1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Das politische Leben ist wankelmütig«

Erstellt:

giloka_bouffier_2008_olz_4c_2
Frederik Bouffier tritt bei der nächsten Landtagswahl an und möchte, wie sein Vater Volker vor ihm, nach Wiesbaden gehen. Beide diskutieren viel über Politik und haben sich auch in der Corona-Krise regelmäßig ausgetauscht. Foto: Scholz © Scholz

Volker und Frederik Bouffier fühlen sich Gießen eng verbunden. Im ersten gemeinsamen Interview sprechen Vater und Sohn über ihre Heimat, Politik in der Familie und die Verpflichtung des Namens.

Gießen. Bei der Landtagswahl 2023 will Frederik Bouffier im Wahlkreis 18 kandidieren und damit, wie sein Vater Volker Bouffier vor ihm, den politischen Schritt nach Wiesbaden machen. In ihrem ersten gemeinsamen Interview sprechen der Ministerpräsident a. D. und sein Sohn über die Nominierung, Chancen bei der Wahl und den Ruhestand des erfahrenen CDU-Politikers.

Welchen wichtigen Ratschlag würden Sie einem jungen Mann geben, der heute hauptberuflich in die Politik gehen will?

Volker Bouffier: Ich würde mich zunächst bedanken, weil ich es wichtig finde, wenn jemand bereit ist, sich politisch zu engagieren. Raten würde ich ihm, ein festes berufliches Fundament jenseits der Politik zu haben. Das politische Leben ist wankelmütig, und man ist als Politiker ja bestrebt, im besten Sinne Zukunft zu gestalten und dabei seine Vorstellungen umzusetzen. Das kann man am Besten, wenn man unabhängig ist.

Was sollte er auf keinen Fall tun?

Volker Bouffier: Sich korrumpieren lassen. Man sollte zu seinen Überzeugungen stehen, aber auch verstehen, dass die eigene Meinung nicht unbedingt die einzige richtige ist. Die Kunst der Politik ist die Politikfähigkeit. Das bedeutet für mich, dass ich in der Lage bin, meine Ideen auch umzusetzen. Ansonsten schreibt man Programme. Da es aber relativ selten so ist dass man das allein kann, gehört zur Politikfähigkeit auch die Kompromissfähigkeit. Das ist keine Schwäche.

Es mangelt uns derzeit nicht an Krisen. Warum zieht es Sie dennoch nach Wiesbaden?

Frederik Bouffier: Ich war immer schon jemand, der gern gestalten möchte und nicht nur meckert. Natürlich können wir in Sachen Krise auf der Landesebene vieles mitgestalten. Aber es gibt noch viele weitere Themen. Und dafür zu sorgen, dass im besten Falle keine Krisen entstehen, es den Menschen gut geht und ich dabei meine Überzeugungen einbringen kann - das treibt mich in die Politik.

Wie sehen Sie Ihre Chancen bei der kommenden Landtagswahl?

Frederik Bouffier: Gut. Ich habe mir die Kandidatur wohl überlegt. Und ich bin kein Mensch, der alles mit sich allein ausmacht. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir einen so engen Zusammenhalt als Großfamilie haben. Wir besprechen viel Politisches, aber auch Privates. Hinzukommen enge Freunde, bei denen ich Rat einhole. Das galt natürlich auch für diese Frage der Landtagskandidatur. Ich wurde von allen bestärkt, zu kandidieren. Gießen ist meine Heimat. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und arbeite mittlerweile als Rechtsanwalt in unserer Stadt. Ich bin hier tief verwurzelt und insbesondere durch meine berufliche Tätigkeit mit den Sorgen und Problemen der Gießenerinnen und Gießener eng vertraut.

Was leiten Sie aus der Oberbürgermeisterwahl ab?

Frederik Bouffier: Wir haben bei der Bundestagswahl, die ja am gleichen Tag stattfand und bei der wir als CDU nicht in der allerbesten Verfassung waren, ein Ergebnis von etwa 17 Prozent bekommen. Ich bin bei der OB-Wahl bei 29,5 Prozent gelandet. Das war eine sehr, sehr enge Geschichte. Das bedeutet, dass ich nicht nur klassische CDU-Wähler angesprochen habe. Ich glaube, dass auch andere von meiner Art, Politik zu machen, überzeugt waren. Das ist eine gute Grundlage, um erfolgreich zu sein. Ich bin nicht naiv und weiß, dass das keine einfache Sache ist. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass ich Erfolg haben kann. Und so trete ich auch an: Ich will das Direktmandat für die CDU erringen und nächstes Jahr nach Wiesbaden gehen.

Haben Sie auch einen Listenplatz?

Frederik Bouffier: In der CDU ist es so, dass alle Kandidaten irgendwo auf der Liste platziert sind. Wir ziehen in der Regel viele Direktmandate, so dass wir mal schauen müssen, inwieweit die Liste überhaupt zum Tragen kommt. Aber wo ich auf der Liste positioniert sein werde, kann man im Moment noch gar nicht sagen. Es ist in vielen Kreisverbänden noch nicht klar, wer überhaupt kandidiert.

Die Kandidaten werden von der Partei erst noch festgelegt. Im Wahlkreis 19 gibt es derzeit sechs Bewerber, im Wahlkreis 18 nur Sie. Rechnen Sie mit Gegenkandidaten?

Frederik Bouffier: Andere Bewerbungen sind natürlich möglich, mir ist aber keine weitere bekannt.

Volker Bouffier: Bis zur Veranstaltung selbst kann jeder vorgeschlagen werden. Die Partei hat alle eingeladen, sie sollten sich bei Helge Braun melden. Das ist einige Zeit her. In meinem Wahlkreis ist eine ganze Reihe an Bewerbern da. Aber hier hat sich nach meiner Kenntnis niemand mehr gemeldet.

Wie fühlt sich der Ruhestand für Sie nach den vielen Jahren im politischen Amt an? Haben Sie sich schon daran gewöhnt?

Volker Bouffier: Ich fahre morgens später weg und komme abends früher heim. Ich sitze jetzt auf unserer Terrasse und entdecke unseren Garten. Ich bin ganz fasziniert, wie schön das ist. Ich habe noch eine ganze Menge Ämter, von denen auch noch einige bleiben. Auch dank der Schirmherrschaften, habe ich einiges zu tun. Aber ich empfinde es auch als schön, nicht mehr für alles verantwortlich zu sein und mehr Zeit für die Familie zu haben, Ich kann jetzt viele Dinge angehen, die über viele Jahre liegen geblieben sind. Was mir besonders auffällt: Ich bin am Wochenende zu Hause. Das hat es viele, viele Jahre nicht gegeben. Das ist schön und gefällt mir sehr gut.

Auch interessant