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Beziehungen und Blickwinkel

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Gießen. Die neue Ausstellung in der Galerie23 der Lebenshilfe bietet wieder intensive Impulse und eine beachtliche Vielfalt. Die ihre Arbeiten präsentierenden Lena Kasperski, Hannah Schmider, Nina Joanna Bergold, Klaus Schlosser, Philipp Hennevogl und Jette Flügge entfalten ein eindrucksvolles stilistisches und inhaltliches Panorama, das intensive Begegnungen mit der Kunst verspricht.

Andrea Lührig und Felix Lachmann freuten sich in ihrer gemeinsamen Eröffnung auch über das große Interesse an der Arbeit der Galerie. Letzterer begann die Vorstellungen mit Lena Kasperski aus dem Atelier 23. Sie ist schon seit über elf Jahren Mitglied dort und arbeitet zumeist im Linoldruck, oft seriell. Diesmal zeigt sie prachtvolle Tieransichten. Bemerkenswert fand Lachmann »den Blick der Tiere, die irgendwie fast porträthaft wirken.«

Nina Joanna Bergold (Ludwigsburg) zeigt in ihrer Werkgruppe von Folienschnitten fünf Linoldrucke aus PVC-Folie aus ihrer Serie »Anatomical observations«. Sie »nimmt den menschlichen Körper unter die Lupe und spielt auch ein bisschen mit den Titeln«, erläuterte Lachmann. Die Mehrzahl der Bilder, etwa »Die kleine Kunstkritikerin«, seien aus dem Linoldruck entwickelt worden.

Jette Flügge (Iserlohn) hatte 2016 und 2017 die Vertretung der Druckwerkstätten am Institut für Kunstpädagogik (IfK) inne, seit 2017 leitet sie die Druckwerkstatt des Seminars für Kunst und Kunstwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund. In Gießen zeigt sie eine Serie von Radierungen mit dem Titel »Lobgesang«. »Ich entnehme meine Bildwelt zeichnend aus der Umgebung, füge sie neu zusammen und hebe für mich Bedeutendes hervor«, zitierte Lachmann die Künstlerin.

Andrea Lührig schloss an mit Hannah Schmider, deren Arbeiten zum ersten Mal in der Galerie zu sehen sind. Die Offenbacherin studierte nach einer Ausbildung zur Holzbildhauerin Kunst in Dresden. Ihre kleinen Lindenholzfiguren der Serie »Gefährten« befassen sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Tier und setzen in dieser Ausstellung einen besonderen Akzent. Für Lührig »geben uns Tiere Sicherheit und Trost, manchmal ersetzen sie auch menschliche Beziehungen. Als Betrachter dieses Werks darf man Beobachter dieser Beziehungen werden.« Die Skulptur einer »Frau mit Gans« in inniger Umarmung werfe die Frage auf: »Wer umarmt hier eigentlich wen?« Es mache Spaß und lohnt sich, diese kleinen Werke genau zu untersuchen.

Auch der Berliner Philipp Hennevogl zeigt eine Reihe markanter Arbeiten. Er hatte 2014 eine Gastprofessur am IfK inne, »eine Arbeit entstand aufgrund von Anregungen bei einem Spaziergang im Bergwerkswald«, sagte Lührig, die durch jedes seiner gezeigten Werke eine unterschiedliche Stimmung erzeugt sah.

Klaus Schlossers farbige Radierungen sind für Lührig trotz ihres Alters von fast 20 Jahren »jung und modern«. Die leicht grotesk gestalteten Figuren wirken fast provokant anregend und lösen mannigfache Assoziationen aus.

Ab sofort ist der Nebenraum der Galerie neu gestaltet, laut Lührig ein »Gang zwischen Kunst und Kunsthandwerk«. Es sind zahlreiche Arbeiten in kleineren Formaten zu sehen.

Öffnungszeiten der Galerie23 (Seltersweg 55) sind mittwochs bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 11 bis 16 Uhr.

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