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Das andere Amerika

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Von: Ursula Hahn-Grimm

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Auf den Spuren der Folk-Legenden: Songs von Joan Baez und Pete Seeger werden im Levi-Saal zu hören sein. Foto: dpa © dpa

Um die Musik der US-Bürgerrechtsbewegung geht es bei einem Gesprächskonzert am Dienstag in Gießen. Durch das Programm führt ein Mann, den vor allem als Politiker bekannt ist.

GIESSEN (uhg). »Pass it on«: Eigentlich hätte das Konzert mit diesem Titel bereits im November 2020 anlässlich der US-Präsidentschaftswahlen stattfinden sollen. Trump oder Biden, so lautete die Frage. Doch der erste Corona-Winter ließ keine Auftritte zu. Und Joe Biden gewann das Wahlduell, was dem Anti-Trump-Projekt erst einmal den Wind aus den Segeln nahm. Doch jetzt gibt es erneut einen Anlass, die Lieder und Texte der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung hervorzuholen.

Am Dienstag finden die Zwischenwahlen zum US-Kongress, die Midterm Elections, statt. Wenn die Republikaner gewinnen, könnte sich einiges an den Bürgerrechten und auch an den Frauenrechten ändern. Genau der richtige Zeitpunkt, um jetzt mit dem Programm aus Liedern und Texten der US-Bürgerrechtsbewegung an die Öffentlichkeit zu treten, findet Gerhard Merz, der die Idee zu »Pass it on« hatte und zugleich als Moderator und Sänger zu hören sein wird. Das Gesprächskonzert wird am Dienstag, 8. März, um 19 Uhr im Hermann-Levi-Saal aufgeführt.

Eigentlich ist Merz in Gießen vor allem als SPD-Kommunalpolitiker und ehemaliger Landtagsabgeordneter bekannt. Weniger bekannt ist, dass er sich seit Studienzeiten eng verbunden mit den USA fühlt. Ebenfalls wenig bekannt ist, dass Merz gern singt, und sich nun besonders darauf freut, endlich sein Projekt mit Songs und erläuternden Texten der Öffentlichkeit vorzustellen.

Gerhard Merz als Moderator

Maßgeblich an der Entwicklung des Projektes beteiligt ist die Musikpädagogin und Chorleiterin Claudia Jirka, die mit Merz verheiratet ist. Überzeugt für dieses Projekt hat sie den Licher Pianisten Helmut Fischer, der auch schon ihren »Haus-Chor« Avanti Dilettanti auf Vordermann gebracht hat. Für das Projekt hatte Fischer einige zündende musikalische Idee parat. Ebenfalls dabei sind Schlagzeuger Johannes Langenbach sowie Dieter Eißel (Mundharmonika). Die Gesangsbegleitung übernimmt der Projektchor »Pass it on«, der sich zum großen Teil aus Sängerinnen und Sängern von Avanti Dilettanti zusammensetzt.

Mit Unterstützung seiner Begleiter will Merz »dem anderen Amerika« mit Songs und Geschichten aus dem 19. und 20, Jahrhundert Gehör verschaffen. Der Zustand der Demokratie in den USA, wo Merz Mitte der 1970er Jahre für die Gewerkschaft der Landarbeiter tätig war, beschäftigt den Gießener schon lange. Seit 2020 habe sich die Krise der US-Demokratie dramatisch zugespitzt, betonte Merz im Gespräch. Heute glauben 71 Prozent der dortigen Bevölkerung, dass ihre Demokratie in Gefahr ist. In Europa werde die Lage dagegen erst allmählich bewusst.

Mit dem Programm wollen die Akteure um Merz ein Zeichen setzen. Beginnend mit dem Kampf gegen die Sklaverei, werden Stationen des Kampfes für Freiheit, Bürger-, Frauen- und Arbeiterrechte anhand von Bildern, Liedern und Texten dargestellt. »Wir wollen zeigen, dass jeder Fortschritt immer wieder neu erkämpft werden muss. Der Titel »Pass it on«, der einer Hymne der Bürgerrechtsbewegung entnommen ist, steht genau dafür«.

Den gesellschaftlichen Bewegungen sind Lieder entsprungen, die Liedermacher wie Joan Baez, Bob Dylan, Pete Seeger oder Woody Guthrie weltberühmt gemacht haben. Einige der schönsten Titel sollen am Dienstag erklingen: «Glory, Glory, hallelujah« ist gleich in vier historisch unterschiedlichen Versionen zu hören. Nicht fehlen darf Bob Dylans Klassiker »The Times they are a changin«. Und schließlich soll auch der heldenhaften Harriet Tubman gedacht werden, die Hunderten von schwarzen Sklaven die Flucht aus den Südstaaten in den freien Norden ermöglichte.

»Wir wollen unserem Publikum nahebringen, welch großartige demokratische Tradition dort gerade auf dem Spiel steht«, erklärte Merz. Auch der Spaß sollte dabei aber nicht fehlen: In alter US-amerikanischer Tradition ist das Publikum ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen.

K arten für das Konzert am Dienstag, 8. November, um 19 Uhr gibt es für 10 (5) Euro per E-Mail unter merz-giessen@freenet.de und an der Abendkasse.

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