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»Das gibt ein unsicheres Gefühl«

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Der Radweg in der Rodheimer Straße verläuft größtenteils auf dem Gehweg - das führe immer wieder zu gefährlichen Situationen, kritisieren einige Verkehrsteilnehmer auf der Beteiligungsplattform »Gießen direkt«. Foto: Pfeiffer © Pfeiffer

Die Stadt Gießen befragt Radfahrer auf der Beteiligungsplattform »Gießen direkt« zu Gefahrenstellen. Die Resonanz ist groß und es gibt viele Kritikpunkte.

Gießen . Wer einen Radfahrer überholt, muss seitlich mindestens 1,50 Meter Abstand halten - oder eben hinter dem Drahtesel warten. Dass sich aber längst nicht jeder Verkehrsteilnehmer daran hält, davon können viele Radler ein Lied singen. Die Stadt Gießen wollte nun mit einer Onlinebefragung herausfinden, wo in Gießen man als Radfahrer besonders häufig gefährdet wird - etwa, weil Autofahrer zu wenig Abstand halten oder weil auf Radwegen geparkt wird. Denn nur wenn man sich im Straßenverkehr sicher fühle, »werden mehr Menschen aufs Rad umsteigen«, heißt es vonseiten der Stadt auf der Beteiligungsplattform »Gießen direkt«. Bis Sonntag lief dort die Befragung und die Resonanz war groß: 238 Beiträge wurden verfasst.

Die Hinweise reichen dabei von Falschparkern, die auf frischer Tat ertappt wurden, über eine vermeintlich schlechte Verkehrsführung, die insbesondere Radler gefährdet, bis hin zu zu engen Straßen, die in Verbindung mit ungeduldigen Autofahrern den Fahrrad-Fans das Leben schwer machen.

Gefahren für Radler und Fußgänger

Ein besonderes Ärgernis ist der Befragung zufolge die Rodheimer Straße. Der Radweg dort sei nicht nur zu schmal, sondern verlaufe auch in weiten Teilen auf dem Gehweg. Daher »besteht die Gefahr, dass Fußgänger auf dem Radweg laufen und mir vor das Rad«, kritisiert ein Nutzer. Da eine farbliche Unterscheidung zwischen Geh- und Radweg fehle, komme es häufiger zu derart gefährlichen Situationen. Außerdem hätten sich durch Wurzeln Bodenwellen auf dem Radweg gebildet.

Ein weiterer Nutzer weist für die Rodheimer Straße auf ein Risiko an der Einmündung zur Tankstelle sowie zur Bushaltestelle hin. Radfahrer würden sowohl von Auto- als auch von Busfahrern übersehen. Regelmäßige Unfälle mit Personenschäden gebe es nur deshalb nicht, weil die Radfahrer aus Erfahrung besonders vorsichtig seien. »Hier muss dringend etwas verändert werden«, fordert er.

Ähnlich sieht das eine Gießenerin, die zudem bemängelt, dass die Stadt den Radweg nach einem Hinweis über den Mängelmelder erst nach langer Wartezeit wieder neu mit roter Farbe gestrichen habe. Generell müssten Radwege farblich besser gekennzeichnet werden, so die Frau. Es reiche nicht aus, lediglich ein weißes Fahrrad aufzumalen, »was nach vier Wochen kaum noch zu erkennen ist«.

Häufig genannt werden auch Bismarck- und Ludwigstraße. Sowohl der Straßenbelag als auch die Straßenbreite würden ein sicheres Überholen von Radlern unmöglich machen, kommentiert ein Busecker. Vor allem für die Gymnasiasten der Liebigschule sei die Situation »lebensgefährlich«; der für Kinder vorgeschriebene Abstand von zwei Metern lasse sich nicht einhalten. »Deshalb wäre es nur konsequent, an diesen Stellen ein absolutes Überholverbot für alle Kfz einzurichten«, appelliert der Mann.

»Lebensgefahr« für Radfahrer attestieren die Nutzer auch der Marburger Straße. Der Radfahrstreifen sei so schmal, dass Kinderanhänger nicht vollständig auf den Radweg passen, sondern teils auf dem Gehweg unterwegs sein müssten - ansonsten würden sie von den Autos »erwischt« werden. Ferner würden Autofahrer den Mindestabstand nicht einhalten. An der Kreuzung Marburger Straße/Wiesecker Weg werde man »praktisch genötigt, bei Rot rüberzufahren, um nicht gleichzeitig mit den Autos bei Grün zu fahren«, kritisiert eine Frau.

Eine Krofdorferin stellt den motorisierten Verkehrsteilnehmern in Gießen ein besonders schlechtes Zeugnis aus: »Eigentlich hätte die Fragestellung sein müssen: Wo werden Sie mit dem richtigen Abstand mit 1,50 Metern überholt? Dann gäbe es hier keine Einträge.«

Ein weiterer Nutzer verweist darauf, dass mehrfach Radwege »im Nichts« enden. So würden Radfahrer, die auf dem Leihgesterner Weg stadteinwärts fahren, genötigt, sich kurz nach dem Fraunhofer-Institut in den Autoverkehr einzufädeln, da der Radweg ende. Dies sei besonders gefährlich, da sich die Straße an der Stelle verjünge. Die Stadt solle Autofahrer zumindest mit einem Verkehrsschild sensibilisieren.

Radweg ins Nichts

Ähnlich auch die Situation in der Ludwigstraße stadtauswärts auf Höhe der Einmündung Leihgesterner Weg: Auch dort ende der Radweg plötzlich. »Das gibt ein sehr unsicheres Gefühl«, wendet eine Kommentatorin ein.

Kritik gibt es ebenfalls für bereits vorhandene Fahrradstraßen: Die Goethestraße verdiene die Bezeichnung nicht, statt aller Autos sollten lediglich Anlieger zugelassen werden, schreibt der Autor. Darüber hinaus werde in der Straße »oft wild geparkt und überholt, obwohl dort wirklich kein ausreichender Platz für solche Manöver besteht«. Auch die Lonystraße sei, entgegen ihrer Ausweisung als Fahrradstraße, »nicht wirklich fahrradfreundlich«, wird an anderer Stelle bemängelt.

Wie geht es jetzt weiter? Die Verwaltung werde die Hinweise auswerten, »neben Brennpunkten für die Kontrolle selbstverständlich auch sonstige Hinweise«, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Denn sowohl kleine als auch große Maßnahmen könnten Verbesserungen für den Radverkehr in Gießen bringen. »Doch gerade vermeintliche Kleinigkeiten entpuppen sich mitunter bei genauerer Betrachtung als aufwendiger als erahnt. Wir werden die Vorschläge deshalb einzeln bewerten.«

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