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Bei Süßigkeiten wird nicht gespart

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Beim Einkaufen im Supermarkt richten die Verbraucher angesichts gestiegener Preise ihren Blick noch stärker auf Eigenmarken und Rabattaktionen. Symbolfoto: Fabian Sommer/dpa © Red

Gestiegene Preise zwingen zu allerlei Einschränkungen im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen. Auch die Menschen in Stadt und Landkreis Gießen bleiben davon nicht verschont.

Gießen . Die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel sind laut Statistischem Bundesamt bereits um 14,8 Prozent gestiegen. Das zwingt zu allerlei Einschränkungen im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen. Auch die Menschen in Stadt und Landkreis Gießen bleiben davon nicht verschont. Macht sich also schon eine gewisse Konsummüdigkeit breit? Der Anzeiger hat sich im Seltersweg umgehört, wie die Bürgerinnen und Bürger mit den erhöhten Preisen zurechtkommen, inwieweit sie ihr Verhalten verändert haben und welche Tipps sie eventuell geben können, um Geld zu sparen.

Verzicht auf Markenprodukte

»Ich habe vier Kinder, da muss ich ohnehin schon auf mein Geld achten«, sagt der 42-jährige Tomi Markovic aus Wißmar. Inzwischen verzichtet er eher auf Markenprodukte und hat zudem in seinem neu renovierten Haus eine kostensenkende Wärmepumpe verbaut. Hohe Preise und geringere Auswahl hätten ihn obendrein dazu veranlasst, kaum noch in den örtlichen Geschäften einzukaufen, sondern sich aufs Online-Shopping zu konzentrieren. Und Markovic empfiehlt, Klamotten und Spielsachen von Kind zu Kind weiterzugeben sowie Fahrräder gebraucht oder auf dem Flohmarkt zu erwerben. »Die Kinder wachsen mit dem Alter ja ohnehin aus allem raus.« Diesem Beispiel folgend, sollte auch nicht alles weggeworfen werden, was »abgetragen« ist. Die bessere Alternative sei es, damit Hilfsorganisationen zu unterstützen.

Eva Prillwitz hat nicht viel an ihrer Lebensweise geändert. Die Pensionärin lebt grundsätzlich sparsam, schaut nach Angeboten, isst nur zweimal in der Woche Fleisch und verzichtet auf teures Obst wie zum Beispiel Avocados. Ihren Speiseplan richtet die 68-Jährige aus ökologischen Gründen nach preiswerten saisonalen Produkten aus. »Zucchini mit Spaghetti schmeckt doch auch sehr gut.« Bei Süßigkeiten räumt sie jedoch ein, beide Augen zuzudrücken, »wenn das Verlangen kommt«. Auch Eva Prillwitz moniert, dass es in der Innenstadt an Möglichkeiten für den Einkauf mangele. »Ich würde ja gerne«, sagt sie, aber Klamotten, die zu ihrem Stil passen und ihr gefallen, finde sie hauptsächlich im Internet.

Patrick Bohlender aus Nidderau hat sich entschlossen, für den Weg zur Arbeit das Jobticket zu nutzen und mit der Bahn zu fahren. »Das ist gut für die Umwelt und ich spare gleichzeitig Geld.« Die preisliche Entwicklung hat er erwartet und deshalb schon vor drei Jahren angefangen, sein Geld sinnvoller zu investieren, zum Beispiel in Anteile krisensicherer Firmen. Luxusprodukte spielen für den 39-Jährigen gar keine Rolle mehr, das Geld gibt er lieber nur noch für seine Familie aus. Mit dem häufigeren Einsatz seines Kamins kann Bohlender darüber hinaus das Problem mit den gestiegenen Heizkosten lösen.

Nur das Nötigste einkaufen

Um sein Limit bei den Ausgaben nicht zu überschreiten, konzentriert sich Sebastian Langer aus Pohlheim mehr auf Eigenmarken und Rabattaktionen. »Jeder sollte noch stärker darauf achten, was wirklich benötigt wird und was überflüssig ist«, sagt der 25-Jährige. Auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, sei ebenfalls »eine gute Sache« und helfe dabei, die Kosten zu reduzieren.

Eine ähnliche Strategie hat auch Karina Ludwig aus Mücke entwickelt. Die 60-Jährige kombiniert verschiedene Einkäufe für eine große Tour, um nur noch alle zwei bis drei Tage fahren zu müssen. Die Benzinkosten werden aber auch dadurch minimiert, dass sie mehr im Internet bestellt. Weiterhin rät Ludwig, »in der Küche benutztes Wasser zu sammeln, um damit die Blumen zu gießen, oder darauf zu schauen, dass alle unnötigen Lichter im Haus ausgeschaltet sind«. Solche kleinen Einsparungen seien mittlerweile für sie zur Normalität geworden.

Umrüsten auf Energiespartechnik

André Lotz hat in seinem Schaustellerbetrieb bereits energiesparende Maßnahmen eingeleitet. »Bei 1200 Glühbirnen spart die Umstellung von 15 Watt auf 0,62 Watt natürlich eine Menge Strom«, so der 62-Jährige. Auch die Industriespülmaschinen werden immer energie- und wassersparender. Sein Betrieb arbeite aber seit mehreren Jahren schon nachhaltig. »Bei unseren Lebensmitteln können wir keine Einsparungen vornehmen, denn wir wollen die Qualität aufrechterhalten, ohne dem Kunden steigende Endpreise zuzumuten.« Dem misst André Lotz höchste Priorität bei, obwohl sich dadurch sein Umsatz minimiert. Im Privatleben verhält sich der Schausteller schon länger sehr sparsam, kauft viel regional und setzt auf energiesparende Technik im Haushalt. Außerdem ist er viel mit dem Rad unterwegs, treibt somit Sport und reduziert zugleich Fahrtkosten.

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