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BI-Mitglied erstattet Anzeige

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Hat die Stadt am Schwanenteich gegen das Tierschutz- und das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen und zudem »vollendete Tatsachen« geschaffen? Der Magistrat widerspricht. Foto: Schäfer © Schäfer

Die Verzögerungen beim Abfischen des Schwanenteichs in Gießen sollen die Tiere »unnötigem Stress« ausgesetzt und wegen Sauerstoffmangels beeinträchtigt haben. Das ist aber nicht die einzige Kritik.

Gießen (bl). Der Schwanenteich sollte am vergangenen Wochenende abgefischt werden. Doch die Aktion musste unterbrochen werden, weil der Wasserstand - unerwartet - nicht wie gewünscht gefallen war. Dies lag wiederum an einem nicht beachteten Hindernis: einer Steinpackung, die im Vorfeld der Landesgartenschau im Zuge des Stegbaus über den Schwanenteich errichtet wurde. Zahlreiche Fische seien durch die Verzögerungen bei der Bergung wiederholt »unnötigem Stress ausgesetzt und wegen Sauerstoffmangels beeinträchtigt worden«, kritisiert die Bürgerinitiative »Rettet die Bäume am Schwanenteich« in einer Pressemitteilung. Bei einer »durchdachten Vorbereitung« wäre dies vermeidbar gewesen. Das nicht ordnungsgemäß durchgeführte Abfischen stelle deshalb eine Verletzung des Tierschutzgesetzes dar und sei von einem Mitglied der BI bei der Staatsanwaltschaft Gießen angezeigt worden.

Darüber hinaus sei der Teichboden in unmittelbarer Umgebung der Brücke durch den Einsatz schwerer Geräte, um den Abfluss wieder in Gang zu bringen, »erheblich malträtiert« worden. Auch sei es zu Verunreinigungen gekommen, die höchstwahrscheinlich ein Bagger verursacht habe, der von mehreren Stellen aus quer durch das Teichwasser gefahren ist. Eine solche Verfahrensweise widerspreche der im Bundesnaturschutzgesetz »vorgeschriebenen Eingriffsminimierung und Vermeidung von Schäden an Flora und Fauna und relevanten Strukturen bei Eingriffen in die Landschaft«.

Die Stadt hält dem entgegen, dass das Abfischen ordnungsgemäß beantragt und organisiert worden sei. »Wir können den Vorwurf hinsichtlich des Tierschutzes daher nicht bestätigen. Allerdings ist es natürlich jedermanns Recht, Anzeige zu erstatten«, erklärt Stadtsprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers. Ob Vorstöße vorliegen, müssten die zuständigen Behörden prüfen.

Weiterhin wirft die BI Stadträtin Gerda Weigel-Greilich vor, ihre eigenen Zusagen zu ignorieren, »keine vollendeten Tatsachen« schaffen zu wollen. Denn das Wasser abzulassen und den Teich abzufischen, sei »im Hinblick auf das noch nicht abgeschlossene Bürgerbegehren zu dieser Zeit weder notwendig noch sinnvoll gewesen, da bisher nicht klar ist, ob die geplanten Baumaßnahmen überhaupt durchgeführt werden können«. Damit werde ebenfalls gegen das Tierschutzgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen.

Diese Anschuldigungen weist die Stadt indes »in aller Form« zurück. Gerda Weigel-Greilich habe bereits bei der ersten Infoveranstaltung sowie bei allen weiteren Sitzungen und Diskussionen erwähnt, dass - unabhängig vom Bürgerbegehren - im Oktober/November das Wasser aus dem Schwanenteich abgelassen werden soll - aus zwei Gründen: erstens, um den Fischbestand zu erfassen, zumal nach dem Fischsterben im Neuen Teich; zweitens, um die mögliche Dammsanierung vorzubereiten, weil im Frühjahr das Wasser nicht mehr abgelassen werden könne. Unterschriften zu sammeln, sei »jedenfalls noch kein Bürgerentscheid«. Insofern erachte es die Stadt als notwendig, für alle Entwicklungen und Perspektiven gewappnet zu sein, so Claudia Boje. »Und: Bäume sind keine gefällt worden.«

Anders als zunächst geplant sollen am morgigen Samstag übrigens nicht alle noch im Teich befindlichen Fische und Muscheln geborgen werden. Witterungsbedingt wird darauf verzichtet. »Der Wasserstand in der Wieseck ist so hoch, dass über den geöffneten Grundablass das Wasser der Wieseck in den Schwanenteich gelangt. Erfahrungsgemäß und laut Wetterbericht werden sich die Niederschläge bis Anfang nächster Woche halten, insofern ist mit einem starken Abfluss in der Wieseck zu rechnen«, teilt die Stadt mit. Ob die Aktion am darauffolgenden Samstag wiederholt werden kann, hänge von der Wetterlage ab.

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