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»Ballaballa-Balkan«

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Prof. Nicole Lemke im Gespräch mit Krsto Lazarevic und Danijel Majic (v.l.). Foto: Schneider © Schneider

Über Hassnachrichten und Humor: Die Podcast-Macher von Ballaballa-Balkan im Gespräch mit Studierenden der JLU im Gießener »Lokal International«.

Gießen. »Wenn ich ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert habe, kann ich dann trotzdem Geld verdienen?« Mit dieser Frage eröffnete Prof. Nicole Lemke vom Institut für osteuropäische Geschichte der Justus-Liebig-Universität das Gespräch mit Danijel Majic und Krsto Lazarevic, den Betreibern des Podcasts Ballaballa-Balkan. In einer lockeren Gesprächsrunde im »Lokal International« stellten sich die beiden den Fragen von Studierenden und anderen Interessierten nach dem Medium Podcast, aber auch inhaltlichen, auf den Balkan bezogenen Fragen.

Wie steht es also mit dem Gehalt eines erfolgreichen Podcastbetreibers?« Mittlerweile über tausend Euro,« sagt Lazarevic, würden beide im Monat mit ihrem Podcast hauptsächlich durch Crowdfunding verdienen - zusammengenommen. »Wenn man davon leben will, macht das nicht so viel Sinn,« meint Lazarevic, «aber wenn man ein Hobby hat, ist das natürlich nett.« Auf die Frage, wie die beiden überhaupt auf die Idee für einen Podcast über den Balkan gekommen seien, antwortet er: »Darüber redest du eh die ganze Zeit. Warum also nicht einen Podcast machen?«

Lazarevic, der nach einem Studium der Soziologie und Politikwissenschaft als Journalist tätig war, ist heute Mitarbeiter des Grünen Europaabgeordneten Erik Marquardt. Danijel Majic, mit dem er den Podcast zusammen betreibt, arbeitet hingegen als Redakteur beim Hessischen Rundfunk. Gemein ist beiden, dass sie Wurzeln in der Region Bosnien-Herzegowina haben, auch wenn Lazarevics kulturelle Abstammung serbisch und Majics kroatisch geprägt ist. Im Gegensatz zu Majic, der in Deutschland geboren wurde, hat Lazarevic den aufziehenden Bosnienkrieg und die Flucht nach Deutschland noch miterlebt. «92, da war ich drei Jahre alt und da wurde es langsam ungemütlich,« schildert er. Als sein Vater zusehends zur Wehrpflicht gedrängt wurde, entschied er sich zur Flucht mit seiner Familie. »Er hat es nicht eingesehen auf Leute zu schießen,« meint Lazarevic.

In ihrem Podcast setzen sich die beiden deshalb auch kritisch mit Nationalismus und Rechtsextremismus auseinander. Zwar wollen sie dabei auf Polemik und Witz nicht verzichten, aber es gebe auch Grenzen: »Über Völkermord machen wir uns dabei nicht lustig,« erklärt Majic. Auf die Frage, ob Hassnachrichten im Internet ihnen dabei zu schaffen machten, meint Majic: »Psychisch nicht, aber ich habe schon drei Leute angezeigt.« So habe er Drohungen von einem kroatischen Nationalisten erhalten, dass jemand ihn und seine Familie vergewaltigen lassen wolle. »Was man halt als kroatischer Katholik so macht,« witzelt Majic, der sich selber als Kroate versteht. Auch, dass er in der rechten kroatischen Presse als Kroate nur mit Anführungszeichen versehen tituliert wird, nimmt er mit Humor. Seinem Kollegen Lazarevic hingegen widmete die einschlägige Presse einen dreiseitigen Artikel,«eine Symphonie des Hasses,« wie Majic ihn beschreibt.

Für das Jugoslawien, das durch den erstarkenden Nationalismus auf dem Balkan in den 90er Jahren geteilt wurde, hätten sie durchaus auch nostalgische Gefühle: »Vielleicht habe ich mir zwei Trikots der jugoslawischen Nationalmannschaft aus den 80ern bestellt,« scherzt Lazarevic. Er wolle nichts beschönigen, »Jugoslawien war nicht der Himmel auf Erden,« dennoch, »die Idee, dass das verschiedene Staaten sind, ist mir damals schon nicht in den Kopf gegangen,« resümiert Lazarevic.

Abschließend gaben beide noch Tipps an die Studierenden der JLU, die den Podcast «(P)ostkutsche« betreiben. Neben Empfehlungen zur technischen Ausstattung und Einblicken in die eigene Arbeitsweise, richteten sie aber auch einen inhaltlichen Appell an die Studierenden: »Ihr müsst euch nicht nach jeder Frage beim Interviewpartner bedanken,« merkte Majic an. »Ihr seid die Erzähler, vertraut darauf.«

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