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Beim Tanzen auch mal weinen

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Farjus kommt zum Heimspiel nach Gießen: Am Stadtfest-Samstag gibt Marius Fietz ein Konzert am Kirchenplatz. Hier stand er bereits 2016 mit seiner Band Marspol auf der Bühne.

Gießen (sgl). 2019 traf Marius Fietz eine folgenschwere Entscheidung: Er zog von Mittelhessen nach Berlin, um sich dort voll und ganz seiner Musikerkarriere zu widmen. Das bedeutete für den 28-Jährigen einen kompletten Neuanfang. Drei Jahre später zieht Fietz, der jetzt unter dem Künstlernamen Farjus agiert, eine durchweg positive Bilanz. Am Samstag steht er ab 21 Uhr auf der Kirchenplatz-Bühne beim Gießener Stadtfest.

»Back to the Roots« - 2016 stand er an selber Stelle noch mit seiner Band Marspol. Marspol, damals einer der Hoffnungsträger der heimischen Szene, sind bereits seit 2020 Geschichte. Und auch wenn einige Fans heute noch Wehmut verspüren mögen - für Farjus war das ein wichtiger Schritt, hat sich seine Musik seitdem noch einmal enorm weiterentwickelt. »Ich weiß heute genau, wer und was Farjus ist und wofür ich stehe«, sagt der 28-Jährige. Das sei zu »Marspol«-Zeiten noch nicht so klar gewesen.

Beim Interview sitzt Marius Fietz auf seinem Balkon in Berlin. Passend - »Balkon«, so heißt Farjus‹ aktuellster Song. Farjus, das ist eingängiger Indie-Pop mit markanten Hooklines, die für immer im Kopf bleiben. Songs, bei denen man einfach nur das Leben feiert. Dabei gelingt dem Künstler ein durchaus seltsamer Spagat: Vordergründig sind seine Nummern tanzbare Indie-Pop-Perlen, bei denen man am liebsten die ganze Sommernacht lang feiern möchte. Doch zugleich widmen sich die Texte durchaus schwereren Themen, drehen sich um tiefere Gefühlswelten, aber auch um Gesellschaftliches. »Bäume im Sand« etwa erzählt die Geschichte seines Großvaters, der einst als Heimatvertriebener aus Polen nach Deutschland flüchtete. »Mein bislang erfolgreichster Song«, sagt Farjus. Es geht um ein Lebensgefühl, darum, zu tanzen und das Leben zu genießen, aber dennoch die dunklen Seiten nicht aus den Augen zu verlieren. »Ich muss immer an den alten 80er-Song denken - ›Dancing with tears in my eyes‹", sagt Fietz und schmunzelt. »Warum sollen wir denn nicht tanzen dürfen und dabei Tränen in den Augen haben?«

Farjus will seinen Hörern Freiheit vermitteln und zugleich einen geschützten Raum bieten. »Das ist ähnlich wie mit dem Balkon. Auf der einen Seite bin ich da in meinem geschützten, privaten Bereich. Zugleich bin ich aber an der frischen Luft und draußen. Ich bin frei und habe dort auch Weitblick«.

Und wie geht es ihm selber? »Ich war noch nie so zufrieden wie derzeit«, sagt er. In der Berliner Songschreiber-Szene hat er mittlerweile Fuß gefasst, komponiert auch für andere Künstler und arbeitet mit Szenegrößen der Indie-Popszene Hand in Hand. Seinen Job als Lehrer an einer Berliner Schule hat er mittlerweile gekündigt. Er staunt selbst ein bisschen, als er sagt: »Ich bin einfach nur Künstler!« Das sei ein wichtiger emotionaler Schritt gewesen. »Und ja, ich kann davon leben«. Für November plant er das Release einer EP - mit entsprechendem Event in Berlin.

Auf den Auftritt beim Stadtfest freut er sich besonders, denn er darf den Abend für Headliner Pohlmann einläuten. Gleichzeitig gibt es ein Wiedersehen mit seinem früheren »Marspol«-Partner Dominik Reh. Der tritt mit »twocolouredman« am Samstag auf. Und auch Farjus‹ Drummer Mario Gwiazdowski stammt aus mittelhessischen Gefilden. Hier arbeitet er nicht nur als Schlagzeuglehrer, sondern trommelt auch bei »Big G. and the Boozeheads« (Stadtfest-Sonntag, Bühne Plockstraße, 18.45 Uhr).

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