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Corona auf den Zahn gefühlt

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Von: Klaus Frahm

Unterhaltsam und von viel Ironie geprägt ist der Film »Aerosole« statt, den das »Ensemble der Volkshochschule (VHS)« in Zeiten der Pandemie geschaffen hat.

Gießen . »Der Räuber hat sich korrekt verhalten, der hat die Maske während des Überfalls immer aufgelassen«, lobt die Kassiererin. Am Lieferanteneingang des Supermarktes unterhält sie sich mit einer Kollegin über die Kundschaft, die auf die Maskenpflicht schimpft, die Maske falsch trägt oder gar sich weigert eine Maske aufzusetzen. Das unterhaltsame Gespräch findet in einer Szene des Films »Aerosole« statt, den das »Ensemble der Volkshochschule (VHS)« in Zeiten der Pandemie geschaffen hat.

Sketche entwickelt

In Zusammenarbeit mit dem Projektzentrum Offener Kanal Gießen und mit Unterstützung des Hessischen Rundfunks schufen die Teilnehmer des Medienkurses »Ensemble der VHS« den 38-minütigen Film, der sich in Form eines Lehrfilms ironisch mit der Corona- Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown auseinandersetzt. Unter der Leitung von Maximilian Schmidt entwickelten die Teilnehmer Sketche und Szenen, die die Widersprüchlichkeit und Unsicherheit der Einschränkungen während des Lockdowns zeigen und karikieren.

Viele Bereiche des Alltags werden humorvoll dargestellt und auf die Spitze getrieben. Da verlässt der Psychologe die Therapiesitzung um sich in der freien Natur mit einem lauten Schrei Luft zu verschaffen. Die Lehrerin plant die Sitzordnung in der Klasse, setzt die Geimpften und Geboosterten als Puffer zwischen die Impfunwilligen und die Genesenen. Die Studentin bittet die Teilnehmer der Videokonferenz darum, die Kameras einzuschalten und erfährt, dass niemand sich am frühen Morgen schon für fotogen genug erachtet.

Den Teilnehmern Jana Bauer, Simone Fremdt, David Gronemeyer, Stefan Kämmerer, Nathalie Kilsbach, Christiane Heinrichs-Kuhn, Rolf Kühneberger, Annegret Michel, Susanne Paesel und Petra Sommer gelingt es, die absurden Begebenheiten mit heiterer Gelassenheit zu zeigen. Die vielen Einschränkungen werden nicht verurteilt und auch nicht begrüßt, sie werden als notwenige aber lästige Maßnahmen dargestellt.

Schon die erste Szene, in der die Mitarbeiterin des Gesundheitsamts Ratsuchenden erklärt, was erlaubt ist und was verboten, ist von Humor geprägt. »Mit dem Hund dürfen sie gehen, mit ihrem Mann nicht«, erklärt sie und am Ende gesteht sie der Kollegin, dass sie auch nicht mehr durchblickt und deshalb auch einfach Einschränkungen erfindet.

Voll hintergründigem Humor ist auch die Entwicklung der Maskennäherei, die auf dem Höhepunkt ihrer Produktion jäh unterbrochen wird, weil ab sofort nur noch medizinische Masken erlaubt sind. In einer anderen Szene sitzt der Büroangestellte am Küchentisch, in weißem Hemd, Krawatte, Jackett und Unterhose und schafft sich seine Büroatmosphäre bis ihn seine Frau ins Bad verbannt weil sie sein umständliches Agieren nicht mehr erträgt.

Am Ende versucht eine Besucherin eines Altersheims Kontakt zu ihrer Mutter zu bekommen, was im Lockdown ausgesprochen schwierig ist. Das schließlich widerwillig genehmigte Treffen vor dem Altersheim nutzt dann die Mutter zur Flucht. Wer den Film sehen möchte, kann sich an die VHS wenden und Vorführungstermine erfragen oder den Film ausleihen.

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