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Ausbildung »mit dem Herzen bei der Sache«

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Früh in Verantwortung: Christofer Deines ist froh, dass seine Ausbilder bei Zaug und seine Lehrer sein Talent als Elektroanlagenmonteur schnell erkannt haben. © Zielinski

Christofer Deines und Mark Augustin haben ihre Ausbildung in Gießener Betrieben als Landesbeste absolviert. Das lag auch daran, weil ihre Talente schnell erkannt worden sind.

Gießen . Neun junge Leute aus dem IHK-Bezirk Gießen-Friedberg haben ihren jeweiligen Ausbildungsberuf als Landesbeste abgeschlossen. Zwei von ihnen, Christofer Deines und Mark Augustin, absolvierten ihre Ausbildung in einem Gießener Betrieb. Der Anzeiger hat mit ihnen gesprochen und dabei viel Interessantes erfahren.

Manchmal dauert es eben etwas länger, bis man den richtigen Beruf findet. So war es zumindest bei Christofer Deines, der seine Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur bei der Zaug gGmbH mit großem Erfolg absolviert hat. Nach seiner Mittleren Reife an der Gesamtschule Gießen-Ost hat der heute 26-Jährige eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik begonnen und nach einem Jahr gemerkt, dass der Beruf nicht zu ihm passt. »Es hat mir einfach keinen Spaß gemacht«, erinnert er sich. Auf Rat seines Vaters, der den gleichen Beruf ausübt, startete er danach eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Aber auch damit fühlte sich der junge Mann nicht wohl. »Ich hatte ständig Angst, etwas zu beschädigen«, erzählt er. Also brach er auch diese Lehre ab und arbeitete, um die Zeit zu überbrücken, als Pizzakurier.

Goldrichtige Empfehlung

Als er von zuhause ausziehen wollte, stellte die Agentur für Arbeit die Bedingung, dass er sich eine neue Ausbildungsstelle suchen sollte und verwies ihn an die »Zentrum Arbeit und Umwelt - Gießener gemeinnützige Berufsbildungsgesellschaft mbH«. Diese Empfehlung erwies sich als goldrichtig. »Bei Zaug wurde ich von Anfang an sehr gut aufgenommen, hatte nette Kollegen und Vorgesetzte«, betont Christofer Deines. Zunächst musste er aber noch einen Test machen, um seine Interessen zu ermitteln. Dabei stand schnell fest, dass seine Begabung im Bereich der technischen Berufe liegt. Also legte er im Oktober 2018 als mit der Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur in der Zaug-Werkstatt los. »Meine Ausbilder, Alexander Poos und Daniel Pitusi, haben mein Talent sehr schnell erkannt. Ich war immer konzentriert bei der Sache und habe das Wissen regelrecht aufgesaugt.« Wichtig für den Beruf sei neben technischem Verständnis auch Interesse an Mathematik. Besonders gefreut habe er sich, wenn andere Azubis auf ihn zugekommen seien, um etwas zu fragen. »Die beste Methode zum Lernen ist das Lehren«, weiß er heute. Auch, dass ihm bei Zaug früh Verantwortung übertragen worden ist, habe ihm geholfen und ihn motiviert.

In der Theodor-Litt-Schule wurde sein Talent ebenfalls rasch erkannt. »Mein Berufsschullehrer Josef Fischer hat geahnt, dass ich Landesbester werde«, verrät Christofer Deines. Bereits im Jahr zuvor kam mit Mohammed Abdella - ebenfalls ein Elektroanlagenmonteur - ein Landesbester aus dem Hause Zaug. »Wir haben viel zusammengearbeitet und uns gut verstanden«, schildert Deines.

Da die Zaug ein reiner Ausbildungsbetrieb ist, musste er sich nach einer neuen Stelle umsehen. »Ich habe fünf Bewerbungen geschrieben und mich schließlich, obwohl dies mit einem Umzug verbunden war, für die Hessische Landesbahn (HLB) in Wiesbaden entschieden.« Dort ist Deines nun in der Bahnwerkstatt tätig und kümmert sich um die War-tung, Instandhaltung und Instandsetzung von Zügen. Sein Ziel ist eine Weiterbildung zum Meister oder Techniker. Für Christofer Deines steht jedenfalls fest: »Um einen Job gut zu meistern, muss man mit dem Herzen bei der Sache sein.«

Mit einem »guten Ergebnis gerechnet« hatte auch Mark Augustin. Er war sogar etwas enttäuscht, nicht die volle Punktzahl von 100 erreicht zu haben. Nach seinem qualifizierenden Realschulabschluss an der Martin-Luther-Schule in Großen-Buseck habe er zunächst keinen bestimmten Berufswunsch gehabt. »Fest stand nur, dass ich handwerklich geschickt, technisch versiert und allgemein sehr lernfähig bin.« Bevor er seine zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik in der Fachrichtung Zerspanungstechnik bei der Jugendwerk-statt gGmbH in Gießen startete, absolvierte er noch einen von der Arbeitsagentur geförderten berufsvorbereitenden Bildungslehrgang beim Institut für Berufs- und Sozialpädagogik. »In dieser Zeit habe ich einige Praktika zur Orientierung gemacht«, berichtet der 22-Jährige.

Interesse an Mathe und Physik

Das Institut empfahl Augustin, der unter Autismus leidet, eine Ausbildung in der Jugendwerkstatt. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich schnell herauskristallisierte. »Eine Fachkraft für Metalltechnik sollte über ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie Interesse an Mathe, Physik und Naturwissenschaften verfügen«, erklärt der junge Mann. Auch Kenntnisse über die Zusammensetzung von Metallen und das Programmieren von CNC-Fräsmaschinen seien vermittelt worden.

Wie die Zaug ist auch die Jugendwerkstatt ein reiner Ausbildungsbetrieb. Aus diesem Grund arbeitet Mark Augustin seit dem 1. September bei der Schneidmüller GmbH Mechanische Präzisionsteile in Queckborn, die Maschinen, Vorrichtungen, Werkzeuge und Maschinenteile fertigt. Da er von Gießen bis zu seinem Arbeitsplatz anderthalb Stunden mit dem Bus unterwegs ist, spart er aktuell für einen Führerschein.

Mark Augustin fühlt sich auch in seinem neuen Betrieb bestens aufgehoben und will eventuell seinen Meister in Angriff nehmen. In seiner Freizeit schreibt er übrigens einen Science-Fiction-Roman und kreiert mit seinem 3D-Drucker die unterschiedlichsten Dinge.

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Handwerklich geschickt: Mark Augustin hat seine Ausbildung bei der Jugendwerkstatt als Fachkraft für Metalltechnik mit einem sehr guten Ergebnis abgeschlossen. © Petra A. Zielinski

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