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»Chemical Revolution 2.0«: Erneute Verzögerung

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Da einer von ihnen fehlt, müssen sich die Angeklagten am Montag gedulden. © Mosel

Der Prozess um »Chemical Revolution 2.0« kommt nicht so recht voran. Vor dem Landgericht Gießen geht es um 310 weitere Tatvorwürfe rund um den großen Drogenshop im Darknet.

Gießen (jmo). Der Auftakt des Großprozesses war ursprünglich für Mitte Januar angekündigt. Nach mehreren Krankheitsfällen musste die juristische Aufarbeitung um den Darknet-Shop für Drogen vielfältiger Art dann allerdings drei Mal kurzfristig verschoben werden. Am Montag sah eine neuerliche Zusammenkunft in Sachen »Chemical Revolution 2.0« im Externen Sitzungssaal des Landgerichts Gießen zunächst vielversprechend aus. Letztlich konnte die 310 Tatvorwürfe umfassende Anklageschrift aber wieder nicht verlesen werden: Ein Angeklagter hatte einen Hexenschuss erlitten.

Verantworten müssen sich fünf Männer zwischen 27 und 38 Jahren wegen des bandenmäßig organisierten und gewerbsmäßigen Handels von Betäubungsmitteln. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main wirft der Tätergruppierung vor, Drogen in den Niederlanden beschafft und dann nach Hamburg transportiert zu haben, wo sie gebunkert, portioniert und an Kunden versandt wurden. Die unter Pseudonymen auftretenden Abnehmer zahlten in der Kryptowährung Bitcoin.

Bereits im August vergangenen Jahres hatten in einem ersten Komplex sieben Männer für ihre Beteiligung an dem Onlineshop »Chemical Revolution« Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und acht Monaten sowie neun Jahren und zwei Monaten erhalten. Um sich eine lukrative Einnahmequelle zu sichern, fanden sich nach Überzeugung der 9. Großen Strafkammer vier der Männer als Bande zusammen und betrieben zwischen September 2017 und Januar 2018 im anonymen Darknet einen schwungvollen Handel mit Marihuana, Heroin und Ecstasy, Kokain und Amphetamin im zweistelligen Kilobereich. Ein 31-Jähriger hatte vor seiner Festnahme ein Appartement in Ortenberg in der Wetterau angemietet, allein durch diesen Tatort fand der aufwändige Prozess in Gießen statt. Die noch ausstehenden 310 Taten, die nun zur Anklage kommen sollen, waren damals abgetrennt worden. Es handelt sich dabei um Fälle ab April 2018, die in anderer Besetzung abgelaufen sein sollen.

Die Fülle an Verfahrensbeteiligten ist bei »Chemical Revolution 2.0« erneut groß. Verzögerungen sind so beinahe vorprogrammiert. So fehlte am Montag nach knapp drei Stunden Wartezeit noch immer einer der Angeklagten. Nach Auskunft seines Verteidigers hatte der Mann kurz zuvor einen Hexenschuss erlitten und konnte deshalb die Reise von Hamburg nach Gießen nicht antreten. Die Anklageverlesung ist nun für den kommenden Montag geplant. Insgesamt sind bisher neun Termine bis Ende April angesetzt.

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