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»Brücke« braucht neue Bleibe

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Zwei Gesichter, ein Thema: Sara von Jan mit den beiden Postkarten, daneben Michael Ackermann, Ute Loh und Andreas Schmidt. © Schäfer

Der Mietvertrag für die Wohnungslosenhilfe »Brücke« in der Dammstraße/ Ecke Walltorstraße läuft zum 31. März aus. Händeringend wird nach einem neuen Quartier in der Innenstadt gesucht.

Gießen. Wer in der kalten Jahreszeit ein warmes Zuhause hat, kann sich freuen. Doch nicht jeder hat diesen Grund zur Freude. Umso mehr ist es wichtig, dass es für wohnungslose Mitbürger zumindest eine tägliche Anlaufstelle gibt, wo sie sich aufwärmen und einen Kaffee machen können, etwas zu essen aufwärmen, sich duschen und beraten lassen können. Diese Anlaufstelle in der Innenstadt finden Obdachlose derzeit noch in der »Brücke«, der Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes in der Dammstraße/Ecke Walltorstraße. »Noch« deshalb, weil der Mietvertrag am 31. März des kommenden Jahres ausläuft.

Ein neues Domizil für »Die Brücke« ist trotz 18-monatelanger Suche noch immer nicht in trockenen Tüchern. Auf deutsch: Die Zukunft dieser Anlaufstelle für bedürftige Mitmenschen ist ungewiss.

Mietvertrag endet bereits am 31. März

Seit sechs Jahren ist Andreas Schmidt Leiter der Einrichtung. »Wir beraten und begleiten Menschen ohne festen Wohnsitz und in schwierigen Lebenslagen. Auf der Suche nach einem neuen Domizil sind wir bereits seit fast zwei Jahren. Von unserem Vermieter in der Dammstraße wissen wir, dass er den Mietvertrag nicht verlängern will.« Mit allen Immobilienfirmen sei er vernetzt. Gesucht wird eine Räumlichkeit im Laufbereich, sprich Dunstkreis Innenstadt. »Unsere Menschen sind immobil, teils sehr krank, die finanziellen Verhältnisse erlauben keine Busfahrten nach draußen.« Wieseck oder Kleinlinden kommen demnach nicht infrage.

90 hilfsbedürftige Menschen seien es vor der Corona-Krise täglich gewesen, die in der »Brücke« als Gast im Tagesaufenthalt gewesen seien. Mangels eines festen Wohnsitzes hätten viele von ihnen dort ihre Postadresse, sodass sie postalisch erreichbar seien. Keinerlei Probleme gegeben habe es die ganzen Jahre mit dem Umfeld ob den Bedürftigen, die bei ihnen ein- und ausgingen. Ute Loh ist als Sozialarbeiterin Fachberaterin in der Wohnungsnotfallhilfe. Der Tagesaufenthalt diene dazu, etwas gegen die Verwahrlosungstendenzen zu tun. Geduld sei gefragt. »Manchmal dauert es ein halbes Jahr, bis sie so weit sind für ein vertrauensvolles Gespräch«, weiß sie aus Erfahrung.

Neben Menschen ohne festen Wohnsitz kämen auch Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht seien, zur Beratung. 70 Quadratmeter gibt es in der Dammstraße für den Tagesaufenthalt, 200 Quadratmeter sind es insgesamt. Auch die Straßensozialarbeit, deren Kosten die Stadt übernimmt, hat hier ihre Räume. »Wir haben einfach zu wenig Platz für Beratung und Hygiene«, betont Schmidt. 350 Quadratmeter plus minus, sollte das neue Quartier in etwa haben. »Wir zahlen auch eine marktgerechte Miete und möchten einen Mietvertrag für zehn Jahre, gegebenenfalls auch länger abschließen.« Er fügt an: »Eine private Profilierung eines Vermieters wäre top.« Finanziell getragen wird die Einrichtung zu nahezu 100 Prozent von Landkreis, Stadt und hauptsächlich dem Landeswohlfahrtsverband.

Ein Postkartenprojekt soll auf die Thematik und Problematik aufmerksam machen: Sara von Jan und Michael Ackermann haben Jahrzehnte in Gießen gelebt, bevor sie in Frankfurt eine Agentur gründeten. Ihre »SoliReklame« unterstützt soziale Träger und Kulturschaffende. »Wir möchten ein Sprachrohr für die Menschen sein, die selbst nicht was sagen können«, erzählt von Jan. Ackermann hat für »Die Brücke« bedürftige Menschen in Gießen fotografiert. Zwei von ihnen sind auf einer Postkarte verewigt, die jeweils in einer Auflagelage von 1500 gedruckt wurden. Auf der einen ist ein Mann abgebildet mit dem Hinweis »Es wird kalt…". Auf der Rückseite der Postkarte wird zur finanziellen Unterstützung aufgerufen. Die zweite Postkarte zeigt eine Frau mit dem Hinweis: »Die Brücke braucht ein neues Zuhause.« Auf beiden Postkarten ist ein QR-Scann aufgedruckt, der eine benötigte Unterstützung anfordert. So werden auch Menschen gesucht, »die uns mit einer Spende für Ausbau und Umzug unterstützen möchten«, erklärt Andreas Schmidt.

Beim Pressegespräch zur Vorstellung des Projekts wurde scharf kritisiert, dass nicht selten Vermieter die Notlage von bedürftigen Wohnungssuchenden ausnutzten. Diese seien nicht selten unter unwürdigen Bedingungen untergebracht. Die Vermieter strichen vom Jobcenter »fette Mieten« ein, ohne dass diesem Missbrauch nachgegangen werde.

Spendenkonten sind: Sparkasse Gießen IBAN DE 58 5135 0025 0200 5135 08 sowie Volksbank Mittelhessen IBAN DE03 5139 0000 0045 4256 06. Verteilt werden sollen die Postkarten an verschiedenen Orten, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

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