»Bändchen-Lösung« ist in Gießen vom Tisch

Gießen . Der Start mit 2G im Einzelhandel verlief »erstaunlich gut«, die Kunden reagierten überwiegend mit Verständnis. Um bei wachsendem Andrang an frequenzstärkeren Tagen die Kontrollen dennoch beschleunigen zu können, hatte Heinz-Jörg Ebert, Vorsitzender des BID Seltersweg, am Montag zunächst eine »Bändchen-Lösung« ins Spiel gebracht. In einigen Städten wird das bereits praktiziert, auch der Handelsverband Deutschland wirbt dafür.

In Gießen ist diese Variante inzwischen wieder vom Tisch. Zwar signalisierten die involvierten Ämter durchaus Zustimmung. »Doch das Risiko ist uns letztlich zu hoch«, bestätigt Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg, auf Anfrage des Anzeigers. Hinzu kommt, dass deshalb vor allem die großen Ketten nicht mitmachen wollen.

»Keine explizite Zulassung« nötig

Die Idee war der Stadt, dem Gesundheitsamt und der Wirtschaftsförderung zur Prüfung vorgelegt worden. Austausch und Beratung mit Vertretern der BIDs haben stattgefunden. Ungeachtet dessen hat das Hessische Ministerium für Soziales und Integration am Donnerstag über den Hessischen Landkreistag mitteilen lassen, dass die Einführung von Bändchen »keiner expliziten Zulassung durch das Gesundheitsamt bedarf«. Gleichwohl sei es weiterhin erforderlich, Impfnachweise jederzeit auf Verlangen vorzeigen zu können. »Das Gesundheitsamt hält den Vorschlag grundsätzlich für geeignet«, erklärt eine Sprecherin des Landkreises Gießen gegenüber dieser Zeitung. Den Verantwortlichen seien jedoch einige Hinweise gegeben worden, wie sich das Vorhaben realisieren lasse.

So hätte strikt darauf geachtet werden müssen, »ob die Bändchen unversehrt sind und eng genug anliegen, damit sie nicht einfach abgestreift werden können«. Und schließlich brauche es ein »unverwechselbares Merkmal«, um die Weitergabe an Ungeimpfte sowie Nachahmungen zu verhindern.

Einsparpotenzial überschaubar

Derlei Überlegungen erübrigen sich nun. Das Problem: Wenn der Status an einer Stelle unzureichend überprüft wird, können leicht auch nicht berechtigte Personen an ein Bändchen gelangen. Wird ein solcher Kunde dann vom Ordnungsamt in einem anderen Laden erwischt und kann nicht belegen, geimpft oder genesen zu sein, hafte auch der jeweilige Händler. In der Konsequenz könne leicht ein Bußgeld von 2000 Euro fällig werden. »Das tut richtig weh und ist uns zu heikel«, betont Markus Pfeffer.

Darüber hinaus bleibe das ursprünglich erhoffte Einsparpotenzial beim Personal überschaubar. Zumal nicht komplett auf Kontrollen verzichtet werden könne. Obendrein hätten zum Beispiel Galeria, TK Maxx oder H&M eigene Sicherheitssysteme und -prozesse, die sie aktuell nicht verändern wollten. Insgesamt herrsche jedenfalls die Meinung vor, dass sich in der Vorweihnachtszeit eine »Bändchen-Lösung« nicht mehr vernünftig umsetzen lasse. Sollte 2G im Einzelhandel allerdings noch bis ins Frühjahr Bestand haben, müsse eventuell über eine Alternative nachgedacht werden.

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