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Britische Tradition in Gießen

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Zur Musik von Thilo Weiß war die Tanzfläche in der Kongresshalle gut gefüllt. Foto: Jung © Jung

Durchgehend belegt war das Parkett der Kongresshalle, wo Thilo Weiß zum Tanztee aufspielte. Die Stadt Gießen hatte ältere Mitbürgerinnnen und Mitbürger eingeladen.

Gießen. Es war ein gemütlicher Nachmittag in der Kongresshalle beim Tanztee, zu dem die Stadt Gießen Seniorinnen und Senioren eingeladen hatte. Drei Stunden Musik und Tanz sorgten für Abwechslung und Bewegung bei den rund 110 Gästen. Nach einer langen Zeit, wo die Kontakte ausbleiben mussten, bot sich jetzt eine gute Gelegenheit, sich mal wieder bei einem Schwätzchen auszutauschen, sich beim Tanzen näherzukommen, gute Laune und Unbeschwertheit zu genießen.

Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und der Seniorenbeiratsvorsitzende Gabriel Brand eröffneten mit Grußworten den geselligen Nachmittag. Das Parkett war Dank Thilo Weiß, der den Tanztee musikalisch mit alten und neuen Schlagern umrahmte und auch Wünsche der Teilnehmer erfüllte, von den älteren Gießenern immer belegt.

Very british

Was ist eigentlich ein Tanztee? Laut Wikipedia wird diese Art der Veranstaltung auch als Hausball bezeichnet, es ist eine öffentliche Veranstaltung. In England wurde der »Tea dance« oder »Thé dansant« Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt, und zwar als private Gesellschaft. Er begann üblicherweise um 20 Uhr und endete gegen 23 Uhr. Es wurde getanzt und nach dem ersten Tanz Tee und Appetithäppchen gereicht. Der Tanztee war damals eine zwanglose Möglichkeit für junge Leute, Gleichaltrige des anderen Geschlechts kennenzulernen. Bis in die 1940er Jahre hatte er in England Bedeutung und war populär. Als gesellschaftlicher Höhepunkt erwies sich die Veranstaltung in den 1920er Jahren in den westlichen Ländern. In der Folgezeit wurde die Cocktailbar populär und trat zunehmend an die Stelle des Teenachmittags.

Die Männer zeigten sich auf dem Tanzboden in der Kongresshalle in der Unterzahl, doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Paare des Vereins TSC Swingin Gießen, dessen Mitglieder die Liebe zum Swing verbindet, zeigten Swing und Lindy Hop-Darbeitungen. Dieser Tanz ist nicht mit einem Standardtanz zu vergleichen, die Frauen und Männer in Gießens »guter Stube« zeigten das deutlich auf der Tanzfläche. Er ist lockerer und unbeschwerter. Und verleitet auch nicht zu sportlichen Höchstleistungen wie sein jüngerer Verwandter, der Rock’n’Roll. Die Tänzerinnen und Tänzer traten in der Mode der Epoche auf, deren Tänze sie zeigen. Gestreifte Shirts, Schiebermütze, Hosenträger oder weite Hosen, auch bei den Frauen, so präsentierten sich die Akteure bei ihrem Auftritt. Den mehrfachen Wunsch des begeisterten Publikums nach einer Zugabe ließ die Gruppe leider unerfüllt.

Ganz anders ging es nach der Pause, bei der sich die Gäste mit Kaffee und jeweils zwei Stück Kuchen stärken konnten, auf dem Parkett zu. Fetzig wurde es da, als die Tänzerinnen und Tänzer des 1. Rock’n’ Roll-Clubs die Halle betraten. In die Tanzvorführungen baute die Gruppe szenische Darstellungen ein, begeisterte mit ihrer Akrobatik und sportlichem Schwung. Und die Begeisterung schwappte schnell über. Als sich die Akteure verabschiedeten und fröhlich winkend an den Tischen vorbeizogen, war hier und da ein »Schade« aus den Reihen der Gäste zu hören.

»I sing a Liad für di«, der bekannte Song von Andreas Gabalier, leitete zum Ende des schönen Nachmittags über. Thilo Weiß stieg zur Polonäse von der Bühne auf das Parkett hinunter und am Ende fassten sich alle Besucher des Tanztees an den Händen. »Es war ein fantastischer Nachmittag« freute er sich, dankte und sang aus der Mitte zum Abschied »Aber Dich gibt’s nur einmal für Dich«.

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