"Chemical Revolution": Angeklagte lassen Urteil überprüfen

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GIESSEN - (hh). Die Einzelstrafen für jedes Verbrechen mögen beachtlich sein. Doch die Neunte Strafkammer hat diese in ihrem Urteil "sehr großzügig zusammengezogen", stellte der Vorsitzende Dr. Klaus Bergmann zum Abschluss nicht zu Unrecht fest. Damit sind die sieben Angeklagten, die sich wegen der illegalen Machenschaften des "deutschlandweit größten Drogen-Onlineshops" vor dem Landgericht verantworten mussten, im Vergleich zu manchem kleinen oder gar mittelgroßen Dealer recht glimpflich davon- gekommen.

Vor allem jene beiden Mitglieder der kriminellen Bande, die sich durch eine "Absprache" noch einen zusätzlichen Strafrabatt gesichert haben.

Doch nicht nur der Hauptangeklagte "Joko" und sein 37-jähriger Komplize, sondern insgesamt sechs Angeklagte im Prozess um "Chemical Revolution" haben Revision eingelegt, teilt das Landgericht mit. Damit werden die Urteilsgründe sowie das Sitzungsprotokoll vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe nochmals überprüft. Nach fast genau einem Jahr Verhandlungsdauer hatten die drei Berufsrichter und zwei Schöffinnen Haftstrafen zwischen neun Jahren und zwei Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten gegen die Männer aus Deutschland, den Niederlanden und Polen verhängt. In unterschiedlichen Konstellationen und mit verteilten Aufgaben hatten die Angeklagten im Alter zwischen 29 und 46 Jahren Kokain, Marihuana, Amphetamine sowie Ecstasy im zweistelligen Kilobereich organisiert und in der virtuellen Drogenboutique von September 2017 bis Januar 2018 angeboten. Womöglich ist das Rechtsmittel aber taktisch motiviert. Ein Niederländer muss sich noch in einem zweiten Prozess verantworten. Und die Revision muss erst begründet werden, wenn das schriftliche Urteil vorliegt.

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