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Brillant ohne Faden

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Bezüge braucht er nur im Wäscheregal: Torsten Sträter. Foto: Czernek © Czernek

Torsten Sträter erweist sich in der Hessenhalle als grandioser Wortakrobat. Der Comedian holte sein Corona-bedingt verschobenes Gastspiel in Gießen nach.

Gießen. Ein Abend mit Torsten Sträter ist alles - nur niemals langweilig. Nach dem der Auftritt wegen der Pandemie zweimal verschoben wurde, kam der Dortmunder am Dienstagabend tatsächlich in die ausverkaufte Hessenhalle. Mehr als 2000 Fans begeisterte er einmal mehr mit seinem Programm, das eigentlich gar keines ist - genau das ist sein Markenzeichen.

Mit leichter Verspätung betritt Sträter die Bühne, er stand im Stau. Jeder, der in jüngster Zeit einmal auf der A45 unterwegs war, konnte das nachfühlen. Also nichts mit Soundcheck, sondern gleich rein ins Vergnügen: Sein trockener Humor, gewürzt mit etwas Sarkasmus, ist legendär. Der 56-Jährige weiß, dass er sich auf seinen spontanen Wortwitz verlassen kann und setzt dieses Talent gnadenlos ein.

Der Vater als zentrales Motiv

Bei Sträter kann man nie ganz sicher sein, ob dass, was er da gerade von sich gibt, der Realität entspricht oder ein gerade ausgedachter Scherz ist. »Ich erzähle die Wahrheit, ich pimpe sie nur etwas lustig auf«, erklärt er dazu. Viel geredet hat der 56-Jährige wohl schon immer und ebenso viele Witze aufgelegt, denn warum sollte er sonst seinen Vater, den er an anderer Stelle als Idiot bezeichnete, mit den Worten zitieren: »Man kann mal einen Scherz machen, aber nicht immer.«

Eigentlich war die Beschäftigung mit seinem Vater wohl als das zentrale Motiv seines Programms gedacht. Eigentlich - denn seitdem sind drei Jahre ins Land gegangen und viele Dinge passiert, die einfach angesprochen werden mussten. Deshalb verliert sich Sträter auf der Bühne gern und immer öfter in alle möglichen Themen, über die er eigentlich gar nicht sprechen möchte. Dazu zählt etwa die Pandemie. »Corona gibt’s nicht mehr. Das haben wir abgeschafft«, betont der Komiker, um gefühlte zwei Stunden später darauf zurückzukommen. Die Kölner hätten uns diesen Schlamassel eingebrockt. »Körnerbrot ist Brauchtum, nicht aber der Kölner Karneval.« Ein Ruhrpottler wie Sträter hat seine ganz eigene Beziehung zur nahen Metropole am Rhein.

Immer wieder erneuerte er im Laufe des Abends sein Versprechen, doch noch irgendwie zu einem Faden seines Programms zurückzukehren. »Das wird hier noch ein echtes Kabarett. Aber: egal wie blöd der Spruch auch ist: Wenn Sie es lustig finden, dann bringe ich es«. Entsprechend grandios fielen seine Wortspiele aus. Das klang dann so: »Da habe ich keinen Bezug zu. So etwas denke ich mir nur, wenn ich vor dem Wäscheregal stehe und mir der passende Bezug zu einer Decke fehlt.«

So durften dann auch launige Bemerkungen und Befragungen des Publikums zum Thema Gendern nicht fehlen oder gar die Feststellung über den Unsinn von dem Verballern von Böllern an Silvester.

So zeigte sich einmal mehr: Torsten Sträter sollte man am besten live erleben.

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