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Beratung für den Fall der Fälle

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Gießen (red). Was macht Gießen zur Vorsorge gegen Starkregenereignisse? - das fragt der Mieterverein. Die finanziellen Schäden gehen oft in die Millionen, manchmal gar Milliarden Euro. Da sei es erlaubt, nachzufragen, was der Magistrat der Stadt macht, um die nötigen Vorsorgemaßnahmen zu treffen und die Stadt resilienter zu machen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Gibt es Starkregenkonzept und einen Generalentwässerungsplan, gibt es eine Starkregen-Gefahrenkarte?

Gerade im Sommer wüssten viele gern, wo die Gewitterzellen diesmal abregnen werden. Und manch einer fragt sich vielleicht, was die eigene Kommune tut, um dann das Schlimmste zu verhindern.

Prof. Theo Schmitt von der TU Kaiserslautern ist Fachmann für Starkregen-Risikomanagement für Siedlungsgebiete sowie Bewirtschaftung und Behandlung von Regenwetterabflüssen. Er hat Studien verfasst zum Thema Starkregen und urbane Sturzfluten.

Grundsätzlich, sagt Schmitt, könnten solche Ereignisse überall auftreten, eine detaillierte Vorhersage sei kaum möglich. Weil Gewitter sich schnell bewegten, sei die Warnzeit im Vergleich zu Hochwasser an großen Flüssen kurz. Die Schäden seien deshalb bisweilen größer und auch die Gefahr, dass sich Leute verletzten oder sogar sterben. »Wer noch einmal schnell in den Keller geht, um den Strom im Haus abzuschalten, der kommt vielleicht nicht mehr heraus«, warnt der Experte.

Die Kommunen seien dafür zuständig, konkrete Maßnahmen gegen Hochwasser zu planen. Viele Bundesländer und auch der Bund unterstützten sie mit Fördergeldern. Ebenso gäbe der Bund Geld, wenn Rathäuser sogenannte Klimaanpassungsmanager einstellen. Auch das Zentrum Klimaanpassung berät im Auftrag des Bundesumweltministeriums Kommunen und gibt Praxistipps weiter. »Nutzt man in Gießen diese Angebote?«, fragt man beim Mieterverein.

Viele Städte und Gemeinden betreiben nach Meinung der Experten für Entwässerung nicht genügend Vorsorge und riskieren große Schäden. So habe bislang nur ein Bruchteil der Kommunen Fördermittel zum Sturzflutmanagement beantragt. Da fragt man sich: »Was machen die anderen?« Oft fehle es in den Ortsverwaltungen an Personal. Vielfach wisse in den Rathäusern niemand, welche Fördergelder es gibt und wie man sie beantragt.

Das Wichtigste sei, sagt Schmitt, dass sich Lokalpolitiker ein Bild machten, wo in ihrer Kommune Gefahren lauern. Bund und Länder erarbeiten bereits bundeseinheitliche Standards für Gefahren- und Risikokarten, dabei spielt auch der Datenschutz eine Rolle. In Starkregenkarten werden Topografie, Häuser, Straßenzüge, Flussläufe, Kanalwege berücksichtigt. »Wo steht das Wasser? Wie hoch? Und mit welcher Geschwindigkeit fließt es?«, seien wichtige Fragen. Der Mieterverein fragt: »Gibt es eine solche Karte für Gießen, wann kommt sie? Wird sie auch publiziert und verschwindet nicht gleich in einer Schublade, um für gefährdete Liegenschaften keinen möglichen Wertverlust eintreten zu lassen?«

Eine Beratung der Stadt für die privaten Haus- und Grundstückseigentümer in betroffenen Straßen ist notwendig«, findet der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. So könne man in Tiefgaragen sogenannte Schotts installieren, die sich bei Hochwasser hochklappen oder ausfahren lassen.

In Neubaugebieten müssten Terrassen oder Türen höher gelegt sowie Lichtschächte zu Kellern besser geschützt werden.

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