+
Der Deich in der Weststadt schützt vor einem Hochwasserereignis der Lahn.

Anfrage der FDP

Besondere Gefahren an Hanglagen in Gießen

Hochwasserschutz bleibt auch in Gießen ein Dauerthema. Die Infrastruktur werde ständig überprüft und an die Bedarfe des Klimawandels angepasst.

Gießen. Wie steht es um den Hochwasserschutz in der Stadt? Vor dem Hintergrund der Katastrophe, die unter anderem Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz heimgesucht hat, hat sich Dominik Erb mit dieser Frage an den Magistrat gewandt. »Selbstverständlich sind nach den Hochwasserereignissen in diesem Jahr alle Teilbereiche des Hochwasserschutzes mit besonderem Blick auf extreme Ereignisse intensiv diskutiert und überprüft worden«, erklärt Stadträtin Gerda Weigel-Greilich auf die Anfrage des Fraktionsvorsitzenden der FDP. Derzeit werde im Kontext des Katastrophenschutzes zum Beispiel das Sirenennetz modernisiert.

»Ganze Ortschaften zerstört«

Es ist fast so, als würde der Himmel auf einen Schlag die Schleusen öffnen: Minutenlang rauscht der Regen heftig und intensiv auf den Boden - mehrfach hat die Stadt in den vergangenen Jahren solche Starkregenereignisse erlebt. In anderen Teilen des Landes waren sie nun sogar Auslöser einer Katastrophe. Diese hat »mehr als hundert Menschen das Leben gekostet, ganze Ortschaften zerstört und kaum bezifferbare Sachschäden angerichtet. Vor dem Hintergrund des Klimawandels warnen zudem Wissenschaftler vor Hochwasser mit zunehmender Intensität und Häufigkeit«, begründet Erb seine Anfrage an den Magistrat.

»Für ein Hochwasserereignis der Lahn ist die Stadt Gießen mit dem Werner-Gleim-Deich samt Hochwasserpumpwerken sowie den zugehörigen Fluttoren und dem gegenüberliegenden Bahndamm für ein Ereignis mit einer hundertjährlichen Wiederholungszeitspanne gut geschützt. Naturgegebener Schwachpunkt ist hier die Mündung der Wieseck«, berichtet Weigel-Greilich. Um auf sogenannte Starkregenereignisse reagieren zu können, habe die Stadt zahlreiche Projekte wie Rückhaltebecken, Stauraumkanäle oder die intensive Wartung der Entwässerungsanlagen mit moderner Technik umgesetzt. »Besonders bei den lokalen Niederschlagsereignissen ist ein verbesserter individueller Objektschutz der privaten Immobilien in Eigenvorsorge erforderlich. Hier wird seit Langem eine intensive Aufklärungsarbeit und Bürgerberatung durchgeführt«, führt die Politikerin der Grünen aus. Im Einsatzfall würden die verfügbaren Kräfte über den Krisenstab und das Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz geleitet. »Insgesamt ist die gesamte verfügbare Personaldecke allerdings sehr angespannt«, so die Stadträtin. Es sei damit zu rechnen, dass die Intensität der Hochwasser- und Starkniederschlagsereignisse und deren Häufigkeit infolge des Klimawandels zunehmen. Deshalb müssten die bisherigen Schutzmaßnahmen in der Stadt angepasst und ausgebaut werden. In ihrer Antwort benennt Weigel-Greilich besonders gefährdete Punkte in der Stadt wie den Inselweg.

Schwachstellen verbessern

Aber: »Urbane Sturzfluten sind in der Regel lokal stark begrenzt und können überall auftreten. Daher kann im Grunde kein Bereich der Stadt Gießen von Gefahren durch Starkregen ausgenommen werden. Überdurchschnittliche Gefährdungen ergeben sich allerdings aus der Topographie heraus an Hanglagen und in Geländemulden, wie zum Beispiel in Teilbereichen der Licher Straße, der Graudenzer Straße, der Klingelbachaue oder dem Ludwigsplatz« erläutert die Stadträtin.

Grundsätzlich sei die Überprüfung und Verbesserung von Schwachstellen in der Stadtentwässerung ein vielfältiger laufender Prozess. Dennoch habe die Hochwasserkatastrophe in diesem Jahr auch in Gießen eine Reihe von Maßnahmen angestoßen. Weigel-Greilich: »Beispielhaft sind die Organisation des Krisenstabs und die verbesserte Kommunikation im Einsatzfall zu nennen. Dies betrifft sowohl die interne als auch die Kommunikation nach außen, das heißt die Warnung der Bevölkerung. Es erfolgt eine erweiterte Erfassung neuralgischer Punkte in Plänen nach modernsten Berechnungsmodellen (Fließwegekarten). In komplexen 2D-Simulationen werden Überflutungsberechnungen erstellt. Die Durchführung von Maßnahmen zum Schutz der ermittelten neuralgischen Punkte wird verstärkt.«

Mit dem Amt für Brand- und Bevölkerungsschutz würden konkrete Übungen für den Einsatzfall durchgeführt, sämtliche Gewässer und Gräben digital in einer Gewässerdatenbank erfasst. »Weiterhin erfolgt eine systematische Überprüfung und Anpassung der Ableitungswege (Gewässer und Gräben) an die aktuellen und zukünftigen Bedarfe«, berichtet die Stadträtin. Dabei komme auch High-Tech zum Einsatz. »Allen Beteiligten ist bewusst, dass die Anpassung einer urbanen Infrastruktur an den Klimawandel ein Dauerthema bleiben wird.«

Das könnte Sie auch interessieren