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Brandstiftung kann ausgeschlossen werden

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Von: Benjamin Lemper

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Hat Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt das Feuer im Liebig-Museum ausgelöst? Foto: Liebig-Gesellschaft © Liebig-Gesellschaft

Nach dem Feuer im Liebig-Museum in Gießen haben Ursachenermittler von Polizei und LKA Proben genommen. War Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt der Auslöser für den Brand?

Gießen (bl). Der Schock saß tief, nachdem am Montagabend ein Feuer im Liebig-Museum ausgebrochen war, das unter anderem Teile des historischen Hörsaals zerstörte. Der Schaden liegt bei circa 100 000 Euro. Nun steht zumindest fest, dass eine vorsätzliche Brandstiftung ausgeschlossen werden kann, wie Polizeisprecher Jörg Reinemer auf Anfrage des Anzeigers bestätigt. Das sorgt auch bei der Liebig-Gesellschaft für »große Erleichterung«. Zugleich zeigt sich der Vorstand »absolut überwältigt von der Welle der Solidarität und den zahlreichen Angeboten zur Unterstützung«.

Brandursachenermittler der Gießener Kriminalpolizei und des Landeskriminalamtes, darunter ein Chemiker, waren am Donnerstag in der Liebigstraße im Einsatz. Dabei sei der Experimentiertisch als Bereich identifiziert worden, in dem das Feuer seinen Ursprung nahm. Geprüft werde, ob Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt Auslöser war. Dafür seien Proben genommen worden, um zu analysieren, ob entzündliches Material eine Rolle gespielt haben könnte, so Reinemer. Da am Montag zwei experimentelle Vorlesungen stattfanden, sei ferner Gegenstand der Untersuchungen, ob es im Nachgang irgendwelche Versäumnisse gegeben habe. Die Befragungen dauern an, mit Ergebnissen sei frühestens in einer Woche zu rechnen. Die Liebig-Gesellschaft um ihren Vorsitzenden Prof. Gerd Hamscher und dessen Stellvertreter Prof. Richard Göttlich sicherte zu, die Ermittlungen »vollumfänglich« zu unterstützen.

Vor deren Abschluss könnten zu den weiteren Schritten keine Aussagen getroffen werden. Wie schnell der Wiederaufbau dann vonstattengehen kann, sei im Dialog mit der Versicherung zu klären und hänge obendrein von der Verfügbarkeit der erforderlichen Fachfirmen ab. »Denn es sind nicht nur die Brandschäden im historischen Hörsaal, sondern auch die Folgen der Verrußung in den anderen Räumen des Laboratoriums zu beheben«, erklären Hamscher und Göttlich gegenüber dieser Zeitung.

Verschiedene Unternehmen, die Gießen Marketing GmbH und die Stadt Gießen hätten bereits ihre Hilfe zugesagt. Zudem gebe es Spendenaufrufe von den Ortsvereinen der Gesellschaft Deutscher Chemiker, dem Jungchemikerforum und der Arbeitsgruppe junger Lebensmittelchemiker. Über Prof. Christoph Meinel (Fachgruppe Geschichte der Chemie) laufen nationale und internationale Kampagnen. Die beiden Vorsitzenden betonen daher: »In dem Brand sehen wir auch die Chance, endlich dringend notwendige Sanierungen im Liebig-Museum, insbesondere in der Haus- und Sicherheitstechnik, aber auch energetische Maßnahmen vorzunehmen.« Auf die Bemühungen, sich für die Aufnahme in den Kreis der Unesco-Weltkulturerbestätten zu bewerben, wirke sich der Brand übrigens nicht aus. »Wir sehen uns in der Verantwortung, in Abstimmung mit dem Denkmalschutz und mit Fachfirmen die Räume von Justus Liebig authentisch zu restaurieren.«

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