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Damit Gießen bunt bleibt

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DEXT steht für »Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention«. Diese Fachstelle in Gießen stellte Birgit Schlathölter dem städtischen Ausländerbeirat vor.

Gießen. Dem Ausländerbeirat hat Birgit Schlathölter jüngst die städtische DEXT-Fachstelle vorgestellt. Diese ist im Jugendamt in der Ostanlage 25a - hinter der Villa Leutert - angesiedelt. DEXT steht für »Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention«. Zwar gebe es »gelegentlich Hakenkreuze an der einen oder anderen Wand«, aber Rassismus in der Schule betreffe Kinder auch direkt und in weit stärkerem Maße, so Schlathölter. Beispielsweise dann, wenn das Kind einen Migrationshintergrund hat oder jüdischen, islamischen respektive anderen nicht-christlichen Glaubens ist. Dass Mitschüler aus rassistischen Gründen attackiert werden, komme leider vor. Was kann also dagegen - auch präventiv - getan werden?

Für Fragen rund um all diese Arten von Extremismus ist die DEXT-Fachstelle eine erste Anlaufstelle für zivilgesellschaftliche Organisationen, Verwaltungen, Eltern und Kinder, Jugendliche, Erzieher, Sozialarbeiter und Lehrer. Unterstützung kann auch erhalten, wer sich um junge Menschen sorgt, die extremistische Haltungen entwickeln.

Wie Schlathölter erläuterte, bietet die DEXT-Fachstelle Hilfe und Unterstützung in Form von Informationen, Fachveranstaltungen, Workshops, Projekten oder auch als Erstberatung. In Zusammenarbeit mit weiteren Fach- und Beratungsstellen bestehe die Möglichkeit zur Erarbeitung von Interventionen und Interventionsplänen bei extremistischen und demokratiefeindlichen Gesinnungen. Präventionsangebote könnten von Vereinen, Kitas, Schulen, Heimen und anderen Institutionen in Anspruch genommen werden. Kein einseitiges Belehren, sondern Dialogkommunikation sei der richtige Weg. »Dabei müssen wir klarmachen: Wir leben hier bei uns in einer Demokratie.«

Unter Berücksichtigung der lokalen Bedarfe soll diese Stelle auch Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeiter in den Behörden organisieren. Sie soll zudem zu einer lokalen Vernetzung relevanter Akteure beitragen und lokale Projekte fördern. Zum Themenfeld Extremismus arbeitet sie intensiv mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern für die regionale PMK-Prävention (Politisch Motivierte Prävention) in den Polizeipräsidien zusammen.

Dies alles diene auch dem Ziel, die Integration von Migranten zu fördern. Damit unsere Stadtgesellschaft »so bunt und vielseitig« bleibe, wie sie sei. »Wenn man Demokratie nicht pflegt, dann kann sie schnell verloren gehen«, so die Referentin. Doch habe die DEXT-Fachstelle nur dann Potenzial, wenn sich auch viele Menschen an sie wenden.« Schlathölter appellierte an die Mitglieder des Ausländerbeirates, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit dem Aufbau und der Fortführung eines Monitorings für extremistische Vorfälle in der Stadt sollen die Präventions- und Unterstützungsangebote an den regionalen Bedarf angepasst werden. Mit Beginn der zweiten Förderperiode des Landesprogramms »Hessen - aktiv für Demokratie und gegen Extremismus« (2020-2024) können auf Antrag beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport in jedem Landkreis, jeder kreisfreien Stadt oder Stadt mit Sonderstatus DEXT-Fachstellen eingerichtet werden.

Im Jahr 2020 sind bereits die ersten in den Wirkbetrieb gegangen, Gießen folgte im vergangenen Jahr. Mit dieser Fachstelle will die Stadt einen weiteren Beitrag leisten, Demokratie zu fördern und jedem Extremismus entgegenzuwirken. Gießen stehe für Demokratie, Gleichberechtigung, Frieden, Menschenwürde, Religionsfreiheit, Partizipation, Teilhabe, Pressefreiheit, Chancengleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, Pluralismus, Respekt, Solidarität, Gewaltfreiheit, heißt es.

Als unsere freiheitliche demokratische Grundordnung angreifend werden gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und politisch motivierte Taten durch extremistische Haltungen und Handlungen bezeichnet. Das sind: Rechtsextemismus, Linksextremismus, Islamismus, Extremismus mit Auslandsbezug, Extremismus von Reichsbürgern und Selbstverwaltern, Antisemitismus, Antijudaismus, Antiziganismus (betrifft Roma und Sinti), Muslim-/Islamfeindlichkeit, Rassismus, Ultranationalismus, »Hate Speech« (Hassrede).

Die DEXT-Beratungsstelle in Gießen. Ostanlage 25a, ist erreichbar unter der Rufnummer 0641/306-2471 oder per E-Mail: dext@giessen.de.

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