren Organisationen fielen auch die Banner von weniger bekannten Vereinigungen auf. Nachbarschaft »Mäusburg« war ein Zusammenschluss von Anwohnern, die schon 1947 ins Leben gerufen wurde, die es mangels Nachwuchses aber heute nicht mehr gibt. Und auch an die »Gaisser Wäger«, Bewohner der Gießener Straße, bleiben nur noch Erinnerungen in Form eines Stückes grünen Stoffs.

Wenn Kirmes gefeiert wurde, konnten das die Passanten in der Philosophenstraße auf Anhieb erkennen: An der Fassade vom Saalbau Schepers flatterten alle Fahnen der beteiligten Burschenschaften, Wolfgang Bellofs Wunsch ist es, eine Nachbildung des originalen Gaststättenschildes am Heimatmuseum anzubringen.

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