Bellini-Rarität auf der Bühne

Gießen (tsa). Vincenzo Bellini (1801 - 1835) war zu seiner Zeit so etwas wie ein Popstar, der von den Menschen wegen seiner bewegend-betörenden Melodien geradezu inbrünstig verehrt wurde. Als er mit 33 Jahren an den Folgen eines Darmleidens starb, war die Bestürzung allenthalben groß und die Trauerfeier im Invalidendom in Paris nahm fast die Ausmaße eines Staatsbegräbnisses an.

Von Bellinis Musik ging und geht noch immer eine ungebrochene Faszination aus. Richard Wagner, der sich einiges von ihm abgeguckt - oder besser: abgehört - hatte, war zum Beispiel voll des Lobes: »Bellinis Musik kommt von Herzen, und sie ist dem Text ganz innig verbunden.« Und Bellini befand durchaus selbstbewusst: »Die Oper muss einen zu Tränen, zum Schauder, zum Sterben bringen.«

Das Gießener Stadttheater bringt nun als Rarität seine fast vergessene »Zaira« auf die Opernbühne, der zwar bei der Uraufführung kein Erfolg beschieden war, die aber unverkennbar durch und durch vom italienischen Belcanto durchdrungen ist. Premiere ist am Samstag, 18. Dezember, um 19.30 Uhr unter der musikalischen Leitung von Jan Hoffmann. Regie führt Dominik Wilgenbus.

Jerusalem im Zeitalter der Kreuzzüge: Sultan Orosmane will die Christin Zaira aus seinem Harem heiraten, sie will dafür zum Islam übertreten. Diese Liebe wird aber von beiden Glaubensgemeinschaften nicht gern gesehen, Intoleranz auf beiden Seiten führt zur Katastrophe. Bellinis fünfte Oper basiert auf Voltaires Bühnenstück, ist reich an Duetten, Ensembles und opulenten Chorszenen und braucht sich daher nicht hinter Bellini-Klassikern wie »Norma« zu verstecken.

Eigens für Gießen hat der ehemalige Generalmusikdirektor Herbert Gietzen eine Orchesterfassung für ein aus 15 Musikern bestehendes Kammerorchester erstellt. Die besondere Klangsinnlichkeit, für die Bellini stets gerühmt werde, gehe dadurch keineswegs verloren, versicherte Jan Hoffmann im Probengespräch, der das Publikum zu einem »tollen neuen Klangerlebnis« einlud. Anders als zum Beispiel bei Rossini seien die Koloraturen bei Bellini immer an Emotionen gekoppelt und aus der jeweiligen Situation heraus motiviert.

Da Bellini sehr genau auf den Text komponiert hat, will Regisseur Dominik Wilgenbus eine Art Bilderbuch-Theater zeigen, in dem die seelischen Vorgänge im Mittelpunkt stehen. Er hält nichts davon, der Handlung die politisch-gesellschaftlichen Verhältnisse im heutigen Nahen Osten überzustülpen. Es gehe um Psychologie, wie sie in der Musik zum Ausdruck komme, und daher werde das Szenische auf das Nötigste reduziert, damit die Musik so stark wie möglich wirken könne. Wie Wilgenbus ankündigte, wird übrigens auch Voltaire auftreten.

Märchenhafte Atmosphäre

In einer märchenhaften Atmosphäre nehmen die Bühne und die Kostüme in Form eines stilisierten Orientalismus Elemente der historischen Zeit auf. Für den Mikrokosmos des Palastes, in dem die Handlung angesiedelt ist, hat Ausstatter Lukas Noll mehrere Räume entworfen, die parallel bespielt werden können.

Ungewöhnlich und daher besonders reizvoll ist die Besetzung des Liebespaars mit Sopran (Naroa Intxausti) und Bass (Marcell Bakonyi); der junge Held (hier nicht der Liebhaber) ist älterer Tradition folgend ein tiefer Mezzo (in einer Hosenrolle: Na’ama Goldman). Der mit Höhen und Koloraturen geforderte Tenor (Leonardo Ferrando) ist Intrigant, weder Held noch Liebhaber. In weiteren Rollen sind Sofia Pavone, Josua Bernbeck, Kornel Maciejowski und Kouta Räsänen zu erleben. Der Chor verkörpert sowohl die christlichen Ritter als auch die Hofgesellschaft des Sultans.

Premiere am Samstag, 18. Dezember, weitere Vorstellungen am 25. Dezember, 8. und 29. Januar, 3. Februar, 27. März jeweils um 19.30 Uhr sowie am 6. März um 15 Uhr.

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