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»Bitte in die Armbeuge lachen«

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Von: Thomas Wißner

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Andy Ost und Johannes Scherer präsentieren im Astaire’s ihr humoriges 150-Minuten-Programm. Foto: Wißner © Wißner

Wenn Johannes Scherer und Andy Ost gemeinsam auf der Bühne stehen, ist nicht nur beste Unterhaltung garantiert, sondern auch klar, dass bei einem solchen Programm kein Auge trocken bleibt.

Gießen . Wenn Johannes Scherer und Andy Ost gemeinsam auf der Bühne stehen, ist nicht nur beste Unterhaltung garantiert, sondern auch klar, dass bei einem solchen Programm kein Auge trocken bleibt. Bereits zum dritten Mal hatte der Gießener Kulturverein »Gießen Eleven« die beiden Alleinunterhalter zu einer gemeinsamen Veranstaltung nach Gießen geholt.

Dem Ursprung und Namen des Vereins Rechnung tragend, war es eine Woche vor Beginn der fünften Jahreszeit die beste Einstimmung auf die am 11.11. beginnende neue Kampagne. 165 Besucher, darunter Fußball-Kommentator Jörg Dahlmann in der ersten Reihe, konnten Präsident Andreas Trommer und Organisator Tino Wächter zu Scherer-Ost 3.0 begrüßen. Nach Bauhaus und Schiffenberg war diesmal die Tanzschule Astaire’s Schauplatz eines Feuerwerks an bester Unterhaltung. »Corona ist noch nicht ganz vorbei. Herzliche Grüße von Lauterbach zu diesem Super-Spreader-Event - und wenn überhaupt, bitte in die Armbeuge lachen«, begrüßte Scherer die Zuhörer und empfahl als Coronatest Alkohol. »Wenn sie an dem Alkohol getrunken haben und sie schmecken nichts mehr - dann haben sie’s".

Gekonnt spielten sich Scherer und Ost an diesem Abend die nicht vorhandenen Bälle zu. Ost am Keyboard und Scherer auf einem Barhocker sitzend oder auch mal über die Bühne wirbelnd, im Plauderton ging es um »Gott und die Welt« oder besser gesagt um Belangloses und Alltägliches, was gekonnt pointiert und amüsant dargeboten wurde.

Gelungene Parodien

Ob nun der Ausflug mit dem Gartenbauverein nach Darmstadt bei Scherer oder aber philosophische Einwendungen von Ost, wie »wer kein Ziel hat, muss auch nicht schnell gehen«, welchen dann Scherer umgehend Mario Basler zusprach, »aus seiner aktiven Zeit«, und die gelungenen Parodien, allen voran Peter Maffay bis hin zu Lothar Matthäus und Inge Meysel, verbunden mit der Frage: »Wer kennt die noch? Das war die Kim Kardashian der 50er Jahre.« Scherer schwenkte sodann zu Modezar Mooshammer über und die Frage, wer dies sei, mit dem Hinweis »stellt euch vor Harald Glöckler und Donald Trump hätten Kinder zusammen« beantwortete.

Angesichts der Masse an parodierten Fußball-, Show- und Schauspielgrößen kapitulierte dann auch Scherer unumwunden und räumte ein: »Versuch mal Olaf Scholz nachzumachen - ich weiß gar nicht, ob der spricht!« An Maffay, Grönemeyer, aber auch am Skandal-Hit des Jahres arbeitete sich Ost ab. Nicht nur durch Corona habe sich viel verändert, werde doch schon darüber nachgedacht, Baden-Baden in Duschen-Duschen umzubenennen. »Aber auch in der Musik hat sich viel verändert. Darf ein Lied gespielt werden oder nicht gespielt, ich fand die ›Leila‹ total harmlos«, sprach’s und haute in die Keyboardtasten, um jenes Lied mit eigenem Text anzustimmen, der enthüllte, um wen es sich beim Namen handelt: »Er machte Wuff, man was für ein Rottweiler, schützt das Haus hier wie sonst keiner - mein Rottweiler!«

Lästereien über veganes Fasten, vegane Ernährung und endogenen Säurehaushalt in Verbindung mit einem Grönemeyer-Hit, wurde statt »Sie hört Musik auch, wenn sie laut ist« von Ost zum Speiseverhalten angestimmt »Sie hat das ganze Jahr Erntedank, der Lärm aus ihrem Zimmer sprengt jeden Panzerschrank…" Aber auch die Spritpreise konnten nicht unkommentiert bleiben. »Es ist eine spannende Zeit, wenn du zehn Minuten vor McDonalds mit laufendem Motor warten musst, kannst du gleich bei Käfer bestellen.«

Scherer nahm die Zuhörer mit auf eine Kreuzfahrt mit seiner Mutter oder aber mit seinem cholerischen Vater. Allein schon der »nervöse Reizmagen« des Vaters hatte dabei einiges zu bieten. Dagegen schätzte Ost am hier und heute, dass es mehr Wahlmöglichkeiten gebe. Früher gab es bei ihm zwei Lieblingsspeisen, »Schnitzel und Nachtisch«. Dabei wurde nichts plump serviert, sondern auch zum Nachdenken animiert, wenn Ost etwa mit Zitaten wie »Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom« oder aber »Ein fliegender Vogel schaut nie zurück« aufwartete. »So ein Satz verändert das komplette Leben, wenn Du darüber nachdenkst. Der Vogel macht eine ganze Menge nicht. Der fliegende Vogel checkt auch keine Mails - beim Kacken«.

»Es war toll bei euch in Geiße. Ihr seit ein dankbares Publikum, man muss nicht viel machen in unserem Alter«, lästert Scherer am Ende des 150-minütigen Auftritts um noch über Smart Home zu lästern, wenn sich Leute für 2800 Euro einen Kühlschrank mit Riesendisplay kaufen, um angezeigt zu bekommen, was im Kühlschrank drin ist.

»Das machen die, weil sie zu blöd sind, den Kühlschrank aufzumachen.« Einmal mehr mit einem Lied verabschiedete sich Ost, nachdem er von unüberbrückbaren Differenzen in einer Beziehung geplaudert hatte, um dann zu Max Giesingers 80-Millionen-Melodie zu singen: »Sie bringt immer meinen Müll hinaus, sie war nicht verkehrt, jedoch sie klammerte und für mich ging das auf keinen Fall. Ich sagte zu dieser Frau: Es geht nicht, ich muss hier raus. Ich schrie: Mutter ich zieh aus.« Den Schlusspunkt nach dem Auftritt der beiden Comedians setzte Sängerin Josanne, danach wurde im Astaire’s getanzt.

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