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Cybercrime auch in Mittelhessen

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Von: Thomas Wißner

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In Mittelhessen wurde bereits jedes dritte Unternehmen Opfer eines Cyberangriffs. Die Internationale Polizeiorganisation Interpol sieht die Internetkriminalität und Finanzstraftaten weltweit als größte Bedrohungen. Symbolfoto: dpa © Red

Commerzbank Gießen stellt nach einer Umfrage alarmierende Zahlen vor: Jedes dritte Unternehmen in der Region wurde bereits Opfer eines Cyberangriffs.

Gießen. »In Nord- und Mittelhessen wurde jedes dritte Unternehmen bereits Opfer eines Cyberangriffs , zwei Drittel der betroffenen Unternehmen erhielten Phishing-Mails. Dabei sind Schäden in einer Größenordnung im vierstelligen bis hin zum hohen sechsstelligen Bereich entstanden. Lediglich jeder dritte Fall kann dabei aufgeklärt werden.« Es sind alarmierende Zahlen, die von der Commerzbank für Unternehmen in Nord- und Mittelhessen ermittelt wurden. Steffen Kalbfleisch, Leiter Unternehmerkunden der Commerzbank Gießen, und Dominik Prinz, der als Gebietsleiter das Unternehmerkundengeschäft betreut, stellten die Zahlen in einem Pressegespräch vor.

Hinzu kommt, dass bei gut einem Drittel der Unternehmen Externe versucht haben, sich das Vertrauen von Mitarbeitern zu erschleichen, um so an sensible Daten zu kommen. Im Sommer hatte das Kreditinstitut bei einer bundesweiten Studie auch 100 Unternehmen in Nord- und Mittelhessen mit einem Umsatzvolumen von bis zu 15 Millionen Euro zur Cybersicherheit telefonisch von einem Meinungsforschungsinstitut befragt - unabhängig davon, ob es sich dabei um Kunden der Bank handelt oder nicht. Für 89 Prozent der befragten Unternehmen ist das Thema Cybersicherheit von großer Bedeutung und sie sehen sich gut aufgestellt. Lediglich elf Prozent halten das Thema für irrelevant. In der Hälfte der Unternehmen ist das Thema »Chefsache« und bei einem Viertel werden externe Mitarbeiter damit beauftragt, während 14 Prozent auf Experten im Hause zurückgreifen.

Bei Unternehmen, die Opfer eines Cyberangriffs wurden, gelang dies den Tätern zu 64 Prozent durch Phishing-Mails. Bei gut einem Drittel der Unternehmen haben Externe versucht, sich das Vertrauen von Mitarbeitern zu erschleichen, um an sensible Daten zu kommen. Jedes siebte Unternehmen wurde mit Datendiebstahl per SMS konfrontiert. Das sind etwas mehr als im bundesweiten Vergleich. Neun Prozent der Unternehmen, die bereits angegriffen wurden, beklagen Schäden durch Cyberkriminalität, die von finanziellen Schäden, Imageverlust, Verlust von Kundendaten und Kunden bis hin zur Firmenspionage, aber auch dem Diebstahl von Patenten und geheimen Daten reichen. »Aufmerksame Mitarbeiter und Sicherheits-Software helfen entscheidend bei der Abwehr von Cyberangriffen«, so Prinz. Er führte aus, dass 81 Prozent der Unternehmen schon einmal einen Angriff durch aufmerksame Geschäftsführer oder Mitarbeiter abwenden konnten.

Der Einsatz einer Sicherheits-Software konnte bei gut der Hälfte der Unternehmen einen Cyberangriff verhindern. Bei einem Viertel dieser Unternehmen hat das schnelle Handeln externer Dienstleister oder Mitarbeiter den Schaden vereitelt. Eine Cyberschutzversicherung erachtet Kalbfleisch als elementar, weil oftmals auch Infrastruktur lahmgelegt wird. »Es ist notwendig, wieder handlungsfähig zu werden. Wir unterstützen unsere Kunden bei dem Thema und bieten entsprechende Schulungen an. Damit erhalten die Absolventen ein Zertifikat, das unter anderem eine Voraussetzung für den Abschluss einer Cyberschutzversicherung ist. »Diese übernimmt im Schadensfall nicht nur die entstandenen Kosten, sondern hilft bereits im Vorfeld bei der Verhinderung von Schäden, zum Beispiel durch eine Präventionsberatung«, erläutert Kalbfleisch. Ein Viertel der Unternehmen nutzt bereits eine solche Versicherung oder möchte sie abschließen.

Drei von fünf Unternehmen in der Region fühlen sich gegen Cyberangriffe bereits gut aufgestellt und sehen keine Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Nahezu ein Viertel hat bereits Maßnahmen ergriffen, will sich aber künftig noch besser schützen. 46 Prozent der Unternehmen, die weitere Schutzmaßnahmen planen, sehen diese für die kommenden sechs Monate vor. Dabei setzen 75 Prozent auf die Installation von Sicherheits-Software, zu Zweidrittel auf das Thema Weiterbildung, Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitern und Geschäftsführung. Bei Dreiviertel der Unternehmen erfolgt dies im Unternehmen. 57 Prozent der Unternehmen nutzen Informationsseiten im Internet. Darüber hinaus fühlen sich 67 Prozent der Unternehmen von ihrer Bank sehr gut unterstützt und informiert. Das sind mehr als im Bundesdurchschnitt. »Sicherheits-Software sowie die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter bieten den besten Schutz«, so Prinz.

Fotos: Commerzbank

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Dominik Prinz © Red
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Steffen Kalbfleisch © Red

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