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Baustein zur Integration

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Bilanzieren das Programm Laiendolmetscher für Gießen: Ela Cetin-Honca, Astrid Eibelshäuser und Julia Hettenhausen. Foto: Czernek © Czernek

Seit 2020 beteiligt sich die Stadt Gießen an dem Landesprogramm »Laiendolmetscher«, das zu dem Integrationsprogramm »WIR« gehört. Jetzt werden weitere Ehrenamtliche gesucht.

Gießen. Gießen hat eine prosperierende Stadtgesellschaft mit Einwohnern aus 151 Nationen mit einer entsprechenden Sprachvielfalt, die jedoch oft Barrieren im täglichen Leben und im Umgang mit Behörden bildet. Entsprechend hoch ist der Bedarf an sprachlichem Austausch, der oft an seine Grenzen stößt. Aus diesem Gedanken heraus entstand der Wunsch nach Unterstützung. Seit 2020 beteiligt sich die Stadt Gießen an dem Landesprogramm »Laiendolmetscher«, das zu dem Integrationsprogramm »WIR« des Hessischen Sozialministeriums gehört. Im Rahmen eines Pressegesprächs zogen Stadträtin Astrid Eibelshäuser, Julia Hettenhausen (Leiterin des Büros für Integration der Stadt Gießen) und Ela Cetin-Honca (verantwortlich für das Laiendolmetscher-Programm im Büro für Integration Stadt Gießen) Bilanz.

Kein Minijob

Aktuell engagieren sich 37 Laien als Dolmetscher in Gießen in 17 unterschiedlichen Sprachen. Eingesetzt werden sie in Schulen, Kitas, Beratungsstellen und bei Behörden - da jedoch mit Einschränkungen: »Wir ermitteln keine ehrenamtlichen Dolmetscher für Verhandlungen bei Gericht, Polizei, Ausländerbehörde, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Jobcenter und im medizinischen Bereich«, erläuterte Hettenhausen, da es sich bei den Übersetzern nicht um ausgebildete Dolmetscher handelt, sondern um sprachbegabte Laien. »Schon allein wegen der Haftungsfrage können wir das nicht tun«, ergänzte sie. Die Themen erstrecken sich auf die Bereiche Kita, Schule, aber auch Fragen im Bereich des Jugendamts - überall dort, wo Sprache eine Barriere bildet und ein genaues Verstehen die Grundlage für weitere Maßnahmen bildet. Somit ist das Programm auch ein Baustein zur Integration.

Anfragen von Privatpersonen werden nicht bedient. »Wir sehen uns als Unterstützer der öffentlichen und caritativen Einrichtungen«, sagte Hettenhausen.

»Bei dem Programm handelt es sich um ein ehrenamtliches Engagement. Es sind keine ausgebildeten Dolmetscher«, betonte Eibelshäuser. Diejenigen, die ihre sprachliche Kompetenz zur Verfügung stellen, erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung pro Einsatz. »Das ist kein Minijob mit einem regelmäßigen Einkommen«, betonte die Dezernentin, denn die Sprachen werden unterschiedlich stark nachgefragt. Aktuell steht ukrainisch und russisch hoch im Kurs, aber immer auch Arabisch, Farsi und Kurdisch werden häufig nachgefragt. »In Gießen sind wir dank der vielen Studierenden gut aufgestellt, können aber noch weitere Ehrenamtliche gut gebrauchen«, ergänzte Eibelshäuser.

Die Nachfrage nach sprachlicher Unterstützung ist enorm, so wurden im Jahr 2022 mehr als 800 Einsätze gemanagt. »Wir konnten längst nicht alle Nachfragen bedienen«, erläuterte Cetin-Honca. Daher ist für dieses Jahr eine Erweiterung des Angebots geplant. Hierzu soll vom 10. bis 12. März ein Vorbereitungskurs starten, bei denen die künftigen Übersetzer ihr notwendiges Rüstzeug vermittelt bekommen. Voraussetzung für die Teilnahme sind Volljährigkeit, gute Deutschkenntnisse und entsprechend gute Kenntnisse in einer zweiten Sprache. Aber auch auf Kultursensibilität wird Wert gelegt und die Kursteilnehmer entsprechend geschult. Aktuell werden besonders gesucht: Tiginja, Somali, Farsi/Dari, Ukrainisch, Russisch und Kurdisch.

Das Land kommt für die Kosten für die Einsätze und für Qualifizierungsmaßnahmen auf, die Stadt stellt das Personal und die Infrastruktur zur Verfügung, denn eine solche ehrenamtliche Struktur muss betreut werden. Jede Anfrage muss bearbeitet werden und auch die Ehrenamtlichen benötigen Schulungen, Feed-back oder auch Supervision.

Im vergangenen Jahr hatte das Projekt in Gießen ein Volumen von rund 20 000 Euro, für dieses Jahr wird eine Erhöhung der Aktivitäten auf insgesamt 30 000 Euro angestrebt.

Wer Interesse an dieser Tätigkeit hat und den Vorbereitungskurs besuchen möchte, der kann sich bis zum 6. Februar unter wir.dolmetscher@ giessen.de anmelden. Gern steht auch Cetin-Honca für Rückfragen zur Verfügung.

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