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Bündnis fordert weiteren Bahnsteig

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Das »Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen« fordert einen weiteren Bahnsteig am Gießener Bahnhof. Archivfoto: Scholz © Stephan Scholz

Das Bündnis »ÖPNV-Wende Mittelhessen« fordert einen weiteren Bahnsteig am Bahnhof Gießen. Wie sind dafür die Aussichten?

Gießen. Bislang ist die Debatte um die Verkehrswende in der Stadt vor allem vom Fahrrad geprägt. Das »Bündnis ÖPNV-Wende Mittelhessen« stärkt einen anderen Akzent. Am Gießener Bahnhof fordert es den »Bau eines weiteren Bahnsteigs mit zwei Bahnsteigkanten (Gleis sieben und acht).« Die Bahn begrüße die Initiative, erklärt eine Konzernsprecherin auf Anfrage. Zum jetzigen Zeitpunkt seien jedoch keine weiteren Gleise geplant. Auch Gerda Weigel-Greilich lobt den Einsatz des Bündnisses grundsätzlich. »Welche weiteren Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, muss im Einzelnen geprüft werden«, führt die Stadträtin aus.

Sechs Streckenäste liefen derzeit in Gießen beziehungsweise Wetzlar zusammen, darunter die hochfrequentierte Main-Weser-Bahn, informiert das Bündnis in einer Mitteilung. »Mehr als 300 Zugfahrten pro Tag berühren Gießen oder beginnen beziehungsweise enden dort. Mit der Lumdatalbahn wird in absehbarer Zeit eine weitere Zuggruppe von und nach Gießen verkehren. Für die rund 28 000 Reisenden täglich stehen elf Bahnsteiggleise zur Verfügung. Das klingt viel, allerdings eignen sich nicht alle Gleise für alle Arten von Zügen«, so die Gruppe.

Zusätzliche Fahrten nach Wetzlar und Marburg

Der zusätzliche Bahnsteig sei Grundvoraussetzung, um den Halbstundentakt als Regelangebot auf allen von Gießen ausgehenden Strecken einzuführen. Den Platz dafür haben die Aktiven zwischen Gleis vier/fünf und der Bebauung auf der Westseite ausgemacht. »Der Bahnsteig soll so ins Gleisnetz integriert werden, dass direkte Fahrten von und nach Wetzlar und Siegen beziehungsweise Limburg möglich sind, ohne die stark befahrene Main-Weser-Bahn zu kreuzen«, regt die Gruppe an.

Hintergrund der Initiative; Es gebe viele Absichtserklärungen zur Verkehrswende, aber in Mittelhessen nur sehr wenige konkrete Projekte. Daraus resultiere der Wunsch, den Bahnhof Gießen als zentralen Verkehrsknoten der Region zukunftsfähig zu machen. Beteiligt an der Aktion für den neuen Bahnsteig sind etwa der Verkehrsclub Deutschland VCD, der Regionalverband Mittelhessen des Fahrgastverbandes »Pro Bahn«, der Fahrgastverband »Pro Bahn & Bus im Deutschen Bahnkundenverband«, der Verein Lumdatalbahn und der AStA der Justus-Liebig-Universität.

»Die Verkehrswende ist in Mittelhessen besonders weit entfernt. Wir haben noch keine RegioTram, wie in Nordhessen, und keine S-Bahn, wie im Rhein-Main-Gebiet. Wir fangen ganz unten an und brauchen den verbesserten Bahnhof Gießen als Grundbaustein für mehr Züge auf vorhandenen Gleisen. Die Züge müssen fahrplanstabil und in guter Qualität verkehren«, meint Gerhard Born, Sprecher des VCD Gießen. Es sei besser, eine überschaubare Zahl an Projekten ganz gezielt voranzubringen, als ewig über die Verkehrswende zu diskutieren. »Schaffen Sie Angebote an die Menschen, die Lust auf einen Umstieg machen. Und warten Sie nicht, bis der Klimawandel zum überstürzten Handeln zwingt«, spricht Born verantwortliche Politiker an.

»Ziel der Deutschen Bahn und ihrer Partner ist es, Bahnhöfe für die Kunden noch attraktiver und komfortabler zu machen. Daher begrüßen wir grundsätzlich jegliche Initiative, die diesen Anspruch unterstützt« erläutert die Bahnsprecherin. Die Modernisierung und der Ausbau von Stationen folge allerdings bestimmten Prinzipien, darunter insbesondere der Regionale Nahverkehrsplan des RMV sowie Vorgaben des Bundes und der Länder. »Für den Standort Gießen sind danach zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Bahnsteige vorgesehen.«

Natürlich unterstütze die Stadt das Ziel, den Bahnhof Gießen als zentralen Verkehrsknoten der Region zu stärken. »Deshalb forciert die Stadt auch im Zuge des Baus der Lehrkräfteakademie den Weiterbau der Unterführung unter den Gleisen zur Lahnstraße. Dies dient der Anbindung eines zweiten Bahnhofsvorplatzes mit Fernbusbahnhof, aber auch Haltemöglichkeiten für weitere lokale Buslinien« entgegnet Weigel-Greilich. Denn der vorhandene Bahnhofsvorplatz sei mit seinen Kapazitäten erschöpft.

Machbarkeitsstudie für eine RegioTram vereinbart

Im Koalitionsvertrag haben die Partner von Grünen, SPD und »Gießener Linke« einiges zum Schienenverkehr vereinbart. Darunter findet sich die Verlängerung der Bahnunterführung, die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll. Darüber hinaus streben die Koalitionäre »den Ausbau von Schienenstrecken und Zugverbindungen, insbesondere in die ländliche Umgebung« an. Zeitnah will die Regierungskoalition eine Regio-S-Bahn durch neue Bahnhaltepunkte in der Stadt schaffen sowie den Bau einer RegioTram prüfen. .

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