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Das Leben der Paare

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Ein eingespieltes Paar, ein unerschöpfliches Thema: Nina Hoger und ihr musikalischer Begleiter Claus Schmidt im Bürgerhaus Langgöns. © Czernek

Die bekannte TV-Schauspielerin Nina Hoger stellte in Langgöns Kurzgeschichten vor, die es in sich haben.

Langgöns. Literarische Texte über das nicht immer einfache Miteinander von Mann und Frau, verbunden durch kleine musikalische Zwischenstücke: Das Programm »Paare« der bekannten Schauspielerin Nina Hoger und ihres Begleiters Claus Schmidt im Bürgerhaus Langgöns war perfekt aufeinander abgestimmt und sorgte für beste Unterhaltung.

»Ich freue mich wirklich, hier zu sein«, begrüßte die aus zahlreichen TV-Filmen wie dem »Tatort« und »Polizeiruf 110« bekannte Schauspielerin das Publikum. Angesichts der derzeit überall ausfallenden Bühnenprogramme ein glaubwürdiges Bekenntnis. Zumal auch bei diesem Auftritt eine gravierende Änderung zu verzeichnen war: Für den angekündigten, aber krankheitsbedingt ausgefallenen Klarinettisten Reinald Noisten sprang dessen Bandkollege ein. Claus Schmidt ist Mitglied des auf Klezmer spezialisierten Ensembles Noisten aus Wuppertal und vertrat den Namensgeber des Projekts bestens. Dafür nahm er aber Saiteninstrumente in die Hand: Gitarre, Ukulele oder die Ney, eine traditionelle türkische Flöte, mit der er für sanfte orientalische Klänge im Saal sorgte.

Eingesprungen für Kollegen

Das harmonische Zusammenspiel des Duos kam nicht von ungefähr: Schmidt und Hoger sind bereits mehrfach miteinander aufgetreten. In Langgöns erwiesen sie sich so als eingespieltes Duo. Mit dem Programm »Paare« tourt die 60-Jährige zudem schon seit einiger Zeit durch die Lande - wobei sie immer wieder andere Texte auswählt. »Es gibt ja so viele zu diesem Thema«, sagte sie im Anschluss an die Vorstellung. Nina Hoger hat die Gabe, literarische Texte zum Klingen zu bringen und genau dies gelang ihr auch am Donnerstagabend. Subtil kann sie ihre Stimme modulieren und so die Textnuancen feinfühlig, tiefsinnig und präzise herausarbeiten.

Insgesamt trug die Hamburgerin sieben von ihr selbst zusammengestellte Kurzgeschichten mit den unterschiedlichsten Intentionen vor, zu denen Claus Schmidt den jeweils passenden Ton beisteuerte. Es waren nicht die rosaroten Valentins-Lovestorys, die man anhand des Datums vielleicht vermuten würde, sondern so knappe wie tiefgründige Beziehungsgeschichten. So ging es etwa um das alltägliche, höhepunktlose Miteinander, wie es die Französin Anna Gavalda in »Dieser Mann und diese Frau« beschreibt. Oder um tiefe Beziehungsrisse, wenn es um die scheinbar richtige Ernährung geht. Davon erzählt die für ihre sehr kurzen Kurzgeschichten bekannte US-Amerikanerin Lydia Davis es in ihrem prägnanten Text »Fleischliche Lust«. Oder um den vergeblichen Versuch, aus der Beziehung auszubrechen, wovon die russisch-jüdische, nach Brasilien emigrierte Clardice Lispector in »Flucht« schreibt. Eine weithin vergessene Autorin, die 1977 starb und heute neu zu entdecken ist: Auch dazu trug Nina Hoger bei.

Nach einigen literarischen Irrungen und Wirrungen in Sachen Paare endete die Lesung mit dem Klassiker »Unverhofftes Wiedersehen« von Johann Peter Hebel (1760-1826), die von Philosoph Ernst Bloch als »die schönste Geschichte der Welt« bezeichnet wurde.

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