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Bewegung und Bewusstsein

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Gießen. Die Kunst hat sich schon in vielen Behörden ihren Platz erobert, auch in so nüchternen Häusern wie der Zulassungsstelle des Landkreises Gießen im Bachweg. Beim Warten aufs neue Nummernschild können die Besucher nun Kunst der Licherin Karla Leisen betrachten. Der Titel ihrer aktuellen Schau lautet »Zwischen den Welten«, die kleinen bis mittelformatigen Bilder bieten eine große Vielfalt an Eindrücken.

Karla Leisen, Mitglied des Vorstands von »KünstLich«, stammt aus Köln. Sie ist eine hochaktive Kunst- und Kulturschaffende, die auf Einladung von Landrätin Anita Schneider in der Behörde ausstellt. Die Künstlerin befasste sich während der Lockdownphase mit der Frage, wie Kunst und Kultur im öffentlichen Raum noch stattfinden können. »Was geht, was nicht? Wofür brennt mein Herz? Wie kann ich dem Ausdruck verleihen? Und woran glauben wir, wenn wir so auf uns zurückgeworfen werden?«

Karla Leisen, Jahrgang 1973, besitzt ein vielfältiges professionelles Profil. Sie ist ausgebildete Diplom-Pädagogin, Theaterpädagogin, absolvierte Ausbildungen zum Bühnenclown, zur Systemische Beraterin (DGSF) und zur Integralen Klangarbeiterin. Als bildende Künstlerin begab sie sich nun auf eine Art Sinnfindungsreise, widmete sich nordischen Mythologien mit ihren Göttern und Göttinnen, woraus sich für sie eine allgemeine mythische Geschichte ableitete. Mittels des Butoh-Tanztheaters erlebte sich in verschiedenen Stimmungen. »Viele Bilder sind erst im Gefühl entstanden, dann im Tanz und dann auf Papier«, erläutert sie. Keine alltägliche Entstehungsgeschichte also.

Karla Leisen kommt ursprünglich vom Tanz und der Malerei, bevor sie anfing, Kunst als Unterrichtsfach zu studieren. Die Malerei wurde vor etwa 20 Jahren von der Theaterarbeit abgelöst: viele Bühnenbilder, Licht- und Rauminstallationen entstanden, ebenso wie Performances auf unterschiedlichen Ebenen. »Jetzt schaffe ich eine Verbindung zwischen den Künsten«, berichtet sie. »So fließen meine eigenen Interpretationen von Geschichten in den Tanz, die Körperarbeit ein. Ich durchlebe so unterschiedliche Zustände, die jeweils Gefühle auslösen, und daraus entstehen meine Ideen und Bilder.«

Vielfältig sind auch die verwandten Materialien und Techniken: Kohle, Acryl, Aquarell, Bunt- und Filzstifte, Edding, Bleistift, Textmarker, Strukturpaste, Kaffeesatz, Erde und Steine auf unterschiedlichen Formaten von Papier und Leinwand. Und tatsächlich besitzen einige Bilder eine gewissermaßen ätherische Qualität, etwa »Zwischen Nebel und Tau«, wo ein Gesicht wie zwischen Winden herbeigeweht erscheint, körperlos. Was zum zweiten Hauptaspekt der Arbeiten überleitet: der Bewegung. In fast allen Bildern ist sie zu spüren. In »Der letzte Tanz 7« versammelt Leisen mehrere Figuren zu einem hochenergetischen »Gesamttanz«, der wie eine Versammlung von Momentaufnahmen wirkt: ein Bewusstseinsabbild. Tanz ist ein Hauptelement in Leisens Bildern, das in verschiedenen Formen realisiert wird. Prägend sind dabei körperliche Assoziationen, die dem Betrachter entgegentreten.

Die offizielle Eröffnung mit Landrätin Anita Schneider findet statt am Freitag, 20. Mai, um 14.30 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Ende Mai in der Zulassungsstelle des Landkreises (Bachweg 9) in Gießen.

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