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Bach in verschiedensten Stimmungen

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Violinist Mikhail Pochekin und Christian Brembeck am Cembalo glänzten mit Werken von Johann Sebastian Bach in der ev. Kirche Wißmar. © Schultz

Wettenberg. Ein zauberhafter Abschluss der aktuellen Spielzeit war jetzt beim »Bach-Fest« der Wettenberger Winterkonzerte in der voll besetzten evangelischen Kirche Wißmar zu erleben. Topviolinist Mikhail Pochekin und Christian Brembeck am Cembalo spielten ein Programm, das sich ganz auf Johann Sebastian Bach konzentrierte.

Ehren-OB Gerhard Schmidt vom Gleibergverein wies zunächst auf die Umwidmung der Spendengelder hin, die ursprünglich dem Verein zukommen sollten. »Wir hätten uns geschämt, in dieser Situation Geld anzunehmen«, sagte er. Stattdessen gingen alle Spenden an die Hilfsorganisation GAiN, die sich in der Ukrainehilfe engagiert.

Mit dem russischen Geiger Mikhail Pochekin trat ein hervorragender Musiker auf, der den Besuchern der Reihe bereits gut bekannt ist. Bestens disponiert musizierte er zunächst Bachs Sonate Nr. 2 a-Moll für Violine solo, BWV 1003, in vier Sätzen. Mit wunderbarem Schmelz und lyrischer Zartheit glitt Pochekin förmlich durchs Werk und widmete sich eindrucksvoll den feinsten Nuancen im ersten Satz. Bei der Feinzeichnung blieb es auch in den folgenden Sätzen ohne Einschränkung, hinzu kam eine kompetente Dynamikgestaltung. Eine fast übermütige Spielfreude zeichnete sein Spiel aus, die das Publikum verzauberte; donnernder Applaus.

Sodann betrat Organist, Cembalist und Dirigent Christian Brembeck die Szene. Er musizierte auf der ausgesprochen gut klingenden Kopie eines Instruments von François Etienne Blanchet aus dem Jahr 1746, dessen Original im Schloss Versailles steht. Er spielte Bachs Partita I B-Dur, BWV 825 in sechs Sätzen. Brembeck begann gemessen, fast andächtig und musizierte klar und mit variablem Tempo. Das war zunächst etwas eilig und ging auf Kosten der Transparenz. Doch fand er bald zu einer ruhigen, prägnanten Spielweise. Im Menuett ging es dann flink und gleichzeitig emotional einnehmend voran.

Im Duo spielten Pochekin und Brembeck anschließend Bachs Sonate Nr. 1 h-Moll für Violine und Cembalo, BWV 1014, in vier Sätzen. Das war eine klangliche Kontrastschau besonderer Güte. Der 1990 geborene Pochekin ließ mit fabelhaft sensibler, handwerklich perfekter Einfügung ins Geschehen einen wunderbaren Zusammenklang entstehen, Brembeck trug sicher und expressiv die zweite Hälfte des Gefüges. Resultat war eine überragende Transparenz, eine Art instrumentaler Kongenialität durch diverse Stimmungen hindurch.

Dann eine schöne Steigerung und ein perfekter Abschluss. Zunächst von Melancholie geprägt war dann Bachs Sonate Nr. 4 c-Moll für Violine und obligates Cembalo, BWV 1017, in vier Sätzen. Auch hier war die gegenseitige Abstimmung exzellent, und vor lauter Schwung federte Pochekin in den Knien. Die Spiellust der Solisten machte die gemeinsame Freude über die Musik sichtbar; mitreißend.

Zum Abschluss erklärte Pochekin, dass er seine demnächst geplanten Konzerte in Moskau abgesagt habe und stattdessen einige Benefizkonzerte zugunsten der Ukraine spielen werde. Als Zugabe gab’s noch einen Leckerbissen. Jerzy Bendas »Grave«, von Pochekin mit sanfter Leidenschaft musiziert, ließ sich an diesem Abend der Stimmung entsprechend auch wie ein stilles Aufbegehren verstehen. Das Publikum war berührt und begeistert.

Bei der Spendensammlung kamen 1380 Euro zusammen, die nun der Ukrainehilfe zur Verfügung gestellt werden sollen.

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