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»Bloß kein Online-Unterricht mehr«

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Studieren »ganz in echt«: Auch die Einführungswochen finden wieder in Präsenz statt, was nicht nur die »Jura-Erstis« freut. © Leyendecker

Gießen. Für viele Erstsemester, die an die Hochschulen strömen, ist die Einführungswoche das Highlight. Selten bekommt ein Studierender während der Hochschulausbildung so viele geballte Informationen wie in der ersten Woche vor Semesterstart. Für die Studierenden der Fächer Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft ging es in dieser Woche ebenfalls wieder los.

Studienkoordinator Frank Uhlmann erzählte, dass die Zahl der Beginner unterschiedlich verteilt sei. »Wir haben rund 40 Neulinge im Fach Rechtswissenschaften und 90 in Wirtschaftswissenschaft. Jura ist deutlich weniger als sonst, bei Wirtschaftswissenschaft haben sich mehr Leute als erwartet eingeschrieben. Einzelne Vorlesungen sind anfangs in Präsenz, dann digital. Wir müssen schauen, wie sich das angesichts der Coronazahlen alles entwickelt«, so Uhlmann.

Adrian ist Mentor in der Einführungswoche. Der 24-Jährige freut sich für die Erstsemester. »Wenn ich bedenke, dass es ein großer Schritt war, während des digitalen Semesters anzufangen, dann ist es umso schöner, wenn es jetzt die Chance gibt, mal wieder ganz normal zu studieren«. Adrian ist zum fünften Mal Mentor und hat seine erste eigene Einführungswoche noch in Präsenz abgehalten, danach ausschließlich online. »Es macht Spaß, egal ob in Präsenz oder digital, aber ich bin froh, dass wir das wieder in Präsenz pflegen können. Die Zurückhaltung war digital stärker ausgeprägt. Man musste die Leute aus sich herauslocken. In Präsenz kommt man leichter ins Gespräch«.

Die Studierenden selbst sind alle in verschiedenen Altersgruppen unterwegs. Stefanie ist 49 und hatte vorher drei Semester in Frankfurt an der Oder studiert. »Leider war alles online, das war sehr schwierig. Ich habe zwar ein paar Leistungen dort erbracht, aber aufgrund dessen, dass die Entfernung sehr weit war und ich gebürtige Gießenerin bin, bin ich jetzt sehr dankbar, endlich in Gießen in Präsenz studieren zu dürfen«.

Online sei schwierig gewesen und sie wünsche es keinem mehr, digital studieren zu müssen. »Man wusste nicht, mit wem man es zutun hat. Ich denke, das wird in Präsenz anders sein«, so die 49-Jährige.

Marisa ist 19 und freut sich ebenfalls, ihr Jurastudium in Präsenz beginnen zu können. »Ich habe letztes Semester hier Erziehungswissenschaften studiert und das war halt alles online. Ich fand das ziemlich doof, weil man überhaupt keine Leute kennenlernen konnte. Klar, das hat alles seine Vorteile, wenn man fünf Minuten vor Vorlesungsbeginn morgens erst aufstehen musste, aber ich freue mich doll, ein paar Leute kennenzulernen«, so die Studentin.

Die gebürtige Gießenerin pflegt noch die Kontakte aus ihrer Schulzeit. »Ansonsten wäre es echt blöd gewesen, wenn man so gar keine Connections findet«, fand sie. Sie schaut positiv nach vorn in das neue Semester.

Ähnlich geht es der 21-jährigen Tirza, die anfangs mit den Vorurteilen gegenüber ihrem Studienfach zu kämpfen hatte. »Ich war nicht begeistert über das Präsenzformat, aber nicht wegen Corona, sondern wegen den Vorurteilen gegenüber Jurastudenten. Ich dachte, dass alle so arrogante Menschen sind, aber die scheinen hier alle sehr lieb zu sein und ich freue mich«. Sie gehe nun mit einer anderen Einstellung in das Jurastudium, nachdem sie ihre künftigen Kommilitonen persönlich kennenlernen durfte. »Präsenz ist jetzt doch etwas Gutes, ich freue mich auf das Studium«, sagte Tirza.

Niklas ist froh, dass die Universität wieder in Präsenz tagt. »Ich war vorher Soldat und da war es auch immer normal, dass wir zusammen in der Truppe waren. Es ist ein gewisses Vertrautheitsgefühl, was man dann auch hat. Wenn jetzt alles digital wäre, dann wäre die menschliche Bindung auch gar nicht da«, meinte der 20-jährige Jurastudent. Er sei dreimal geimpft und die Alternative wäre, dass man alles zumache, bis die Zahlen runtergingen. »Das wäre ein Teufelskreis. Es war interessant, alle in Präsenz zu sehen. Die Gruppe ist viel kleiner als gedacht und ich bin gespannt, wie das im Studium wird«.

Die ebenfalls 20-jährige Yassmina freut sich auf den Beginn ihres Studiums. »Es ist auf jeden Fall aufregend, man kennt das gar nicht. Ich habe davor nie studiert und man hat viele Erwartungen, aber irgendwie versucht man, einfach alles aufzunehmen, was einem entgegenkommt«. Sie hofft, dass sie im Studium viele Freunde findet und Spaß am Lernen findet. »Und natürlich, dass ich am Ende erfolgreich rauskomme«, sagte sie lachend.

Gegenüber digitaler Lehre hegte sie von Anfang an einen Groll. »Nicht, weil es schlecht ist oder weil man nicht digitalisiert genug ist, sondern weil man die Leute vor Ort braucht. Online fühlt sich nicht real an und es fehlt viel am Zeitmanagement, wenn man das alles zu Hause selber machen muss«, so die 20-Jährige.

Corona steht sie ambivalent gegenüber. »Klar, man macht sich Sorgen, wenn man ältere Familienmitglieder hat. Ich bin geimpft, aber das heißt ja nicht, dass ich kein Corona kriegen könnte. Ich hoffe, dass wir das alles gut überstehen. Ich hatte Angst, dass alles wieder online wird wie 2020 und 2021. Da bin ich etwas besorgt darüber und hoffe, dass alles gut läuft«. Eine Sorge, die die anwesenden Studierenden durch die Seminarbank weg teilen. »Bloß kein Onlineunterricht mehr«, da war sich die Erstsemestergruppe einig.

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