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Ausgezeichnete Klimasprechstunde

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Der Klimawandel ist laut WHO die größte Gesundheitsbedrohung der Menschheit. Symbolfoto: dpa © Red

Eine Studentische Initiative am Fachbereich Medizin der JLU Gießen erhält den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre. Er ist mit 10 000 Euro dotiert.

Gießen (red). Der Klimawandel ist für die Weltgesundheitsorganisation WHO »die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit« - und doch spielt das Thema im Medizinstudium bislang keine große Rolle. Um diese Lücke zu schließen, haben Studierende an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) das Wahlfach »Klimasprechstunde« ins Leben gerufen. Ihr Engagement wird jetzt belohnt: Die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn hat die verantwortlichen Studierenden am Donnerstagabend in Frankfurt mit dem Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre 2022 ausgezeichnet. Der Preis für die studentische Initiative ist mit 10 000 Euro dotiert.

»Die heute ausgezeichneten Lehrkonzepte sind praxisnah und nachhaltig, kombinieren den theoretischen Lernstoff mit den Herausforderungen der Praxis und stellen sich den Zukunftsfragen. Herzlichen Glückwunsch allen Ausgezeichneten!«, sagte die Ministerin. JLU-Präsident Joybrato Mukherjee schloss sich den Glückwünschen an und betonte: »Das Engagement unserer Studierenden macht mich sehr stolz und zeigt beispielhaft, worauf die Universitäten in der Lehre besonders viel Wert legen sollten: Auf Eigenverantwortung, Leidenschaft, Neugier und den Blick über den Tellerrand. Ich gratuliere den verdienten Preisträgerinnen und Preisträgern von Herzen.«

In der Klimasprechstunde geht es um Auswirkungen der Klimakrise auf die Gesundheit und darum, wie Ärzte für ihren ökologischen Fußabdruck im Beruf sensibilisiert werden können: Die Studierenden suchen nach konkreten gesundheitsfördernden und klimaschonenden Lösungen, etwa die Reduktion von Treibhausgasen durch die veränderte Auswahl von Narkosemitteln, die Reduzierung von Plastikverpackungen im Klinikalltag oder die Sensibilisierung der Patienten für eine pflanzenbasierte Ernährung. Das Wahlfach Klimasprechstunde ist zusammen mit Studierenden der Philipps-Universität Marburg entstanden und steht auch diesen offen. Die verantwortlichen JLU-Studierenden Hannah Fülbert, Laura Gerspacher, Leonard Maier, Carina Körner, Miriam Hobbhahn, Lisa Nieberle, Emma Lou Tischbier, Magdalene Denneler, Sibel Savas, Hannes Kreissl und Magdalena Maurer sowie Louis Schäfer, Hanna Burow und Anne Maushagen von der Philipps-Universität Marburg freuten sich sehr über die Auszeichnung für ihr Wahlfach. »Im Medizinstudium wird kaum auf die Auswirkungen der Klimakrise auf den Körper und die Gesundheit eingegangen - und das, obwohl zukünftige Ärzte eine entscheidende Rolle in der Vermittlung und Abmilderung der Klimakrise spielen«, erklärt Lisa Nieberle stellvertretend für die ganze Gruppe ihre Motivation. Das Fach sei ein Rahmen für Medizinstudierende, um sich mit der Thematik und aktueller Forschung vertraut zu machen, klimasensible Gesundheitsberatung zu erlernen und zu erfahren, wie Transformation gelingen könne. »Durch den Preis stehen uns ganz neue Türen offen und wir freuen uns jetzt schon darauf, das Wahlfach konzeptionell und inhaltlich weiterzuentwickeln«, kündigte Nieberle an.

Die Preisträger, die auch in der Gießener Ortsgruppe von Health for Future aktiv sind, bedankten sich vor allem bei ihrem JLU-Lehrverantwortlichen Prof. Michael Knipper (Professur für Global Health, Migration und Kulturwissenschaften in der Medizin), bei Prof. Dr. Stefan Bösner aus Marburg und bei allen Dozierenden, die durch ihre Wissensvermittlung entscheidend zum Erfolg des Wahlfachs beitragen.

Die Gruppe verfolgt nach eigenen Angaben den Ansatz eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts, das die Verhältnisse von Gesundheit und Krankheit, Therapie und Prävention interdisziplinär umschließt und die Gesundheit des Planeten als Voraussetzung menschlicher Gesundheit sieht. Viele Krankheiten resultieren aus ungesundem Essen, mangelnder Bewegung, verschmutzter Luft, verunreinigtem Trinkwasser und Stress. All diese Dinge begründen auch auf komplexe Weise den menschengemachten Klimawandel.

Eine Änderung des Lebensstils, vor allem die Umstellung auf fleischarme, überwiegend regionale Ernährung sowie mehr Bewegung, kann einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten und ist gleichzeitig zentral für Therapie und Prävention besagter Volksleiden. Die Studierenden erinnern daran, dass der Zusammenhang zwischen klimaschädlichem Verhalten und modernen Zivilisationskrankheiten in der Wissenschaft schon breit diskutiert wird.

Als angehende Ärzte sehen die Studierenden die Chance, die Lebensweisen der Patienten mit ihrer Präventionsarbeit klimafreundlich zu beeinflussen. In der Klimasprechstunden werden von den Lehrenden Impulse geliefert, die die Auswirkungen von Lärm, Feinstaub oder Fehlernährung auf den menschlichen wie auch den planetaren Organismus aufzeigen, um als Diskussionsgrundlage zu dienen.

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