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Bildung und Gemeinschaft

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Von: Ursula Hahn-Grimm

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Brigitte Sekula © Ursula Hahn-Grimm

Der Gießener Verein Frau und Kultur setzt jetzt auch auf eine abendliche Monatsreihe. Morgen geht es im Alten Schloss um den Maler Edgar Degas.

Gießen. Die Gießener Gruppe des Vereins »Frau und Kultur« gibt es bereits seit 96 Jahren. Ungeachtet seiner langen Geschichte ist der Verein darauf bedacht, sich auch modernen und zeitgemäßen Themen zu widmen. »Ein wesentlicher Schritt ist die in diesem Halbjahr eingeführte Reihe einer abendlichen Veranstaltung pro Monat«, betont die Vorsitzende Brigitte Sekula. Als nächstes steht am morgigen Donnerstag, 15. September, um 19.30 Uhr im Alten Schloss ein Vortrag über »Edgar Degas, Wegbereiter der modernen Malerei« auf dem Plan. Referentin ist Suzanne Bohn.

Trotz Corona ist die Reihe im Netanya-Saal gut angelaufen, wobei der Vorstand konsequent auf Einhaltung der Maskenpflicht achtet. Während die Vorträge bisher vor allem an den Nachmittagen zu hören waren, sollen nun die Abendveranstaltungen auch Berufstätigen oder anderweitig Beschäftigten die Möglichkeit einer Teilnahme bieten.

Die Gießener Gruppe ist einer von 22 regionalen Vereinen des Dachverbandes »Frau und Kultur, der im vergangenen Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiern konnte. Es begann mit dem Kampf »Raus aus dem Korsett«, und das war durchaus wörtlich gemeint, die erste Zeitschrift des Verbands enthielt einen Schnittmusterboden für ein sogenanntes Reformkleid. Während die 1920er viele Neuerungen und Reformen brachten, folgte in der NS-Zeit die Gleichschaltung aller Frauenvereine im »Deutschen Frauenwerk«.

Nach dem Krieg ging es wieder aufwärts: Die Förderung und Gleichstellung der Frauen wurde zentraler Punkt. Brigitte Sekula erläutert: »Schrittweise veränderte sich das Frauenbild über die konservative Hausfrau der 50er Jahre über die kämpferischen Veränderungen der 60er und 70er Jahre bis hin zur eigenständigen Frau der Gegenwart - zumindest theoretisch.«

Brigitte Sekula entstammt einer Arbeiterfamilie und beschreibt sich selbst als »katholisches Mädchen vom Land«, das es durch Weiterbildung bis zur Volkswirtin geschafft hat. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Nach vielen Jahren in Gießen ist sie nun mit ihrer Familie nach Langgöns, gezogen, ein »Landei aus Überzeugung«, merkt sie schmunzelnd an. Für ihre Entscheidung, sich als Vorsitzende für den Verein zu engagieren, steht ihre Überzeugung, dass noch immer viel für Bildung und Ausbildung von Frauen getan werden müsse.

Die Öffnung des Vereins für Männer als Mitglieder wurde mit einer Satzungsänderung 2019 auf den Weg gebracht. Von dieser Möglichkeit hat allerdings bisher noch kein Mann Gebrauch gemacht. Doch immerhin besuchen gelegentlich Männer die öffentlichen Vorträge. »Wir wollen wegkommen von der Forderung »gegen Männer« und hin zum Wunsch »mit Männern«, bekräftigt die Vorsitzende.

Als Ziele des Vereins nennt Brigitte Sekula vielseitige Bildung auf kulturellem Gebiet. Der Begriff Kultur wird dabei weit ausgelegt und soll auch dazu dienen, gesellschaftliche Themen im Kontext der Zeit einzuordnen. Dies geschieht durch Veranstaltungen an fast allen Donnerstagen durch öffentliche Vorträge und Lesungen sowie durch Tagesfahrten und eine Studienreise.

Von der diesjährigen Studienreise, die nach Hildesheim und Hannover führte, sind die Mitglieder soeben wieder zurückgekehrt. Für Mitglieder und Gäste bietet der traditionelle Donnerstag einen Fixpunkt im Alltag mit Gesprächsmöglichkeiten. Es bilden sich auch kleine Gruppen wie die beiden aktuellen Arbeitskreise Literatur und Kunstbetrachtung.

Die Alterseinsamkeit ist für den Verein ebenfalls ein Thema, dies gelte vor allem für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Angestrebt wird deshalb die Bildung von Fahrgemeinschaften zu Veranstaltungen. Doch für die Realisierung solcher Pläne muss noch einiges getan werden. Ein weiteres Problem ist die Altersarmut, von der vor allem Frauen bedroht sind. Einen Beitrag zur Linderung leistet der Verein in Zusammenarbeit mit der Kulturloge Gießen.

Wie viele andere Vereine leidet »Frau und Kultur« aufgrund der Altersstruktur an Mitgliederschwund. Durch die beiden Corona-Jahren fehlen zudem die üblichen Neuzugänge. Öffentlichkeitsarbeit soll den Verein bekannt machen. In diesem Zusammenhang weist Brigitte Sekula darauf hin, dass es immer wieder zu Verwechslungen zwischen den Vereinen »Frau und Kultur« sowie dem »Frauenkulturzentrum« komme. Beides seien jedoch völlig eigenständige Vereine, die auch in der Zielsetzung unterschiedlich seien..

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Um den französischen Maler Edgar Degas, hier ein Selbstporträt, geht es bei der nächsten Vortragsveranstaltung des Vereins »Frau und Kultur« am morgigen Donnerstag um 19.30 Uhr im Alten Schloss. Foto: dpa © dpa

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