1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Autos von Parkplätzen verdrängt

Erstellt:

Von: Rüdiger Schäfer

giloka_1709_No_Parking_D_4c
Wo sonst Autos parken, lud die Schmuckwerkstatt in der Neuen Bäue zum Selbstherstellen von Schmuck ein. Foto: Schäfer © Schäfer

Beim Aktionstag in der Gießener Innenstadt wurden am Freitag viele Pkw-Stellplätze zu Treffpunkten des sozialen Miteinanders und für zahlreiche Aktionen rund um die Verkehrswende genutzt.

Gießen . Kaum eine Parklücke entdecken wird, wer tagsüber von der Sudetenlandstraße in den Asterweg hineinschaut. Dabei sind das links und rechts alles Wohnhäuser. Und innerstädtischer Parksuchverkehr von Einpendlern findet hier nicht statt. In der Innenstadt sieht das nicht anders aus, selbst wenn in dem von der Stadt bewirtschafteten Parkraum ein Kommen und Gehen der motorisierten Vehikel den ganzen Tag über zu beobachten ist. Ein Auto in Deutschland steht durchschnittlich 23 Stunden pro Tag leer herum. Dadurch werden vor allem innerstädtisch öffentliche Flächen blockiert, die wertvollen Raum für soziales Miteinander bieten. Gleichzeitig widerspricht eine Kultur der Autostadt dem Bemühen der Stadt Gießen, bis 2035 klimaneutral zu sein. Und es stellt sich die Frage, ob in einer lebenswerten Stadt Wohnraum nicht Priorität vor Parkraum haben sollte. Auf diese Missstände weist jährlich der internationale »Park(ing) Day« hin. Umfirmiert zum »No Parking Day«, wurde der am Freitag nicht nur in der Innenstadt begangen.

»Stadt der Zukunft«

Gemeinsam mit Vereinen und Initiativen wie dem ADFC Gießen, ALLrad, der Arbeitsloseninitiative, dem Asta, Bunte Projekte, Students for Future, Sun Zero Zombie Friends, der Projektwerkstatt Saasen und mehreren Privatpersonen wurden sieben Bereiche in autofreie Oasen verwandelt. »Wir wollen aufzeigen, was bei der Erfüllung unserer Forderung ›Mehr Lebensräume statt Parkräume‹ auf den sonst blockierten Flächen möglich ist«, sagte Katharina Albert von Greenpeace. Hier wie auch an anderen Info-Ständen wurden zahlreiche Reden über die Verkehrswende und die »Stadt der Zukunft« gehalten.

Das »Mehr-Impulse-Kollektiv« etwa, bisher vor allem als musikalisches Duo mit »planetenfreundlicher Musik« bekannt, übte in der Nähe des Spielplatzes im Theaterpark zu einem Popsong aus den 90er Jahren eine Coverversion ein, die filmisch festgehalten wurde. Der Titel lautet »Bau mir ein Parkhaus«. Nicht noch mehr Raum solle es für Autos geben, stattdessen für Kinder, fordert man im Text.

Auf dem Lindenplatz trat derweil Sun Zero Zombie Pop & Friends mit Live-Musik und Texten auf: Peter Schomber rezitierte, Annika Brummer sang als Kaktussi und B. Ohne lieferte mit »Les Penetrantes« französischen Rock. Wolf D. Schreiber hingegen hat ein besonderes Auftrittskonzept, das optimal zum Aktionstag passte: »Meine Auftritte benötigen keine große Bühne, sondern nur so viel Raum wie ein einziger Autoparkplatz. Alles, was ich an technischem Equipment benötige, ist in meinem Fahrradkorb untergebracht.«

Neben Blumen-Corso in der Johannesstraße sangen Greenpeace-Mitglieder Lieder mit kritischen Texten zum Autoverkehr und luden zum Mitsingen ein. Zwischendurch gab es etliche Redebeiträge, die sich kritisch mit der Raumbesetzung durch parkende Autos auseinandersetzten. Ein Plakat auf dem Lindenplatz kritisierte: »1 Parkplatz verbraucht 11,5 qm - 1 Kinderzimmer im sozialen Wohnungsbau beträgt ca. 10 qm.«

ALLrad und die Projektwerkstatt Saasen zeigten eine Verkehrswende-Ausstellung auf den E-Parkplätzen. An diesem Standort sollte deutlich gemacht werden, dass E-Autos keine Lösung für die Mobilität darstellen. »Feinstaub durch Reifenabrieb, tödliche Unfallgefahren und der Platzraub durch Straßen und Parkplätze bleiben unverändert«, hieß es. Auch waren hier Pläne für Fahrradstraßen, eine RegioTram und eine autofreie Gießener Innenstadt zu finden.

Ein ausschließlicher InfoStand für die RegioTram war in der Neuen Bäue aufgebaut. Auf dem Weg zur Klimaneutralität müssten den Menschen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land Alternativen zum Auto geboten werden. Das gehe mit der RegioTram, wurde betont.

Ansonsten gab es ein riesiges Kaleidoskop an unterschiedlichen Ständen, mit denen innerstädtischer Raum eingenommen wurde, der sonst leeren Autos vorbehalten ist, »Nachbarschafts-Cafés«, Wurfspiele, Mitmachaufforderungen, ein Pflanzenprojekt, Ballsport und mehr. Selbst in der oberen Ludwigstraße und in der Crednerstraße fanden Aktionen statt. Und bei der Uni-Mensa sorgte eine Sport- und Techno-Party, bei der verschiedene DJs bis um 23 Uhr Musik auflegten, für körperliche Aktivität.

giloka_1709_No_Parking_D_4c_1
Einer der Aktionsstände der Arbeitsloseninitiative in der Walltorstraße: eine Fahrrad-Selbsthilfestation. Foto: Schäfer © Schäfer

Auch interessant