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»Bunter Haufen« auf Spurensuche

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Rund 230 Studenten saßen bis 1931 im Karzer ein - und hinterließen »Kunstwerke«. Foto: Coordes © Coordes

Studierendengeschichte(n) als Beitrag zum Marburger Stadtjubiläum : Auftakt der vielfältigen Veranstaltungsreihe ist heute, 1. Juni. Sie endet am 22. Juni mit einer Führung durch den Karzer.

Marburg. Mit Vorträgen, Führungen, Podcasts, Essays und einem Buch schauen Studierende und Lehrende auf 495 Jahre »Studierendengeschichte(n)« zurück. Mit dem von der Stadt geförderten Projekt der Aktiven Fachschaft Geschichte beteiligen sich die Hochschüler am Marburger Stadtgeburtstag.

Großes Projekt

»Wir bevölkern die Vorlesungssäle und die Lahntreppen. Wir tragen unser Geld fleißig in die Gastronomie und mieten auch noch die allerschlimmsten Bruchbuden. Wir halten vielleicht auch einmal das Ordnungsamt mit Ruhestörungen auf Trab. In vielen Geschäften sind die Aushilfen Studierende. Die Jugendtrainer und Jugendtrainerinnen in Vereinen sind häufig Studierende. Wir engagieren uns in Initiativen, betreuen Kinder und Senioren. Wir sind eigentlich ein ziemlich bunter Haufen. Und wir sind ein Teil dieser Stadt seit bald 500 Jahren.« Was Fachschafterin Michelle Simon in ihrem Podcast beschreibt, ist der Hintergrund für die Studierenden, im Rahmen des 800-jährigen Stadtjubiläums auch auf ihre Geschichte zurückzublicken.

Geplant war zunächst nur eine kleine Veranstaltungsreihe, erzählt Jana Buchert vom Vorstand des Fördervereins der Aktiven Fachschaft Geschichte. Daraus wurde das größte Projekt der angehenden Historikerinnen und Historiker: »Dass es auf so große Resonanz stoßen würde, hatten wir nicht erwartet«, sagt Buchert. Begleitet wurden sie dabei von Prof. Sabine Mecking vom Lehrstuhl für hessische Landesgeschichte, die eine Lehrveranstaltung zum Thema anbietet, sowie vom Jubiläumsbüro der Stadt.

Mit einem städtischen Zuschuss finanzierten sie Flyer, Vortragshonorare und die Website. Dazu leisteten sie vor allem ehrenamtliche Arbeit. Es entstanden sieben Podcasts und noch mehr Essays und Berichte.

Die frühere Marburger Studentin Hannah Arendt ist die Titelfigur der Veranstaltungsreihe, die noch bis zum 22. Juni läuft.

Eine Grafik zeigt sie einmal kombiniert mit der Alten Universität, einmal mit den Türmen der Philosophischen Fakultät. »Damit wollen wir dazu anregen, die Studierenden und ihre Universität aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten«, erklärt Jana Buchert. Das gilt auch für Hannah Arendt, die in Marburg vor allem wegen ihrer Liebesbeziehung zu Martin Heidegger bekannt ist. Tatsächlich hat sie in Marburg den größten Teil ihrer Gedichte geschrieben, dazu noch melancholische Prosa.

68er-Bewegung

Wie unterschiedlich der Alltag von Studierenden in den vergangenen Jahrhunderten war, zeichnet der nächste Vortrag am heutigen 1. Juni nach.

Darin schildert der angehende Historiker Phillip Höhre unter anderem, wie die Stipendiaten aus der Anfangszeit der Universität gelebt und studiert haben, wie es protestantischen Studenten unter einem calvinistischen Landgrafen ging, wie ihr Alltag während des Siebenjährigen Krieges, an einer napoleonischen Universität und während der 68er-Bewegung aussah.

Folgende Veranstaltungen bietet das Juni-Programm:

1. Juni, 18.30 Uhr, Hessisches Staatsarchiv: Marburger Studierendenalltage durch die Jahrhunderte. Vortrag von Phillip Höhre.

15. Juni, 18 Uhr, Alte Universität: Orte des Studierens. Eine Stadtführung mit Dr. Katharina Schaal (Anmeldung unter fachschaft06@lists.uni-marburg.de).

22. Juni. 17 und 18 Uhr: Der Marburger Karzer. Eine Führung (Anmeldung unter fachschaft06@lists.uni-marburg. de).

In Kooperation mit dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde erscheinen Beiträge aus dem Projekt im November im Hessischen Jahrbuch für Landesgeschichte.

Zudem finden sich zahlreiche Podcasts, Interviews, Berichte zu bereits gehaltenen Vorträgen und Essays - etwa zu Wilhelm Röpke, Hannah Arendt, den Grimms, der Jüdischen Hochschulgruppe, studentischer Gewalt und der Studierendenzeitung »Marburger Blätter - unter https://studierendengeschichte.de. (gc)

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Die Alte Universität in Marburg entstand auf den Grundmauern des ehemaligen Dominikanerklosters. Foto: Coordes © Coordes

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